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Dich zu lieben
SCULLYS APARTMENT
10. Juni 1996
22.00 Uhr
Scully saß zusammengerollt in einer Ecke ihrer Couch umwickelt
von einer Decke wie in einer Schutzhülle. Sie war vom Büro sofort
nach Hause gefahren und hatte eine ganze Stunde auf dem Trainigsrad verbracht,
bis sie vollkommen erschöpft war. Es hatte aber geholfen. Als sie
kurz vor der Erschöpfung stand, raste ihr Puls und sie hat schwer
atmend aufgehört. Es war ein trotzdem ein gutes Gefühl - ein
völliges Hochgefühl und ein Gefühl der Freiheit, das sie
beruhigte. Dann war sie zu ihrer Couch gestolpert, einem ihrer Lieblingsplätze,
hatte den Fernseher auf CNN geschaltet, die Lautstärke gedämpft
und war eingedöst. Es war ein langer und unglaublicher Tag gewesen,
und sie brauchte etwas Zeit, um sich zu entspannen. Um über einige
Dinge nachzudenken. Etwas Zeit, um die Ereignisse des Tages aus ihrem Kopf
zu bekommen.
Mulder hatte sie an diesem Nachmittag beinahe geküßt.
Er war so nahe gewesen.
Sie bekam wieder Panik bei dem bloßen Gedanken daran, so daß
sie nicht wußte, wie sie damit umgehen sollte. Sie hatten sich den
ganzen Tag nur angeschrien als Folge einer langen Woche und der üblichen
unterschiedlichen Ansichten. Sie hatten eigentlich gar keinen richtigen
Fall im Moment, und Mulder hatte aus irgend einem Grund darauf bestanden,
alte Angelegenheiten aus früheren Zeiten wieder auszudiskutieren.
Angelegenheiten, über die sie lieber nicht sprechen wollte.
Aber für ihn war es wie ein Spiel, und als der späte Nachmittag
anrückte, hatte er die Grundregeln festgelegt.
Es war ganz einfach. Wer hat in den letzten zwei Jahren mehr durchstehen
müssen? Wer hat am meisten leiden müssen? Er grub wieder den
Tod ihres Vaters hervor, seine Schwester, die gar nicht seine Schwester
war, Melissas Tod, der Mord an seinem Vater, Scullys Entführung...
all die Dinge, die sie versuchte, hinter sich zu lassen. Es war schon grausam
genug, es in Gedanken wieder durchleben zu müssen, geschweige denn,
es sich von ihm anhören zu müssen.
Was ist nur in ihn gefahren? hatte sie sich auf dem ganzen Weg nach
Hause gefragt. Es hatte sich so seltsam benommen. Als ob er fast Spaß
daran gehabt hätte, alles wieder hervorzurufen.
****
10. JUNI 1996
EINIGE STUNDEN ZUVOR FBI HAUPTGEBÄUDE, WASHINGTON DC
"Es reicht, Mulder", giftete sie ihn an, und wollte das Büro verlassen,
als Mulder ihr mit der Erinnerung an ihre Entführung zusetzte.
Er hatte sie angestarrt mit seinen braunen Augen, die normalerweise
warm waren, die jetzt aber kalt wie Eis Löcher in sie hinein brannten.
"Hast du nie irgend welche Zweifel?" hatte er sie gefragt und sie hatte
entschieden den Kopf geschüttelt. "Fragst du dich nie, ob es nicht
viel mehr gibt, als das, was wir gesehen haben?"
Sie hatte ihre Sachen genommen und versucht, diese Unterredung zu beenden.
"Ich gehe nach Hause. Ein schönes Wochenende, Mulder."
"Du hättest erschossen werden können anstatt Melissa. Die
Kugel war für dich bestimmt", hatte er mit flacher Stimme gesagt.
Seine Stimme hatte so schnell umgeschwungen, daß sie es nicht erwartet
hatte. Der Tod ihrer Schwester war ihr immer noch frisch im Gedächtnis
und es war das einzige, bei dem sie noch sehr empfindlich war.
Die Blätter, die sie in ihre Tasche stecken wollte, glitten ihr
aus der Hand und flatterten auf den Boden. "Verdammt", fluchte sie. Sie
beugte sich hinunter, hob sie auf und versuchte, sie wieder in irgend eine
Ordnung zu bringen. Er war augenblicklich an ihrer Seite und half ihr.
"Es tut mir Leid", sagte er und seine Stimme war weicher. "Scully,
es tut mir Leid." Er berührte ihre Hand, mit der sie die Blätter
hielt und sie hielt inne und sah ihn an. Ihre Gesichter waren nur wenige
Zentimeter entfernt und sie konnte seinen Atem schwach und warm auf ihrem
Gesicht spüren. Her sah sie an und sie erwiderte seinen Blick, unfähig
sich zu bewegen oder zu sprechen.
Sie erkannte den Ausdruck in seinen Augen wieder, obwohl sie ihn noch
nie in einer solchen Intensität gesehen hatte. Es war ein Ausdruck
voller Sehnsucht. Der Griff seiner Finger an ihrem Handgelenk half ihr,
ihr Gleichgewicht beizubehalten. Sie konnte durch seinen Griff die Wärme
seiner Haut tief in sie hineinströmen fühlen. Sie war ihm so
nahe; alles, was sie hätte tun müssen, war, sich ein wenig nach
vorne zu lehnen und ihre Lippen hätten sich berührt. <Es war
genau das, was du immer wolltest.>
Sie erschrak durch die plötzliche Welle von Gefühlen. Aber
andererseits hatte sie schon immer gewußt, was sie wirklich für
Mulder empfand.
Mulder sah sie an. Er konnte das intensive Blau ihrer Augen sehen als
ob er sie zum allerersten Mal sehen würde. Ihre Unterlippe war voll
und warm. Wenn er doch nur...
Mulder hob seine Hand und strich mit seinem Daumen langsam über
ihre Lippen auf eine Weise, die man als nicht anders als gefühlvoll
interpretieren konnte. Er fühlte ihre weichen Lippen und wollte sie
an sich ziehen und seinen Mund gegen ihren pressen. Scullys Augen weiteten
sich, als ob sie genau sehen konnte, was er dachte, was er wollte. "Scully",
flüsterte er. Er berührte ihre Wange, ihren Unterkiefer, ihren
Hals.
Ihre Haut brannte wie Feuer durch seine Berührung. Für einen
Moment wollte sie ihn mehr als alles andere, aber im nächsten bekam
sie schreckliche Angst. Erschrocken wich sie von ihm. Mulder schaute schuldbewußt
auf den Boden und wich ebenfalls zurück. Er wußte, daß
er die unsichtbare Grenze überschritten hatte, die sie zwischen sich
aufgebaut hatten.
Scully stand auf und strich sich eine Strähne hinter ihr Ohr.
Sie konnte ihn nicht ansehen. Sie wußte, was sie in seinen Augen
sehen würde, wenn sie es tat. Sie wollte auch nicht, daß er
sie ansah. Er würde dasselbe in ihren Augen sehen. Das Verlangen füreinander,
das so urplötzlich vom tiefsten Innern an die Oberflächen getreten
ist, war nun schwer zu verbergen.
Scully stopfte die Blätter zurück in ihre Tasche. Sogar mit
dem Rücken zu ihm konnte sie seine Augen auf ihr fühlen. Sie
konnte immer noch die Wärme auf ihrem Gesicht spüren an der Stelle,
an der er sie berührt hatte; ihre Lippe, die er nur Momente zuvor
berührt hatte, zitterte leicht. "Wir sehen uns später", schaffte
sie zu sagen und lief aus dem Büro.
****
SCULLYS APARTMENT 10. Juni 1996 23.00 Uhr
Das Klopfen an der Tür schreckte Scully aus ihren Gedanken. Es
war eigentlich gar kein richtiges Klopfen; vielmehr ein hartnäckiges
Hämmern. Sie sprang von der Couch und eilte zur Tür. Sie machte
nur kurz Halt, um ihre Waffe von der Küchentheke zu holen. Sie prüfte,
ob sie geladen war und näherte sich dann vorsichtig der Tür.
Das Hämmern hörte nicht auf. Sie wollte schon fragen, wer es
war, als sie eine Stimme hörte: "Komm schon, Scully, ich weiß,
daß du da bist. Mach die Tür auf."
Sie schaute durch den Spion, um sicher zu gehen. Es war Mulder. Zugegeben,
er sah ein wenig zerzaust aus... es war aber vielleicht nur durch die Verzerrung
im Spion. Sie schloß die Tür auf und öffnete sie. Mulder
war wirklich zerzaust, es war nicht die Verzerrung gewesen. Er hatte getrunken.
Seine Augen wurden weit, als er sie sah. Sie sah an sich herunter und verstand
warum. Sie trug immer noch die Sachen, die sie auf dem Trainingsrad getragen
hatte. Eine schwarze Radlerhose und einen schwarzen Sport-BH. Sie blickte
zurück zu Mulder, dessen Augen jede ihrer Kurven hungrig in sich aufsaugten.
Sie winkte ihn herein und eilte ins Schlafzimmer, um sich etwas über
zu werfen. Das erste, das sie fand war ein Sweatshirt, also zog sie es
sich schnell über den Kopf. Ein Blick in den Spiegel auf dem Weg zurück
ins Wohnzimmer verriet ihr, daß sie immer noch rot war.
Mulder stand immer noch an der Tür und sah auf etwas in ihrem
Bücherschrank. Er drehte sich um, als er sie wieder ins Zimmer kommen
hörte. "Scully, hör zu--" fing er an, aber sie schnitt ihm das
Wort ab. "Mulder, was machst du hier? Es ist schon spät."
Ihre Stimme war völlig neutral, bemerkte er. Er konnte trotz des
Nebels in seinem Gehirn durch die drei Wodkas an der Bar sehen, daß
ihr Gesicht immer noch rot war. Nachdem er sie an der Tür gesehen
hatte, hatte er die größte Mühe, ruhig zu atmen. Sie war
ein Traum. Sexier als er es sich je in seinen wildesten Phantasien je vorgestellt
hatte.
In all diesen Phantasien hatte er es sich nie ausmalen können,
wie sie mit so wenig an aussehen würde. Zugegeben, er hatte sie bei
ihrem ersten Fall praktisch nackt gesehen, aber das war sehr lange her
und unter völlig andere Umständen. Damals war er noch nicht verliebt
in sie gewesen.
Und jetzt hatte er gesehen, was sie normalerweise so gut verborgen
unter ihrer Arbeitskleidung verbarg. Die Radlerhosen verbargen nicht viel
ihrer Beine. Und sie hatte tolle Beine. Fit und muskulös ohne prahlend
zu wirken. Der Sport-BH ließ nicht mehr viel zur Vorstellung übrig.
Ihre Schultern und ihr Bauch waren sichtbar und ließ ihn die genaue
Form ihrer Brüste erkennen. <Sie ist erstklassig.>
"Mulder?" fragte sie. Er sah auf.
"Scully, ich will mit dir darüber reden, was heute früh im
Büro passiert ist."
Scully verschränkte defensiv die Arme vor der Brust. Es kam ihr
vor, als hätte sie überhaupt nichts an wegen der kurzen Hose
und weil sie barfuß war. Das Sweatshirt war das Beste, das sie hatte
nehmen können, denn sie hatte ihren Bademantel nicht finden können,
als sie ins Schlafzimmer gerannt war. "Da gibt es nichts zu reden, Mulder",
antwortete sie.
"Doch es gibt etwas", kam seine Antwort. "Ich hätte all diese
Dinge nicht sagen sollen, Scully. Ich war nicht ich selbst." <Natürlich
warst du es.> "Mulder, du bist betrunken. Wir können morgen darüber
reden." Mulder machte einen Schritt auf sie zu und sie wich zurück,
deutlich. "Ich würde gerne jetzt darüber reden", sagte er und
versuchte, seine Stimme stabil zu halten. Alles, woran er denken konnte,
seit sie aus dem Büro gelaufen war, war ihre Haut. Wie weich sie war
und warm. Wie sich ihre Lippe unter seinem Daumen angefühlt hat. Wie
sehr er sie küssen wollte. Wie sehr er sie jetzt küssen und sie
auf dem Boden lieben wollte.
"Mulder--" sagte sie und legte ihren Kopf auf die Seite.
"Scully, bitte. Ich muß mit dir darüber reden."
Sie konnte ihm die Bitte nicht abschlagen und sie beide wußten
es. Sei seufzte und willigte ein. "Ok, also rede."
Er erstarrte. Was sollte er sagen? Alles, das er sich zuvor an der
Bar ausgedacht hatte, war wie weggeblasen. "Scully, was vorhin zwischen
uns passiert ist...", begann er und kramte in seinem Gedächtnis nach
Worten.
"Was vorhin passiert ist, hätte nicht passieren sollen", log sie.
"Es hätte nicht passieren dürfen. Das wissen wir beide, Mulder."
Mulder sagte nichts. Er hatte sie so oft "Es geht mir gut" in demselben
Ton sagen hören, daß er wußte, daß sie log. "Scully,
wir wollten, daß es passiert", sagte er leise. "Ich wollte es zumindest.
Und ich wollte, daß noch mehr passiert." Mulder gratulierte sich
selbst zu der Idee trinken zu gehen, bevor er hier her gekommen ist. Seine
Nerven würden ohne den Alkohol jetzt bestimmt blank liegen, nachdem
er dies gesagt hatte. Es half ihm, ruhig zu bleiben. Doch gleichzeitig
fürchtete er, daß er ohne seine natürlichen Hemmungen zu
viel sagen könnte.
Scully zog bei seinen Worten scharf die Luft ein. "Mulder, es gibt
nichts zwischen uns. Gar nichts." Sie wußte, daß sie log und,
was schlimmer war, sie wußte, daß es sich so anhörte,
daß sie log. Sie wußte, daß es ihn verletzte, was sie
gesagt hatte. Aber sie konnte dies nicht tun. Sie konnte nicht zugeben,
daß sie Gefühle für ihn hatte. Es war zu gefährlich.
<Worüber machst du dir Sorgen, verdammt noch mal? Daß sie
es beim FBI herausfinden? Oder hast du nur Angst davor, ihm deine Verletzlichkeit
zu zeigen?> Mulder durchquerte den Raum mit zwei langen Schritten und nahm
sie in die Arme, bevor sie reagieren konnte. "Mulder!" rief sie überrascht,
als er eine Hand um ihre Hüfte und die andere Hand an ihren Nacken
legte und ihr mit den Fingern durch das Haar fuhr.
"Was tust du da?" Sie wollte ihn schlagen, sich aus seiner Umarmung
befreien, aber sie konnte es nicht. Sie wollte es nicht. Sie war wie benommen,
weil sein Körper so nahe an sie gepreßt war.
Mulder wollte sie in diesem Moment küssen, aber er hielt sich
zurück. "Nichts zwischen uns?" fragte er sarkastisch, fast wütend.
<Wie konnte sie das nur denken?> Er beugte sich herunter und strich
mit den Lippen über ihre Stirn. Dann bedeckte er ihre Schläfen
und ihre Augen mit federleichten Küssen. Er fühlte, wie sie in
seinen Armen zitterte. Sie hatte ihre Arme um seine Hüften gelegt
und hielt ihn fest. Er wußte, daß sie nicht verhindern konnte,
was passieren würde. Keiner von beiden wollte aufhören. Mulder
fürchtete, daß sie ihn jeden Moment fort stoßen könnte,
aber sie tat es nicht. Er ließ seine Hand von ihrem Hals zu ihrem
Kinn gleiten und hob es ein wenig an, so daß sie ihm in die Augen
sah. "Nichts zwischen uns, Scully?" fragte er wieder, seine Stimme immer
noch schneidend. Er wußte, daß er sie jetzt küssen mußte.
Es war ihre Strafe, und obwohl er sie wollte, wollte er es sanft angehen
lassen. Doch er wollte sie zugleich aus überwältigen.
Sie schüttelte unmerklich ihren Kopf. Er beugte sich noch tiefer
und berührte ihre Lippen mit seinen, zart, ganz zart, so daß
er sich gar nicht sicher war, ob er sie überhaupt berührt hatte.
Aber er fühlte ihre Lippen unter seinen. Es war wirklich. Der Kuß
war sanft, für einen Moment jedenfalls.
Sobald Mulder sie küßte, war es, als ob etwas in ihm losbrechen
würde. Er ergriff Besitz von ihren Lippen und hörte sie nach
Luft schnappen, als er seine Zunge zwischen ihre Lippen schob und heftig
ihren Mund erkundete. Er warf seinen Körper auf sie mit einer Kraft,
von der er nicht gewußt hatte, daß er sie verwenden würde.
Sie tumelten gegen die Wand. Scully fühlte die Härte der Wand
an ihrem Rücken, aber Mulder hörte nicht auf, sie zu küssen.
Scully legte die Hände an seinen Kopf, um ihn wegzuziehen, doch
sie schaffte es nur, ihre Hände in seinen Haaren zu verstricken, so
daß er sie mit noch mehr Leidenschaft und Heftigkeit küssen
konnte. Er vergrub sein Gesicht in ihrem Hals und inhalierte den Duft ihrer
Haut, er fuhr mit den Händen an ihren Seiten herunter und zog das
Sweatshirt hoch, das sie vor nur einigen Minuten so hastig angezogen hatte.
Er legte seine Hände auf ihren warmen Rücken und konnte den weichen
Stoff ihres Sport-BHs fühlen. "Das ist es, das du willst, hab ich
Recht?" fragte er, aber er klang nicht mehr ärgerlich.
Scully fühlte, wie seine Erektion gegen ihren Schenkel drückte
und sie wußte, daß wenn sie ihn nicht bald stoppen würde,
würde sie es nicht mehr können. Sie wußte, daß sie
wollte, aber ein Teil von ihr hatte Furcht, es ihm zu sagen.
Seine Hände glitten nun über ihre Hüften und an ihrem
Gesäß entlang. Sie war hilflos in seiner Umarmung. Seine Lippen
fanden wieder ihren Mund und er küßte sie abermals, er küßte
sie auf eine Weise, die jeden guten Grund, aufhören zu wollen, aus
ihrem Gehirn verbannte. "Mulder", flüsterte sie zwischen ihren Küssen.
Er erzitterte, als er hörte, wie sie seinen Namen sagte, weil
er wußte, was kommen würde. Er zog wieder an ihrem Sweatshirt,
diesmal wollte er es ausziehen. Wortlos ließ er sie gerade mal so
lange los, um es über ihren Kopf zu ziehen. Er warf es achtlos zu
Boden. Mulder starrte sie an und dachte an ihren Anblick in dem Sport-BH,
das sich bereits in sein Gedächtnis eingebrannt hatte.
Aufeinmal war Scully schüchtern und wollte schützend ihre
Arme vor sich verschränken. "Nein, tu's nicht", hielt er sie davon
ab. Er nahm ihre Hände und senkte sie wieder. "Du bist wunderschön",
sagte er leise. Er küßte ihren Hals und fuhr mit einem Finger
an den Rändern des Kleidungsstückes entlang, das sie zuvor verstecken
wollte.
Mulder merkte, daß es keine Häckchen am Rücken hatte,
deshalb hob er es über ihren Kopf und schnappte nach Luft, als er
ihre Brüste sah. Er beutgte sich herunter und hob eine zu seinem Mund.
Mit der Zunge fuhr er über ihre bereits harte Brustwarze und sie stöhnte
und schloß die Augen.
Jeder Nerv in Scullys Körper war gespannt und sie reagierte viel
sensibler auf jede Berührung und jede seiner Bewegungen. Er versuchte,
sie von ihrer Radlerhose und Unterwäsche zu befreien und zog beides
herunter, als er sie wieder leidenschaftlich küßte. Sie tastete
nach seinem Gürtel, doch sie fand sein Erektion und ließ ihre
Finger vorsichtig darauf spielen. "Großer Gott", flüsterte er.
Scully öffnete langsam seinen Reisverschluß.
Was zum Teufel machen wir hier? dachte Mulder. Er wollte, daß
ihr erstes Mal so... anders sein würde als das. Aber was hier passierte,
waren völlig außer Kontrolle. Scully atmete schwer und war offensichtlich
sehr erregt. Er riß ihre Radlerhosen den Rest des Weges herunter,
ohne den Kuß länger als eine Sekunde unterbrechen zu müssen.
Er fühlte, wie hart er war und es war fast schmerzhaft.
Er tastete nach ihr und fand sie bereits feucht. Als seine Finger sie
berührten, seufzte sie. "Mulder", sagte sie wieder mit erstickter
Stimme. Er fuhr mit einer raschen Bewegung in sie hinein und sie griff
seine Schultern und keuchte. Er sah sie voller Ehrfurcht an. Sie war so
unglaublich schön, daß er fast auf der Stelle gekommen wäre,
aber er konnte sich gerade noch mit dem letzten Rest seiner Willenskraft
aufhalten.
Scully fühlte, wie er anfing, sich zu bewegen. Langsam zuerst,
doch dann nahm sein Tempo zu. Sie schloß die Augen. Zum Teil, weil
sie sich aufrecht an der Wand liebten mit dem Rest ihrer Kleider um ihre
Knöchel verstreut, und weil sie sich bloßgestellt fühlte.
Aber dieses Gefühl verging, als sie ihrem Höhepunkt näher
kam. Sie wußte, daß wenn sie ihre Augen öffnete, sie sehen
würde, wie er sie ansah. Sie wollte, daß er den Moment sah,
in dem sie ihre Augen öffnete und kam.
Seine Bewegungen wurden schneller, kurze, schnelle Stöße.
Sie bemerkte Stöhnen. War er es oder sie? Sie wußte es nicht.
Es war ihr egal. Sie hielt ihn fest an sich gepreßt und öffnete
die Augen. Sie genoß es zu sehen, daß als sie über alle
Grenzen fiel, als ihr Orgasmus begann, seiner ebenfalls einsetzte.
"Dana", keuchte er, "Dana, ich liebe dich, ich liebe dich." Er kam
mit einem letzten Stoß und hielt sie fest, als sie sich um ihn herum
verkrampfte.
"Mulder, oh Gott, Mulder!" schrie sie, als ihr Orgasmus sie schüttelte.
Es war still für einige Momente und ihr Atem beruhigte sich. Dann,
endlich, bewegte sich Scully. Mulder verließ ihren Körper. Sie
zerrte an ihrer Radlerhose und zog sie hoch. Sie sah in nicht an. Er zog
seine Jeans wieder an. "Scully", sagte er und kam sich plötzlich vor,
als ob er sie betrogen hätte. "Scully?" Sie drehte sich zu ihm um,
nachdem sie ihr Sweatshirt wieder angezogen hatte. In ihren Augen waren
Tränen. "Was habe ich getan?" fragte er und fühlte sich unmittelbar
schuldig. "Scully?"
"Es ist nicht deine Schuld", sagte sie und Tränen rollten über
ihre Wangen. Sie war verlegen. "Es ist nur--all das, was gerade passiert
ist..." Sie wischte sich mit dem Handrücken die Tränen weg. Durch
diese simple Geste wirkte sie sehr zerbrechlich und gleichzeitig sehr stark.
Es sah unheimlich süß aus. Scully rang mit sich selbst, um ihre
Selbstkontrolle zu bewahren. Sie hatte sich seit Ewigkeiten gewünscht,
ihn zu lieben, aber sie hatte es sich nie vorgestellt, daß es auf
diese Weise passieren würde. Er hat mit ihr nicht Liebe gemacht. Er
hat sie lediglich gevögelt. Und sie hat ihn gelassen.
"Scully, ich weiß, das ist nicht, was... was ich wollte. Ich
meine, doch, ist es", versuchte Mulder hastig zu erklären, "aber ich
wollte nicht, daß es so geschieht." Er merkte aufeinmal, wie schrecklich
sie sich fühlen mußte. Er hatte sie benutzt, um mit seinen wirbelnden
Emotionen fertig zu werden, die aufgekommen waren, als er sich betrunken
hatte.
Scully wandte sich von ihm ab. Sie wußte, daß es ihm weh
tun würde, aber sie wollte nicht, daß er ihr Gesicht noch länger
sieht. Es tat zu sehr weh. Beide wußten, daß es nicht mehr
rückgängig zu machen war. Scully versuchte, den Kloß in
ihrem Hals hinunterzuschlucken. Wie konnte sie ihm nur erklären, warum
sie erschüttert war? Würde er es überhaupt verstehen? Sie
bezweifelte es. Wie lange hatte sie sich das schon gewünscht? Es kam
ihr vor wie Ewigkeiten.
Mulder legte sanft seine Hand auf ihre Schulter. Ihm den Rücken
zuzudrehen war das Schlimmste, das sie hätte tun können. Bitte,
Scully, dachte er, wende dich jetzt nicht von mir ab. "Dana?" fragte er
leise und sie drehte sich um. Er sah, daß sie versuchte, ihre Gefühle
unter Kontrolle zu halten, daß sie tapfer versuchte, stark zu bleiben.
Und sie so sehen zu müssen brach Mulder das Herz. "Es tut mir Leid",
sagte er sanft und hoffte, daß es helfen würde. "Ich wollte
auch nicht, daß es so passiert."
"Du wolltest also mit einer Flasche Wein hier her kommen und bei Kerzenlicht
romantische Musik auflegen und tanzen und Wein trinken und mich dann für
den Rest des Abends ins Bett tragen?" fragte Scully aufgebracht.
Mulder starrte sie an, als er erkannte, daß das ihre Phantasie
war.
"Scully, hör zu", flehte er sie an und nahm sie bei den Schultern.
Sie versuchte, sich aus seinen Armen zu befreien, aber er ließ sie
nicht los. "Ich bin verliebt in dich." Ihre Augen wurden weit, als sie
dies hörte, und ihre vollen Lippen öffneten sich, aber sie sagte
nichts. Mulders Aufmerksamkeit richtete sich auf ihre Lippen, die er nur
Minuten zuvor geküßt hatte. "Scully, ich bin verliebt in dich",
wiederholte er und empfand ein seltsames Gefühl dabei, weil er nicht
glauben konnte, daß er ihr es tatsächlich sagte. "Ich liebe
dich schon so lange, Scully."
"Sag das nicht", warnte sie ihn, machte sich von ihm los und warf sich
förmlich mit zusammengezogenen Beinen auf die Couch.
"Warum nicht?" fragte Mulder. Er folgt ihr zur Couch und setzte sich
ebenfalls vorsichtig darauf. Er ließ genügend Raum zwischen
ihnen, um ihr nicht das Gefühl zu geben, er wolle sie überrumpeln.
"Sag solche Dinge nicht, wenn du sie nicht ernst meinst, Mulder ",
sagte sie und er hörte das Zittern in ihrer Stimme.
Mulder sah sie unverwandt an. "Ich meine es ernst", sagte er. "Ich
liebe dich."
Scully konnte sich gerade davon abhalten, ihre Hand vor den Mund zu
schlagen. Wenn er mich also liebt, warum hatten wir dann gerade Sex an
der Wand? Warum hat er nicht einfach...
"Ich hatte solche Angst, Scully, und ich weiß, du auch." Mulder
erinnerte sich an den Ausdruck in ihren Augen einige Stunden zuvor im Büro,
als sie so nahe beieinander gewesen waren und sie ihn voller Furcht angesehen
hat wie ein zu Tode erschrecktes Kind. "Ich glaube, ich konnte mir nichts
mehr länger vormachen. Ich konnte dich nicht nur als meine Partnerin
und beste Freundin sehen und nichts mehr."
Scully verstand. Sie selbst hatte so lange ihre Gefühle für
ihn vor ihm geheim gehalten. Aber umso näher si sich gekommen waren,
umso schwerer wurde es. Der Gedanke daran, daß sie ihn verlieren
könnte, machte ihr angst. Der Gedanke, daß er mit einer anderen
Frau sein könnte, verletzte sie. Der Gedanke daran, daß sie
getrennt sein könnten, stach wie ein Schwert in ihr Herz. Und sie
hatte nie gewollt, daß er denkt, er müsse sie beschützen.
Scully wollte auf sich selbst aufpassen können. Sie wollte, daß
Mulder wußte, daß er in gefährlichen Situationen auf sie
zählen könnte, ohne ständig über seine Schulter gucken
zu müssen, ob es ihr gut ging. Aber gleichzeitig wollte sie, daß
er sie beschützt. Sie wollte, daß er sie vor all den schrecklichen
Dingen beschützt, die sie gesehen hatten, vor all den Dingen, die
sie immer noch in ihren Gedanken verfolgten. Sie wollte abends nach Haue
kommen und sich im Bett an ihn kuscheln. Sie wollte mitten in der Nacht
aufwachen können und ihre Arme um seinen nackten Oberkörper legen,
wenn ihn Alpträume plagten, und sie wollte ihm beruhigende Worte ins
Ohr flüstern, um ihm zu helfen, wieder einzuschlafen. Irgendwo an
der Grenze zwischen Partnern und besten Freunden hatte Scully angefangen,
sich ihn als ihren Geliebten vorzustellen.
Es war nicht nur, weil sie praktisch fast die ganze Zeit zusammen verbrachten.
Es war, weil sie auf eine seltsame Art und Weise perfekt füreinander
waren. Sie hatten außer dem gemeinsamen Verlangen nach der Wahrheit
absolut nichts gemeinsam. Sie hatten keine gemeinsamen Interessen. Und
doch waren sie wie füreinander gemacht. Sie waren des anderen fehlende
Hälfte.
Scully konnte sich vorstellen, was Mulder in der Zeit durchgemacht
haben mußte, als sie verschwunden war. Sie hat genau dasselbe gefühlt,
als sie gedacht hat, er sei tot. Es war, als ob sie von einem bestimmten,
lebendigen Teil von ihr völlig getrennt würde.
"Ich weiß nicht, Scully... es war so ein schreckliches Gefühl
zu denken, ich könnte dich wieder verlieren... diesmal für immer..."
Mulder studierte ihr Gesicht und hoffte, daß sie verstehen würde.
"Warum also die Befragung im Büro heute?" fragte sie. "Du weißt
genau, daß ich nicht darüber sprechen möchte, über
keines von den Dingen, Mulder. Aber du hast einfach nicht aufgehört.
Du hast immer weiter gestochert."
"Ich weiß, Scully... Ich glaube, ich hatte gedacht, daß
ich dich dazu bringen könnte, dich mir zu öffnen und mit mir
über alles zu reden." Mulder fuchtelte mit den Händen durch die
Luft. "Ich weiß nicht einmal, wie ich das alles erklären kann.
Das hier. Uns."
Scully nickte. Sie konnte es auch nicht erklären. Aber es war
trotzdem keine Entschuldigung für das, was eben passiert war. "Mulder,
was wir gerade getan haben, was gerade passiert ist, war ein Fehler. Es
hätte nie passieren sollen."
Mulders Kopf schoß hoch und er sah sie an. "Was soll das heißen?"
fragte er und in seiner Stimme lag Schock und Entsetzen.
"Du weißt, was ich meine. Du weißt, daß ich Recht
habe."
Mulder schüttelte den Kopf. "Nein, Scully, du hast Unrecht. Was
gerade passiert ist... ich weiß, es hätte nicht so passieren
sollen, aber ich bereue es nicht. Nicht für eine Sekunde."
Scullys Herz schlug wild in ihrer Brust. "Dann bist du der einzige,
der es nicht bereut, Mulder. Ich weiß nicht, was ich tun würde,
um die letzte halbe Stunde rückgängig zu machen." Sie war sich
bewußt, daß sie log und sie hatte das Gefühl, daß
er es auch wußte. Aber sie versuchte immer noch, ihre Selbstachtung
zu bewahren. Sie würde es nie zulassen, daß sie es vor ihm oder
sich selbst zugeben würde, daß es das richtig gewesen war. Sein
Gesicht verhärtete sich und seine Augen wurden ganz schwarz. "Ich
wünschte, du würdest so etwas nicht sagen, Scully." Er rutschte
auf der Couch näher zu ihr, aber sie hob ihre Hand, um ihn zu stoppen.
"Nicht."
"Scully--"
"Nein, Mulder. Es ist genug Schaden angerichtet worden. Geh nach Hause."
Er starrte sie an und konnte nicht glauben, daß sie es ernst
meinte. Aber der Ausdruck in ihren Augen war todernst. Mulder stand auf
und ging auf die Tür zu. Er fühlte, wie ihre Augen ein Loch in
seinen Rücken brannten. Bevor er die Tür erreichte, drehte er
sich um und blickte sie an. "Scully, es tut mir Leid. Es tut mir schrecklich
Leid."
Sie nickte.
Mulder wartete für einen Bruchteil einer Sekunde und hoffte, daß
sie ihre Meinung ändern würde, hoffte, daß sie nicht mehr
böse mit ihm ist. Er hoffte mehr als alles andere, daß sie ihre
Arme öffnen würde und er die Nacht hier mit ihr verbringen könnte.
Aber sie tat es nicht. Statt dessen sah sie ihn mit ihren blauen Augen
an, matt und ausdruckslos. Er drehte sich um und verließ ihre Wohnung.
Was war passiert, verdammt noch mal? Er schloß die Augen.
In ihrer Wohnung zerbrach Scullys Fassade, die ihr die Kraft verliehen
hatte, dies alles durchzustehen in tausend Scherben und sie brach in Tränen
aus.
10. OKTOBER 1996
Vier Monate waren seit ihrer Begegnung verstrichen, und weder Mulder
noch Scully hatten es vergessen. Und obwohl sie weiter lebten, als sei
nie etwas geschehen, war es offensichtlich, daß sich ein Keil zwischen
ihnen gebildet hatte. Mulder merkte, daß Scully sich absichtlich
von ihm distanzierte, physisch und psychisch. Wenn sie einen Fall untersuchten,
hatte sie immer einen Vorwand, einen Flug früher oder später
zu nehmen. Sie nahmen nie den gleichen Flug. Sie fuhren nie in demselben
Mietwagen. Auf der Arbeit hatte Scully immer etwas, um das sie sich kümmern
mußte, sobald Mulder das Büro betrat. Alles zwischen ihnen hatte
sich verschlechtert. Scully sah ihn nicht mehr an, scherzte nicht mehr
mit ihm. Ihr einstiger messerscharfer Sinn für Humor war verschwunden.
Mulder konnte jeden Morgen die dunklen Ringe unter ihren Augen sehen. Er
hatte sie auch. Er betrank sich abends, um schlafen zu können
und fragte sich, was Scully wohl tut, um einzuschlafen. Mulder hatte sie
zweimal aus dem FBI Besprechungsraum kommen sehen und sich den Mut gewünscht,
sie anzusprechen.
Er hatte sich noch sie so verärgert und frustriert und verletzt
gefühlt. Er wußte, daß Scully genauso empfand, aber ihm
fiel nichts ein, was er zu ihr sagen könnte. Es gab keinen Weg, auch
nur ein Gespräch mit ihr anzufangen, denn sie waren nie lange genug
in demselben Raum.
Sie hat mir nie gesagt, daß sie mich liebt, dachte er mindestens
zehn Mal am Tag.
Er wußte, daß er es sich etwas vormachte, wenn er dachte,
daß sie eines Tages wieder zu ihm zurückkehren würde. Er
ging und kaufte ihr ein Geschenk.
Er brauchte drei Tage zum Suchen und Nachdenken, bis er das perfekte
Geschenk für sie gefunden hatte. Er entschied sich für ein einfaches
Goldarmband mit einem Diamanten. Er packte das kleine Ringkästchen
in eine braune Box und brachte es eines Morgens vor Sonnenaufgang an ihre
Türschwelle. Am nächsten Morgen, als er zur Arbeit ging, fand
er es ungeöffnet vor seiner Tür wieder. Mulder wußte, daß
sie keine Ahnung hatte, was in dem Päckchen war ohne es geöffnet
zu haben. Er nahm es wieder in seine Wohnung und verstaute es in einer
Schublade.
Mulder verbrachte seine ganze Zeit zu Hause damit, auf der Couch zu
liegen und ziellos durch die Kanäle zu zappen. Er aß kaum. Sogar
seine beträchtliche Videosammlung erschien ihm lächerlich und
unnütz. Er hatte kein Interesse mehr daran.
Scully ging es auch nicht viel besser. Sie warf Mulder Blicke zu, wenn
er nicht hinsah, und sie konnte die Niedergeschlagenheit in seinem Gesicht
geschrieben sehen. Skinner hatte sie schon mehr als einmal zu sich ins
Büro gerufen, und verlangte zu wissen, was mit ihnen los sei. Einmal
rief er Scully allein zu sich ins Büro. Er hatte sie geradeheraus
gefragt, was los sei und Scully hatte ihm versichert, daß alles
zwischen ihnen in Ordnung sei und nahm an, daß er Mulder dasselbe
gefragt hatte. Sie sah keinen Grund, warum Skinner mißtrauisch werden
sollte.
Scully hielt es im Büro kaum aus. Jeder Moment mit Mulder war
qualvoll für sie. Sie mied das Kellerbüro so oft es auch ging,
obwohl es ihr zu Hause auch nicht viel besser ging. In den ersten beiden
Monaten hatte sie 10 Pfund verloren, weil sie kaum etwas aß. Im dritten
Monat warnte sie ihre Ärztin vor Energieverlust durch mangelhafte
Ernährung. Nachts lag sie meistens wach. Sie war überrascht,
daß sie ihn in der Nacht nicht gehört hatte, als er das Päckchen
an ihrer Tür gelassen hatte. Sie wußte auch ohne einen Absender,
daß es von ihm war. Sie ist in dieser Nacht zu seinem Haus gefahren,
ist den Gang zu seinem Apartment hinunter geschlichen und es nach Mitternacht
an seine Tür gelegt. Sie hatte keine Ahnung, was in dem Päckchen
war, und sie wollte es auch nicht wissen.
Manchmal dachte sie an ihn und an das, was passiert war. Es machte
sie meistens jedoch noch depressiver, aber manchmal, wenn sie sich wieder
die Hitze des Sex in Erinnerung rief, hatte sie Schmetterlinge im Magen
vor nervöser Erregung. Sie lag mit zusammengezogenen Vorhängen
nachts in ihrem Bett und ließ ihre Hand in ihren Slip gleiten, tief
hinunter, so daß sie sich berühren konnte. Sie befriedigte sich
selbst, schloß die Augen und stellte sich vor, daß Mulder es
tun würde. Es war seine Hand, die sie so liebkoste und sie stöhnen
und sich auf der Couch winden ließ.
Aber nach ihrem Höhepunkt überkam sie ein schreckliches Schuldgefühl.
Sie lief schluchzend ins Badezimmer und schrubbte sich unter der Dusche
sauber. Sie wünschte sich sehnlichst, daß sie die letzten paar
Monate zurücknehmen könnte. Ihre Gedanken kreisten nur um Mulder
und um das, was sie so törichterweise weggeworfen hatte.
Natürlich war es nun zu spät, ihre Meinung zu ändern
und ihm zu sagen, daß sie ihn liebte. Sie würde dumm aussehen.
Sie fühlte sich dumm. Sie liebte ihn schon seit einer Ewigkeit schien
es ihr, und nur weil sie solch eine verdammte Angst hatte, verletzlich
zu sein, hatte sie es ihm nie gesagt.
Einen Monat nach dem Vorfall in Scullys Apartment waren sie an eine
Fall angesetzt worden und Mulder wurde angeschossen. Eine Streifwunde am
Arm. Panik ergriff Scully in dem Moment, in dem Mulder die Kugel traf und
sie lief zu ihm und berührte sanft sein Gesicht. Für einen Moment
fühlte Mulder keine Schmerzen. Als sie ihn so zart berührte,
vergaß er fast all die schmerzhaften Erinnerungen zwischen ihnen.
Der Blick in ihren Augen...
Aber er war genauso schnell verschwunden, wie er gekommen war. Sie
war wieder formell und distanziert von ihm gewesen, sobald er im Krankenhaus
behandelt wurde. Als sie wieder in DC waren, hatte sie ihm ein Rezept für
ein Schmerzmittel geschrieben, das war alles.
Mulder nahm die Pillen gegen die Schmerzen und stellte fest, daß
wenn er sie mit Alkohol herunter spülte, er viel besser schlafen konnte.
Und so hatte alles angefangen.
*****
FBI-HAUPTGEBÄUDE 2. JANUAR 1997
Mulder hörte Schritte im Hausflur. Oder bildete er es sich nur
ein? Er war sich bei so vielem sicher, daß es echt war. Er hatte
feuchte Hände und ballte seine Fäuste, um das Blut wieder durch
seine Finger fließen zu lassen. Sie kann jede Minute hier sein und
sie wird sehr ärgerlich sein, er wußte es.
Er griff in seine Tasche und holte das Fläschchen mit den Tabletten
hervor. Etwa fünfzehn Pillen waren noch drin. Ich sollte wohl bald
neue holen, dachte er mit einem bitteren Lachen. Will lieber nicht ohne
da stehen. Er sah auf das Etikett der Flasche, obwohl er es schon etwa
tausend Mal studiert hatte. Darvocet N-100. Bitte um Nachfüllung.
Dr. Dana Scully. Wenn sie nur wüßte, was er tat. Sie hatte ihm
die erste Flasche besorgt, aber er benutzte ihre Karte und hatte sie bereits
schon achtzehn mal auffüllen lassen. In achtzehn verschiedenen Apotheken
in Washington DC. Achtzehn verschiedene Namen der Patienten. Er hatte alle
Verschreibungen selbst abgeholt. Scully wußte nicht einmal davon,
daß alle diese Rezepte auf ihren Namen ausgestellt wurden. Er benutzte
ihren Namen und ihren Doktortitel, um an die Pillen heranzukommen. Zwei
Stück alle sechs oder acht Stunden.
Und dann, weil sie so gut geholfen hatten, hatte Mulder sie nicht nur
als Schlafmittel genommen, sondern auch, um den Tag zu überstehen.
Zuerst nahm er nur zwei oder drei aufeinmal. Doch einige Tage später
begann ihre Wirkung nachzulasen, und er schluckte sie den ganzen Tag über,
drei oder vier Stück alle paar Stunden, um das Zittern seiner Hände
zu stillen, das auftrat, wenn er sie nicht nahm.
Als er jetzt die Flasche wieder in der Hand hatte, versuchte er sich
daran zu erinnern, wann er das letzte Mal welche genommen hatte. Diesen
Morgen? Nein, es konnte nicht so lange her gewesen sein. Er blickte auf
die Uhr. Dreizehn Uhr. Scully konnte jede Minute hier sein. Der Gedanke
daran brachte seinen Puls vor Nervosität zum Rasen. Er öffnete
die Flasche und schüttete eine handvoll Pillen aus. Er nahm sich nicht
einmal die Mühe, sie zu zählen, er steckte sie einfach in den
Mund und schluckte einige Male. Dann sah er wieder auf die Flasche. Es
waren noch ein paar drin. Ach, was soll's, dachte er und schüttete
den Rest in seinen Mund und schluckte ihn auch herunter. Er wußte,
daß die Pillen mehr Schaden anrichten würden als Nutzen, denn
er hatte in letzter Zeit nichts gegessen und einen leeren Magen. Aber es
war ihm egal.
Er steckte das Fläschchen zurück in die Tasche und atmete
tief durch. "Hey, Scully", grüßte er nervös. Hatte sie
es gesehen?
"Mulder, wo bist du gewesen? Ich dachte, wir würden uns oben treffen."
"Nein, Scully, ich habe gesagt hier unten." Seine Stimme war messerscharf.
"Im Büro. Hast du nicht zugehört? Gott, du hörst nie zu,
was?"
Scully starrte ihn perplex an. Seine Augen waren weit aufgerissen und
seine Augenränder waren rot. Seine Hände zitterten und sein Blick
wanderte nervös durch den ganzen Raum. Er sah sie nicht einmal an.
Sie hatte schon für einige Wochen sein seltsames Benehmen bemerkt
und jetzt wurde ihr mit einem Schlag klar, was die Ursache dafür war.
Sie fühlte sich, als ob ihr jemand in den Magen geschlagen hätte.
Wie konnte sie es nur nicht bemerkt haben? Ganz ruhig, dachte sie. In letzter
Zeit war ihre Aufmerksamkeit nicht gerade auf Mulder gerichtet gewesen.
Der Schrecken dieser Selbsterkenntnis veranlaßte sie, einen Schritt
zurückzutreten, weg von ihm. Mulders Blick schnellte durch diese plötzliche
Bewegung von ihr auf sie. Sie erstarrte.
"Was?" fragte er mit trockener, heiserer Stimme. "Was ist los?"
Sie wußte nicht, was sie sagen sollte. Sie hatte keine Ahnung,
was sie ihm antworten sollte. Ihr Hals war wie zugeschnürt. Wie hatte
er es nur vor ihr verstecken können? Wie ist er an die Pillen herangekommen,
deren Wirkung ihn jetzt offensichtlich so affektierten?
"Was zum Teufel ist los, Scully?" brüllte er ärgerlich.
"Du nimmst immer noch diese Pillen." Sie klang ängstlich und nervös.
"Wovon redest du, verdammt noch mal?" fragte er. Sie trat noch einen
Schritt zurück. Sie überlegte schon, wie sie es aus dem Raum
schaffen könnte, doch dann stoppte sie sich. Es ist Mulder, schoß
es ihr durch den Kopf. Er würde ihr nicht weh tun. Oder doch?
"Mulder, ich weiß, du nimmst immer noch die Pillen", sagte sie
voller Furcht. Sie zwang sich dazu fortzufahren. "Ich habe gesehen, wie
du sie nimmst. Du bist jetzt irgendwie, ich weiß nicht, nicht ganz
du selbst."
Er ergriff blitzschnell ihre Schultern und zerrte sie an sich, bevor
sie reagieren konnte. "Was soll das heißen, Scully? Komm zur Sache,
verdammt noch mal!"
Scullys Herz schlug wie verrückt. Sie war sich sicher, es in dem
kleinen Zimmer zu hören. Zum ersten Mal hatte sie wirklich Angst0
vor ihm. "Mulder, bitte", flehte sie nervös und merkte nicht, daß
sie einen Teil ihrer Gedanken in Worte faßte. Bitte tu mir das nicht
an, dachte sie. Tu es dir selbst nicht an.
"Großer Gott, Scully", zischte er, sein Gesicht nur Zentimeter
von ihrem und sein Griff an ihren Armen erbarmungslos fest.
"Mulder, du tust mir weh", schaffte sie zu sagen. Sie versuchte erfolglos,
von ihm los zu kommen.
"Na und?" fragte er. "Wen kratzt das? Wach auf, Scully. Das ist halt
so im Leben. Man wird halt verletzt, man muß leiden. Du verletzt
mich. Vielleicht verdienst du es zu leiden." Seine Worte waren wie Schwertstiche.
"Wovon redest du?" fragte sie ungläubig.
"Weißt du noch, unser kleines Date?" fragte er und seine Stimme
tropfte vor Sarkasmus.
Scully holte tief Atem. "Mulder, ich war davon ausgegangen, daß
wir beide das vergessen."
"Wie war ich, Scully? Auf einer Skala von eins bis zehn. War ich besser
als deine anderen Liebhaber?"
Scully entkam seinem eisenharten Griff mit einer schnellen, kraftvollen
Bewegung. Ihre Oberarme taten weh und sie wußte, daß sie Blutergüsse
an den Stellen haben würde, an denen Mulders Finger sich in ihr Fleisch
gegraben hatten. "Das geht dich überhaupt nichts an", zischte sie
und wandte sich zum Gehen. Er sprang sie wieder an, faßte ihre Schultern
und wirbelte sie zu sich herum. "Mulder!" schrie sie auf. "Laß mich
los!"
Seine Augen wurden weit und er starrte sie an. Er starrte sie wirklich
an, als ob er plötzlich merkte, was er ihr da antat. "Oh Gott", flüsterte
er und ließ sie mit einem Mal los. Scully stolperte zurück und
versuchte, mit hastigen Atemzügen Luft an dem Kloß in ihrem
Hals vorbei in ihre Lungen zu pumpen. Mulder tat einen Schritt auf sie
zu, doch sie wich weiter zurück. "Scully", sagte er mit erstickter
Stimme und versuchte beruhigend zu klingen. "Scully, es ist ok, ich werde
dir nicht weh tun."
Scully war traute ihm nicht. Sie glaubte ihm nicht eine Sekunde. "Du
brauchst Hilfe, Mulder", sagte sie zu ihm. "Du brauchst Hilfe."
"Ich weiß", murmelte er hilflos. Er sank auf den Schreibtisch
und kümmerte sich nicht um die Blätter, die dadurch auf den Boden
fielen. Er vergrub sein Gesicht in seinen Händen. "Ich weiß
nicht, was mit mir los ist.", sagte er und seine Stimme war durch seine
Hände gedämpft.
Er sah so müde aus, so fertig, daß Scully vorsichtig näher
kam und eine Hand auf seine Schulter legte. "Du brauchst Hilfe", wiederholte
sie.
Mulder hob seinen Kopf und sah sie an. "Wirst du mir helfen?" fragte
er klein und zittrig. Sie nickte. "Scully, es tut mir Leid." Er wußte,
daß das nicht annähernd ausreichte, aber er mußte es sagen.
Er wußte nicht, was ihn dazu bewegt hatte, so zu handeln und solche
Dinge zu sagen.
Nach dieser Entschuldigung nahm sie ihre Hand wieder von seiner Schulter.
"Was eben passiert ist, hat nichts damit zu tun, was zwischen uns geschehen
ist."
"Scully--"
"Und außerdem, was ich mit anderen Leuten mache oder nicht mache,
sollte dir egal sein."
"Ich weiß, Scully, ich kann nur nicht..."
"Was kannst du nicht, Mulder?"
Stille. Er sah auf den Boden, auf seine Schuhe. "Ich kann es nur nicht
verstehen. Ich kann einfach nicht vergessen. Ich kann dich nicht vergessen."
"Mulder", warnte sie ihn.
"Bitte, Scully, laß mich ausreden", bat er sie. Er sah sie an
und sie nickte leicht. Er schluckte. Ihm war warm und sein Herz schlug
schneller. "Ich kann nicht verstehen, was wir falsch gemacht haben. Warum
es zwischen uns nicht geklappt hat."
Scullys Mund öffnete sich vor Überraschung. "Was?" fragte
sie.
Mulder legte eine Hand auf seine Brust, als ob er so seinen rasenden
Herzschlag verlangsamen und irgendwie den dumpfen Schmerz kontrollieren
könnte, der ihm in die Schultern stach. "Du hättest mir sagen
können, daß du mich liebst... ich habe es nicht verstanden.
Ich dachte, du liebst mich. Es hat weh getan, Scully."
"Aber das erklärt immer noch nicht die Pillen, Mulder", sagte
sie und versuchte krampfhaft, sich nicht von seinen Worten erweichen zu
lassen. "Du hättest mit mir darüber reden können. Du hättest
diese Pillen nicht nehmen müssen." Scullys Erscheinung wurde zunehmend
verschwommener vor seien Augen und er blinzelte einige Male, um sie wieder
klarer zu sehen. "Ist alles in Ordnung?" fragte sie voller Sorge.
"Es geht mir gut", versicherte er, obwohl er fühlte, wie ihm der
kalte Schweiß auf der Stirn ausbrach.
"Du kannst mir nicht die Schuld dafür geben, daß du die
Pillen genommen hast", fuhr sie fort. "Aber du konntest..." Sie suchte
nach den richtigen Worten. "Du konntest mir immer vertrauen. Warum hast
du nicht mit mir gesprochen?"
"Ich konnte nicht, Scully. Du weißt, daß ich es nicht konnte."
Mulder fühlte, wie der Schmerz seine Arme herunter wanderte, viel
intensiver als zuvor.
"Mulder?" fragte sie und er sah sie an. Ihr Gesicht schien sich in
tausend Stücke aufgelöst zu haben und ihre Stimme klang wie von
weit her. Seine Hand verkrampfte sich an seiner Brust und er hoffte, der
Schmerz dort würde endlich aufhören. Scully sah Mulders Gesicht
sich durch Schmerzen verziehen. "Mulder", sagte sie und stand an seiner
Seite. Er schien sie nicht zu hören. Sein Blick war leer und seine
Atmung flach. Schnell fühlte sie nach seinem Puls an seinem Handgelenk
und fand, daß er raste. "Oh Gott!" rief sie und griff nach dem Telefon.
"Hier ist Agent Scully. Schicken Sie sofort einen Krankenwagen hier runter!"
Während sie das sagte, schnappte Mulder nach Luft und kollabierte
mit geschlossenen Augen auf dem Boden. Scully ließ den Hörer
fallen und eilte zu ihm. "Mulder?" fragte sie, kniete an seiner Seite und
checkte wieder seinen Puls und Atmung. Nichts. Sie drehte ihn rasch auf
den Rücken, prüfte, ob sein Luftewg frei war und kippte seinen
Kopf zurück. Sie kniff seine Nase zusammen und blies dreimal Luft
in seine Lungen. Dann fand sie die richtige Stelle auf seiner Brust, legte
ihre Hände zusammen und pumpte zehnmal. "Komm schon, Mulder", flehte
sie mit tränenfeuchten Augen. Sie ignorierte sie. "Gottverdammt, komm
schon!" Sie wiederholte die Prozedur und checkte wieder seinen Puls. Nichts.
Nein!, dachte sie verzweifelt, Nein!
MEMORIAL KRANKENHAUS 13. JANUAR 1997 14.00 Uhr
Dana Scully saß aus einem unbequemen Plastikstuhl, den sie mit
in Mulders Krankenzimmer geschleppt hatte. Er schlief schon seit sechs
Stunden, seitdem er in die Notaufnahme gebracht worden ist. Seine Diagnose
war eine Überdosis Schlafmittel. Die Sanitäter waren im FBI Gebäude
schnell und effizient mit ihrer Arbeit gewesen und hatten seinen Zustand
wieder stabilisiert. Es war immerhin ihr Job, egal unter welchen Umständen
sie ihn taten. Es war allgemein bekannt, daß die Mediziner nie besonders
glücklich über selbst zugefügte Verletzungen waren.
Als sie in das Büro gekommen waren, hatten sie Scully in Tränen
aufgelöst vorgefunden, wie sie Mulder Erste Hilfe leistete. Sie hatte
es geschafft, sein Herz wieder zum Schlagen zu bringen und die Sanitäter
hatten einen Luftschnitt gemacht und ihn ins Krankenhaus gebracht. In der
Notaufnahme hatten die Ärzte ihm den Magen ausgespült und Holzkohlenflüssigkeit
durch einen Schlauch in seinen Körper gepumpt, um die verbleibenden
Reste der Tabletten aufzusaugen. Er hatte geringe Dosen Methadon bekommen,
um ihm gegen die Entzugserscheinungen zu helfen und war jetzt zur Beobachtung
in die Drogen- und Alkoholabteilung eingeliefert worden.
Scully hatte sich Mulders kurzlebige Sucht zusammengereimt, nachdem
sie die leere Flasche Darvocet in seiner Tasche und zahllose andere in
seiner Schreibtischschublade gefunden hatte.
Die Behauptung, sie sei außer sich, war eine starke Untertreibung.
Aber ihre Wut war fürs erste verstrichen, und jetzt bangte sie
um Mulders Gesundheit. Sobald es ihm besser geht, wird er dafür büßen,
dachte sie.
Scully hatte das Krankenhaus darüber informiert, wie Mulder alle
Nachfüllungen des starken Schmerzmittels bekommen hatte. Die Überdosis
war schlimm genug für seinen Ruf, sie hatte keinen Grund gesehen,
ihn auch noch mit einem Verbrechen belastet zu sehen.
Ihre Gefühle spielten nun verrückt, als sie so auf dem Stuhl
saß und Mulders stetige Atemzüge beobachtete. Der Mann auf dem
Bett neben ihr hatte ihr Vertrauen und ihren Doktortitel mißbraucht
mit dem, was er getan hatte. Doch er war dabei fast umgekommen. Sie bekam
Angst bei dem Gedanken ihn zu verlieren, ohne sich vorher ausgesprochen
zu haben. Mulder war letztendlich der Mann, den sie liebte und ihr bester
Freund. Scully stand auf. Mulder bewegte sich auf dem Bett und drehte seinen
Kopf etwas, aber er öffnete nicht die Augen.
"Ich weiß nicht, ob du mich hören kannst", sagte sie leise,
"aber was du heute getan hast, war unglaublich dumm." Mulder seufzte, aber
Scully wußte nicht, ob er es tat, weil er sie hörte, oder ob
er einfach nur im Schlaf seufzte. "Mulder, wenn es dir wieder besser geht,
werden wir über all das reden." Ihre Stimme war fest, aber ruhig.
Sie strich sich unbewußt eine Strähne hinters Ohr. Sie betrachtete
ihn für eine Weile. Zorn stieg wieder in ihr auf, doch sie wollte
ihm hier vor den Krankenschwestern keine Szene machen, die ein paar Meter
weiter im Gang standen.
Mulder drehte sich wieder auf dem Bett und öffnete seine Lippen.
Scully beugte sich hinunter und versuchte, seine Worte zu verstehen. "Scully..."
flüsterte er, seine Stimme belegt durch die Medikamente. Er öffnete
seine Augen nicht.
Etwas in Scully schmolz dahin und ihre Augen füllten sich mit
Tränen. Sie versuchte krampfhaft, sie zurückzuhalten, aber ohne
Erfolg.
"Ich liebe dich, Mulder", flüsterte sie ihm zu und lief aus dem
Zimmer.
****
MULDERS APARTMENT 20. FEBRUAR 1997
Fox Mulder zappte schon zum wie es schien fünfzigsten Mal durch
die Kanäle. Er war seit drei Tagen aus der Rehabilitation entlassen
worden und war nun vorübergehend vom FBI suspendiert.
"Verdammt", murmelte er, als wieder Reklamen kamen. Er konnte schwören,
daß er diesen Werbespot schon mindestens tausend Mal gesehen hatte,
seit er im Krankenhaus gewesen gewesen war. Der Spot war für irgend
eine Automarke und eine junge Frau saß hinter dem Steuer eines silbernen
Wagens. Das Seitenfenster war offen und ihr kastanienfarbenes Haar wehte
im Wind. Er konnte ihr Gesicht nicht genau sehen, aber die Atmosphäre
des Clips ließ sie glücklich und sorgenfrei erscheinen. Jedesmal,
wenn Mulder diesen Spot sah, sah er genau hin. Die Frau hätte glatt
Scully sein können. Aber Scullys Lachen ist viel herzhafter als ihres
und ihre Augen sind blau, so blau...
Mulder hatte nichts von Scully gehört seit dem Tag, an dem er
im Büro das Bewußtsein verloren hatte. Die Schwestern und Ärzte
im Krankenhaus hatten ihm erzählt, daß sie die ganze Zeit bei
ihm in der Notaufnahme gewesen war, sogar noch danach. Aber er konnte sich
nicht daran erinnern, sie gesehen zu haben. Als er am Morgen nach der Überdosis
aufgewacht war, war sie nicht mehr dagewesen.
Mulder hatte sie in dem Moment sofort gesucht, in dem er die Augen
geöffnet hatte.
Irgendwie hatte er gewußt, daß sie nicht da sein würde.
Er hatte ihr so weh getan. Er hatte sie angelogen, ihren Namen benutzt...
er hatte sich an den Tag erinnert, an dem sie sich in ihrem Apartment geliebt
hatten, und wie sie dann geweint hatte. Wie schrecklich er sich hinterher
gefühlt hatte, als ob er sie bloß als Mittel benutzt hätte,
um seine sexuelle Energie loszuwerden. Ich habe mich selbst krank gemacht,
dachte er. Wie habe ich ihr das nur antun können?
Mulder ging in die Küche, nahm sich ein Glas Orangensaft und machte
sich Toast. Er hatte versucht, Scully anzurufen, sobald er telefonieren
durfte, doch es war nur ihr Anrufbeantworter dran gewesen. Er hatte hundert
Nachrichten drauf gesprochen, einige flehend, einige entschuldigend, einige
ärgerlich. Er versuchte, sie auf ihrem Handy anzurufen, aber das war
abgestellt. Er versuchte, Informationen aus Skinner herauszubekommen, aber
dieser weigerte sich strikt, ihm etwas zu sagen.
Die Polizei hatte herausgefunden, daß Scully die Nachfüllungen
für Darvocet bestellt hatte, und Mulder erfuhr, daß sie ihn
nicht verraten, sondern die Schuld dafür auf sich genommen hatte.
Daraufhin hatte er wieder versuchte sie anzurufen. Anrufbeantworter.
"Scully..." flüsterte er auf das Band und hoffte, daß sie
es hörte. "Ich weiß nicht, warum du mich in Schutz nimmst. Ich
verdiene es nicht." Sie hob nicht ab und rief auch nicht zurück. Fünf
Wochen waren vorbeigegangen ohne auch nur ein Lebenszeichen von ihr.
An dem Tag, an dem er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, war er geradewegs
zu Scullys Wohnung gefahren. Er fuhr vor ihr Haus und wartete. Ihr Auto
war vor dem Haus geparkt, aber er konnte sie in keinem der Fenster sehen.
Er wußte, daß er nicht rein gehen und mit ihr reden konnte.
Sie hatte es ihm mehr als deutlich gezeigt, daß sie ihn nicht sehen
wollte.
Mulder schluckte den Rest des Toasts herunter und den letzten Schluck
Orangensaft. Sie bedeutet mir alles, dachte er, und ich hab alles versaut.
Und niemand kann daran etwas ändern. Er seufzte schwer und fühlte
den wohlbekannten Schmerz in seiner Brust wieder aufkommen.
****
DIE PRAXIS VON DR. ALISA MORGAN 1. MÄRZ 1997
Dana Scully stellte sich vorsichtig auf die Waage und die Schwester
prüfte ihr Gewicht. Die korpulente Frau in ihren Fünfzigern schnalzte
mit der Zunge, als sie die Anzeige auf der Waage ablas.
"Sie haben vier Kilo abgenommen seit dem letzten Mal, Dana", sagte
sie.
Dana ignorierte sie. Sie wurde in das Behandlungszimmer geführt,
setzte sich auf den Tisch und wartete auf Dr. Morgan. Der Anblick ihrer
knochigen Knie, die vom Tisch baumelten, nervte sie und sie kreuzte die
Beine unter ihrem Körper, als Dr. Morgan hereinkam.
"Hallo, Dana, wie fühlen Sie sich heute?" fragte sie freundlich
und versuchte, sich nicht die Sorge anmerken zu lassen, die sie beim Anblick
ihrer noch dünner gewordenen Patientin bekam. Vor zwei Wochen war
sie das letzte Mal hier, stellte Dr. Morgan mit einem Blick auf Scullys
Krankenakte fest. Vor sechs Monaten und die sechs Jahre davor war Scullys
Gewicht konstant 55 Kilo gewesen. Vor zwei Wochen wog sie 50 Kilo und jetzt
wog sie 46 Kilo.
"Es geht mir ganz gut", antwortete Scully, "aber ich habe immer noch
diese Erkältung. Ich werde sie einfach nicht los."
"Nehmen Sie regelmäßig Ihr Vitamin C?" fragte Dr. Morgan
und hörte mit dem Stethoskop Scullys Lungen ab.
"Atmen sie tief ein und aus."
"Ja", antwortete Scully zwischen den Atemzügen. "Zweimal am Tag."
Dr. Morgan plazierte das Stethoskop auf Scullys Brust und hörte
ihr Herz ab. "Essen Sie ausgewogene Mahlzeiten?" fragte sie und bemerkte
mit stillem Entsetzten, daß Scullys Brustkorbknochen extrem knochig
hervorstanden.
"Ja", log Scully.
Dr. Morgan richtete sich auf und zog sich einen Stuhl dicht neben den
Behandlungstisch heran. "Dana, ich bin jetzt schon fünf Jahre Ihre
Ärztin. Sie waren immer kerngesund. Aber in den letzten sechs Monaten
habe ich sie förmlich verkümmern sehen. Wir haben alle Tests
durchgeführt und alle Ergebnisse waren negativ. Keine Störungen
im Immunsystem, keine Verdauungs- oder Blutstörungen. Aber sie verlieren
immer noch an Gewicht."
Scully schaute ihre Ärztin mit müden Augen an. Ich weiß,
dachte sie, ich bin völlig gesund.
"Dana, wenn sie wirklich ausreichend essen würden", sagte Dr.
Morgan ruhig, "würden Sie nicht 46 Kilo wiegen. Scullys Gesichtsausdruck
war leer. Sie antwortete nicht. "Dana, ich denke fast, Sie leiden an einer
massiven Eßstörung."
"Das ist doch lächerlich", schnaufte Scully und warf ihr Haar
zurück.
Dr. Morgan sah in Danas eingefallene Augen. "Dana", sagte sie bestimmt.
"Ich habe Ihnen immer gesagt, daß sie immer mit mir reden können,
falls irgend etwas los ist. Haben Sie irgend welche Probleme, die ihren
Appetit schwinden lassen?"
Scully blinzelte. Sie konnte plötzlich wieder ihren ältesten
Feind, Tränen, in ihrem Hals aufsteigen fühlen. Sie schluckte.
Wie konnte sie ihr nur ihre Gefühle erklären? Wie konnte sie
die Depressionen beschreiben, die ihrem Leben alle Energie und Motivation
nahm? Wie konnte sie das alles erklären? Es stimmte, sie hatte seit
Tagen nichts mehr gegessen. Das Verlangen nach Essen war verschwunden.
"Ich weiß nicht", brachte sie heraus.
"Dana, ich möchte, daß Sie zu einem Psychologen gehen. Sie
können nicht weiter so an Gewicht verlieren. Das menschliche Herz
ist nicht für eine solche Art von Entbehrung geschaffen. Sie wissen
das."
Was Sie nicht sagen, dachte Scully bitter.
"Ist es ihre Arbeit?" fragte Dr. Morgan.
Scully nickte. "So könnte man es sagen." Wissen Sie, Dr. Morgan,
mein Partner und ich sind ineinander verliebt, und wir hatten Sex, aber
es war nicht, wie ich es mir erhofft hatte. Ich bekam Angst und warf ihn
aus meinem Haus, und dann hat er Mißt gebaut und wurde abhängig.
Und dann hat er sich eine Überdosis gegeben, aber jetzt geht es ihm
wieder gut, aber ich komme nicht darüber hinweg. Ich würde verdächtigt,
meinen Doktortitel mißbraucht zu haben, um ihm Medikamente zu besorgen,
obwohl ich es nicht getan habe. Ich wollte nicht, daß die Polizei
weiß, daß er meine Karte dafür benutzt hatte, also habe
ich mich schuldig bekannt und den Job gekündigt, den ich liebe. Ich
sprach nicht mehr mit dem einzigen Menschen auf der Welt, den ich je wirklich
geliebt habe, weil ich gedacht hatte, daß ich mir damit einen Gefallen
tun würde, wenn ich ihn nicht mehr sehen würde. Es tut so weh,
bei ihm zu sein und doch nicht bei ihm zu sein, aber das Problem ist, daß
ich ihn immer noch liebe.
Wie zum Teufel sollte sie erklären können, was mit ihr los
war?
Scully schloß ihre Augen vor Schwäche und versuchte, nicht
wieder zu weinen. "Dana, Ihr EKG zeigt mehr Veränderungen, seit Sie
das letzte Mal hier waren. Ich würde Sie gerne zur Beobachtung in
ein Krankenhaus einweisen lassen."
"Nein!" rief Scully und öffnete die Augen. Sie stand auf, doch
schwankte ein wenig. "Ich gehe in kein Krankenhaus."
"Dana", entgegnete Dr. Morgan. "Sie haben viel zu viel Gewicht verloren
und Ihr Herz ist schwach. Sie sollten sich ausruhen können und nahrhafte
Mahlzeiten einnehmen. Und Sie sollten sich dort untersuchen lassen, um
festzustellen, ob Sie nicht an einem irreperablen Schaden leiden. Wenn
Sie sich weigern, kann ich Sie gegen Ihren Willen einliefern lassen. Bitte
zwingen Sie mich nicht dazu."
Scully fühlte, wie ihr die Tränen die Wangen herunter liefen.
Wie ist es bloß dazu gekommen? Sie schwankte und wollte tief durchatmen,
um Luft in ihre Lungen zu bekommen. Aber nichts passierte. Alles drehte
sich und sie kniff ein paar Mal die Augen zusammen, aber alles wurde schwarz.
*****
1. MÄRZ 1997 23.15 UHR
Mulder zappte durch die Kanäle, als das Telefon klingelte. Er ignorierte
es und ließ den Anrufbeantworter abheben. Er hatte schon lange die
Hoffnung aufgegeben, daß Scully ihn zurückrufen würde.
"Hi, hier ist Fox Mulder, ich kann im Moment nicht ans Telefon kommen,
aber wenn Sie eine Nachricht hinterlassen, rufe ich Sie zurück", hörte
er seine eigene Stimme. "Hey, Mulder, hier ist Frohike. Hör zu, ich
weiß, daß du da bist, also schalte auf die Nachrichten auf
Kanal 10. Ruf mich zurück." Die Stimme des älteren Mannes klang
ungeduldig.
Mulder schaltete auf Kanal 10.
"Mitarbeiter des Memorial Krankenhauses bestätigen, daß
die frühere FBI Spezial Agentin Dana Scully vor kurzem eingeliefert
wurde. Vor einigen Stunden wurde sie in die Notaufnahme des Krankenhauses
gebracht, und obwohl der Sprecher des Krankenhauses Charles Smith nicht
preisgeben möchte, woran sie erkrankt ist, bekräftigt er, daß
ihr Zustand ernst ist. Die frühere FBI Agentin wurde vor kurzem von
allen Zuwiderhandlungen und den Anschuldigungen eines Vergehens freigesprochen,
die gegen ihren früheren Partner Agent Fox Mulder erhoben worden waren.
Wir werden Sie auf dem Laufenden halten, sobald wir mehr Informationen
über diesen Fall bekommen. Ich bin Vicki Wilson live vom Memorial
Krankenhaus für die Nachrichten auf Kanal 10."
Mulder war bereits auf den Füßen und griff nach Mantel und
Schuhen. Er hastete aus dem Apartment, ohne sich die Mühe zu machen,
den Fernseher auszuschalten.
****
MEMORIAL KRANKENHAUS 2. MÄRZ 1997
12.30 UHR
Mulder haute zum dritten Mal auf den Knopf für den Aufzug. "Komm
schon, komm schon", murmelte er wütend. Er hatte es satt zu warten.
Seine Gedanken drehten sich um Scully, die in ernstem Zustand auf der Intensiv
Station lag. Er dachte daran, wie er sie das letzte Mal auf der Intensiv
Station vorgefunden hatte. Damals lag sie im Sterben und er hatte sie fast
verloren. Er hatte fast die Chance verloren, ihr zu sagen, wie er fühlte.
Und jetzt lag sie wider in einem Krankenhausbett. Er würde seine Chance
verlieren, alles zwischen ihnen wieder in Ordnung zu bringen.
"Fox?" hörte er eine Stimme hinter ihm. Er drehte sich um und
sah Margaret Scully auf ihn zukommen.
"Mrs. Scully", grüßte er sie. Er wußte nicht, wieviel
Scully ihrer Mutter über sie beide erzählt hatte.
"Fox, es tut mir Leid, daß Sie den ganzen Weg hier her gekommen
sind", sagte sie entschuldigend.
"Oh Gott, komme ich zu spät?" fragte er voller Horror.
Mrs. Scully schüttelte den Kopf. "Nein, Dana geht es gut. Es stand
nicht gut um sie, aber ihr Zustand ist jetzt stabil. Sie ist sehr krank."
"Was hat sie?" fragte Mulder.
"Sie leidet an schwerer Unterernährung. Sie wiegt etwa 45 Kilo."
Das Blut wich aus Mulders Gesicht. Er versuchte sich vorzustellen,
wie Scully mit 45 Kilo aussah.
"Sie kann doch nicht..."
"Wann haben Sie sie das letzte Mal gesehen?"
"Vor etwa fünf Wochen", erinnerte er sich, "und sie sah aus, als
hätte sie abgenommen, aber nicht sonderlich viel." Er erinnerte sich
an ihr abgespanntes Gesicht und verfluchte sich dafür, daß er
nicht darauf geachtet hatte, daß die Jacke, die sie am Tag der Überdosis
getragen hatte, viel lockerer gesessen hatte, als sonst. Und Jackets verbargen
die Figur einer Frau. Sie hätte sogar noch dünner sein können
und er hätte es nicht gemerkt.
"Sie ist heute Nachmittag in der Praxis ihrer Ärztin zusammengebrochen."
Margaret Scully sah müde aus. "Fox, ich weiß, daß zwischen
Ihnen beiden etwas vorgeht, aber Dana weigert sich, es mir zu sagen. Was
auch immer es ist, sie hat geahnt, daß Sie hier her kommen würden.
Sie bat mich, Sie nicht zu ihr zu lassen."
Mulder schluckte. Er hätte es wissen sollen. "Bitte, Mrs. Scully",
flehte er, aber sie schüttelte ihren Kopf.
"So gern ich Sie habe, Fox, ich muß die Wünsche meiner Tochter
respektieren." Er wußte, daß es sie ihn nicht gerne abwies.
"Könnten Sie ihr einen Brief bringen?" fragte er. Margaret Scully
nickte. "Eine Sekunde", sagte Mulder und lief zurück zur Rezeption,
um Papier und Stift zu holen. Er schrieb, ohne vorher nachzudenken.
"Liebe Scully:
Deine Mutter hat mir gesagt, was mit dir los ist. Ich wünschte,
Du würdest mich zu Dir lassen, um Dich zu sehen, um mich davon zu
überzeugen, daß es Dir gut geht, aber ich werde Dein Vertrauen
nicht wieder mißbrauchen. Es tut mir alles so Leid, Scully. Ich weiß,
das macht es auch nicht besser, aber es ist die Wahrheit. An jenem Abend
in Deiner Wohnung wollte ich dich lieben, wie Du es Dir immer erträumt
hattest. Es tut mir auch Leid wegen den Tabletten. Ich weiß überhaupt
nicht, wie ich mein Benehmen hinsichtlich dessen erklären soll. Ich
weiß, daß Du wegen mir in den letzten sechs Monaten die Hölle
durchmachen mußtest. Ich habe sie auch durchgemacht, aber ich verdiene
es. Dana, zwei Dinge weiß ich mit Sicherheit: das erste ist, daß
ich Dich immer noch liebe. Dieses Gefühl hat mich nie verlassen. Ich
wünschte, Du würdest mir eine Chance geben, es noch einmal zu
versuchen. Das zweite ist, daß mir nichts im Leben wichtig ist außer
Dir. Ich würde alles tun, damit Du mir wieder vertraust. Bitte, Dana,
gib mir eine Chance.
Mulder
Mulder faltete das Blatt und gab es Scullys Mutter. "Ich werde es ihr
geben", nickte sie.
"Danke", antwortete Mulder dankbar und Mrs. Scully wandte sich zum
Aufzug.
"Mrs. Scully", fragte er und sie drehte sich um. "Wenn ich fragen dürfte...
warum ist Scully nicht mehr beim FBI?"
Margaret Scully sah auf den Boden und dann wieder auf Mulder. "Sie
hat vor zwei Wochen gekündigt. Die Anschuldigungen waren zu viel für
sie, geschweige denn ihr Ruf jetzt." Sie ließ diese Information sinken.
"Passen Sie auf sich auf, Fox", sagte sie und ließ ihn allein. Mulder
sah schweren Herzens, wie sie in den Aufzug stieg, der sie zu Dana bringen
würde.
****
INTENSIV STATION, MEMORIAL KRANKENHAUS 2. MÄRZ
1997 13.00 UHR
Scully faltete den Brief vorsichtig wieder und steckte ihn in die oberste
Schublade ihres Nachttischchens. Sie atmete tief durch in der Sauerstoffmaske,
die sie mit dem Sauerstoff versorgte, den sie so dringend brauchte. Ihre
Mutter sah sie an.
"Er sieht furchtbar aus, Dana. Er wollte so gerne zu dir kommen und
mit dir reden. Ich will dich nicht drängen, aber..."
Scullys Stimme war durch die Maske gedämpft, also zog sie sie
für einen Moment von ihrem Gesicht. "Mom, ich weiß." Sie atmete
einige Züge Raumluft ein.
"Du liebst ihn", sagte ihr Mutter ruhig. Scully schloß die Augen.
Sie war zu müde, um zu weinen. Sie nickte langsam.
"Aber ich kann nicht, Mom. Ich kann ihn nicht lieben. Viel zu viel...
Viel zu viel ist falsch gelaufen. Es tut weh."
Ihre Mutter stand auf und trat zum Fenster. Sie drehte ihr absichtlich
den Rücken zu.
"Aber sieh, was es dir antut, Dana. Du tust dir selbst weh, wenn du
nicht zuläßt, bei ihm zu sein. Es ist deine Entscheidung", sagte
sie, wandte ihren Kopf und sah sie unverwandt an.
"Du mußt dich entscheiden, was schlimmer ist - mit ihm oder ohne
ihn zu sein."
Scully antwortete nicht. Sie wußte, daß ihrer Mutter Recht
hatte.
*****
MULDERS APARTMENT 13. MAI 1997
Mulder hatte es aufgegeben. Er hatte keine Chance, je wieder beim FBI
zu arbeiten, es sei denn, er würde auf jedes einzelne Mitglied der
Kommission ein Attentat ausüben, das gestimmt hatte, ihn zu entlassen.
Er wollte auch nicht mit den Einsamen Schützen zusammenarbeiten, obwohl
sie es ihm angeboten hatten. Er unternahm allerdings ab und zu etwas mit
ihnen, um die Langeweile tot zu schlagen. Keiner von ihnen, nicht einmal
Frohike, erwähnte jemals Scullys Namen in Mulders Gegenwart.
Mulder hatte keine Chance mehr, Scully zurück zu bekommen. Er
hatte kein Wort von ihr gehört, seit er ihr durch ihre Mutter den
Brief geschickt hatte. Er beschloß, sie nicht mehr zu kontaktieren.
Und sein Leben war eine Katastrophe. Er wußte es.
Er hatte keine Arbeit, aber dank einer kleinen Erbschaft, die ihm sein
Vater hinterlassen hatte und einer beträchtlichen Summe Geld, die
er auf verschiedenen Konten gespart hatte, konnte er überleben. Es
gab sowieso kaum mehr etwas, für das er zahlen mußte. Miete,
Rechnungen... es waren alles kleinere Geldmengen.
Ihm war alles egal.
Deswegen kümmerte es ihn auch nicht, wer vor der Türe stand,
als es an einem regnerischen Nachmittag klingelte und er ohne vorher durch
den Spion zu schauen die Tür aufmachte.
Vor ihm stand Dana Scully.
MULDERS APARTMENT 13. MAI 1997
Er konnte sie für einige Momente nur anstarren. Sie war immer noch
dünn, ihr Gesicht immer noch abgespannt. Sie trug Jeans, die lose
an ihr waren und einen schwarzen Sweater. Ihr rotes Haar wurde von einem
Haarband zurückgehalten und er sah, daß es etwas von seinem
ursprünglichen Glanz und Fülle verloren hatte. Und ihre blauen
Augen waren matt. Aber das konnte auch an dem Licht des Deckenstrahlers
im Flur liegen. In ihrem Gesicht stand die Traurigkeit.
Sie stand still und blickte ihn an. Sie war überrascht und zugleich
erschreckt durch das, was sie sah. Mulder hatte ebenfalls an Gewicht verloren,
allerdings noch lange nicht so viel wie sie. Sein Gesicht war ausgemergelt
und er sah aus, als wäre er um zehn Jahre gealtert. Er war unrasiert
und sein Haar war zerzaust. Sein Gesicht war von Linien überzogen
und sie sah die dunklen Ränder um seine Augen.
"Hi", schaffte er es letztendlich zu sagen. Egal wie erschöpft
und müde sie aussah, für ihn war sie immer noch schön.
Scully nickte und lächelte ein wenig. "Wie geht es dir, Mulder?"
Mulders Mund war trocken. Er räusperte sich nervös und vermied
es absichtlich, auf diese Frage zu antworten. "Willst du nicht herein kommen?"
fragte er und sie nickte abermals. Er schloß die Tür hinter
ihr und folgte ihr zur Couch. Er beobachtete jede ihrer Bewegungen. Nachdem
er sie so lange nicht mehr gesehen hatte, konnte er nicht genug von ihr
bekommen. Sie war immer noch wunderschön. <Natürlich ist sie
das, du Arschloch. Sie ist die Frau, die du liebst.>
Scully setzte sich auf die Couch. Es war anders als all die anderen
Male, an denen sie hier gewesen war. Damals war zwischen ihnen noch alles
in Ordnung und sie fühlten sich wohl zusammen. Nun saß sie stocksteif
auf der Couch und Mulder saß auf dem Rand des Tisches, sah sie an
und wartete, daß sie etwas sagte. "Kann ich dir etwas zu trinken
bringen?" bot er an. Scully schüttelte den Kopf.
"Nein, danke." Sie hatte keine zehn Worte gesprochen, seit sie herein
gekommen war. Alles, was sie denken konnte war, daß sie hier im selben
Raum mit ihm war. In seiner Wohnung. Sie wollte ihm um den Hals fallen,
die Arme um ihn schlingen und sein Herz gegen ihres schlagen fühlen.
Sie hatten sich so vermißt. Sie waren Partner, beste Freunde und
sogar Geliebte, aber sie hatten nie eine Nacht zusammen verbracht und sich
mit nichts als der kühlen Nachtluft zwischen ihnen in den Armen gehalten.
Mulder entschloß sich, den ersten Schritt zu machen. Es gab keinen
Grund, warum er hier sitzen und sich quälen sollte, indem er darauf
wartete, daß sie ihm sagte, daß sie jemanden getroffen hatte
und heiraten würde, und daß sie das Land verlassen würde.
Obwohl er sie fast ein Jahr nicht mehr gesehen hatte, quälten ihn
diese Dinge immer noch. "Warum bist du her gekommen, Scully?" fragte er.
Sie blickte auf ihren Schoß. "Ich weiß es nicht", antwortete
sie leise. "Ich wollte dir so viel sagen, Mulder."
Jetzt wird sie es sagen, dachte er und fühlte den Kloß in
seinem Hals. Sie hat jemanden getroffen. Sie hat sich in jemanden verliebt,
aber dieser Jemand bin nicht ich.
Scully sah ihn an, ihre Augen klar und ruhig. "Ich liebe dich", sagte
sie und zuckte hilflos mit den Schultern. "Bevor alles passiert ist, als
es passiert ist, und auch jetzt. Ich liebe dich, Mulder."
Mulder starrte sie an und atmete zitternd ein. Hat sie das wirklich
gesagt? "Scully--"
"Nein, Mulder, laß mich bitte ausreden." Er nickte und sie fuhr
fort. " Ich habe mich in dich verliebt, bevor wir uns im Büro gestritten
hatten. Ich weiß nicht, wann es passiert ist. Ich weiß, daß
ich es mir selbst nicht eingestehen konnte, bis zu der Sache mit Modell.
Da habe ich gewußt, daß ich nicht ohne dich leben kann. Ich
wollte nicht ohne dich leben. Aber wir haben so viel zusammen durchgemacht...
Ich habe immer behauptet, daß es mir gut ging, doch in Wahrheit hatte
ich schreckliche Angst. Ich wollte nicht, daß du mich die ganze Zeit
beschützt; ich wollte nicht, daß du denkst, ich sei schwach.
Ich wollte, daß du weißt, daß ich dich immer unterstützen
würde, das war mein Job. Weil wir Partner waren."
Mulder nickte. Er erinnerte sich an den Donnie Pfaster - Fall, bei
dem sie ihm versichert hatte, sie würde damit klar kommen, aber in
Wirklichkeit war sie zu Tode erschrocken. Er konnte sie noch genau mit
all den Wunden und Kratzern vor sich stehen sehen, wie sie versuchte, von
den Fesseln an ihren Handgelenken loszukommen. Pfaster wurde hinter ihnen
gerade festgenommen. Mulder sah ihr ins Gesicht und suchte nach einer Bestätigung,
daß sie ok war. Er war nicht physisch um sie besorgt, doch emotionell
fürchtete er, daß sie am Rande eines Nervenzusammenbruchs stand.
Sie hatte ihn nicht angesehen. "Es geht mir gut, Mulder", hatte sie gesagt,
ihre Stimme geprägt von den bevorstehenden Tränen. Sie sagte
es in einem Ton, der sagte, vergiß es, Mulder. Aber er hatte es nicht
vergessen. Er hatte Kinn gehobe, so daß sie ihn ansehen mußte,
und sobald ihre Blicke sich trafen, hatte sie irgendwie den Mut gefunden,
ihm zu vertrauen. Zu weinen. Sich von ihm in die Arme nehmen zu lassen.
"Weil wir Freunde waren", fügte sie hinzu. "Und dann, an dem Tag
im Büro hast du mich einfach zu sehr gedrängt. Es hat mich verletzt,
Mulder. Als du dich herunter gebeugt hast, um mir mit den Blättern
zu helfen, waren wir so nah... es hat mir angst gemacht. Es bedeutete,
daß ich mir dir öffnen mußte. Es bedeutete, daß
ich dich sehen lassen mußte, wie ich fühlte."
Mulder nickte abermals. "Es hat mir auch irgendwie angst gemacht",
gab er zu.
"Als du dann abends zu mir gekommen bist... ich hatte ich überhaupt
nicht erwartet, was passiert ist. Und ich hatte nicht erwartet, daß
es so passiert ist."
Mulder sah, wie sich ihre Wangen leicht röteten, als sie dieses
Thema ansprach. "Ich wollte dich schon so lange, Mulder... aber es war
überhaupt nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte."
Scully verstummte. Sie war den Tränen nahe. Mulder blieb still
auf dem Tisch sitzen. Er hatte Angst, zu ihr zu gehen und sie zu umarmen.
Er hatte Angst, daß sie ihn zurückweisen würde, aber gleichzeitig
war er bereit, zu ihr zu gehen, wenn sie es wollte.
"Alles andere... die Tabletten... die Kündigung beim FBI... ich
hatte nichts mehr. Wenn meine Familie, meine Mutter insbesondere, nicht
gewesen wäre, hätte ich es nicht geschafft. Meine Gesundheit
ging zugrunde. Ich selbst ging zugrunde." Scully unterdrückte ihre
Tränen, um auszureden. "Etwas, daß mir meine Mutter im Krankenhaus
gesagt hatte, hat für mich alles verändert. Sie sagte, daß
ich entweder ohne dich oder mit dir leiden könnte."
"Hört sich nicht so an, als ob ich irgend welche Vorzüge
hätte", sagte Mulder verletzt.
"Nein, das meine ich nicht", protestierte Scully. "Es liegt nicht an
dir. Es liegt an mir, Mulder. Dich zu lieben heißt, mich dir zu öffnen.
Ich habe es nur wenige Male in meinem Leben getan und wurde bitter enttäuscht."
"Jack Willis", riet Mulder. Und es gab wahrscheinlich noch andere,
dachte er bei sich. Er haßte sie alle dafür, daß sie ihr
so weh getan hatten.
"Als meine Mutter das sagte, habe ich erkannt, daß wenn ich dir
trauen könnte und mich dir öffnen könnte... könnte
ich ein Leben haben. Ich glaubte sogar, daß ich glücklich sein
könnte." Ihr letzter Satz war weise.
"Du hättest glücklich sein können, wenn ich nicht alles
versaut hätte", sagte Mulder leise.
"Und ohne dich", sprach sie weiter und antwortete nicht auf seinen
Kommentar, "ging ich innerlich zugrunde. Langsam. Und schmerzvoll. Ich
brauchte Hilfe, Mulder."
"Du mußtest mich vergessen", fiel er ein.
Sie schüttelte ihren Kopf und ihre Lippen verzogen sich zu einem
Lächeln. "Ich könnte dich nie vergessen, Mulder. Es gibt nicht
genug Hilfe auf der Welt, die mich dich vergessen lassen würde."
"Was also machst du hier, Scully? Du hast noch nie lange um den heißen
Brei herum geredet."
Mulder war immer noch davon überzeugt, daß sie am Ende die
Bombe platzen lassen würde. "Wie heißt er?"
Scully sah ihn überrascht an. "Wer?" fragte sie.
"Wer immer dir geholfen hat, dich besser zu fühlen. Wer immer
es ist, den du so liebst."
Todernst und ohne eine Sekunde zu zögern antwortete sie ihm. "Fox
Mulder."
Er starrte sie an. "Scully..."
"Ich liebe dich immer noch, Mulder. Ich kann ohne dich nicht leben.
Ich will nicht ohne dich leben. Wenn du mich noch haben willst", sagte
sie und er schnitt ihr das Wort ab. "Ich habe nie aufgehört."
Mulder stand auf, durchquerte den Raum und setzte sich neben sie auf
die Couch. "Ich werde vielleicht noch etwas Zeit brauchen", sagte sie.
"Ich bin mir nicht sicher, zu was ich bereit bin. Aber ich mußte
dir all das sagen. Ich mußte sicher sein, daß du es weißt.
Ich wollte nicht, daß du jemand anderes kennenlernst und mich vergißt."
"Es gibt niemand anderen für mich. Ich könnte dich nie vergessen,
Scully. Nicht für eine Sekunde. Ich habe während des letzten
Jahres jeden Tag, jede Minute an dich gedacht."
Scully nickte. "Ich muß mir noch über so viel klar werden."
"Ich werde auf dich warten. Wie lange es auch dauert. Wie lange du
auch brauchst."
"Und mein Leben... es ist eine Katastrophe. Ich habe keinen Job. Ich
lebe bei meiner Mutter..."
Mulder zuckte innerlich zusammen. Er wußte, wieviel ihr die Arbeit
beim FBI bedeutet hatte.
"Es tut mir Leid", sagte er.
"Es ist nicht alles deine Schuld", erinnerte sie ihn. "Ich bin ziemlich
stur."
Scully stand auf und Mulder folgte ihr und sah sie an. "Alles, was
ich weiß, ist, daß ich dich liebe, Scully. Alles andere ist
mir egal. Sogar die X-Akten. Es ist alles nichts wert, wenn du nicht bei
mir bist."
Vorsichtig näherte sie sich ihm. "Ich möchte dich festhalten",
sagte sie und die Zärtlichkeit in ihrer Stimme brach ihm das Herz.
Wie lange hatte er darauf gewartet, sie das sagen zu hören? Er nickte
und sie schlang die Arme um seine Hüften. Mulder hielt sie fest an
sich gepreßt, schloß die Augen und fühlte, wie ein Teil
seines Herzschmerzes hinweg schmolz.
Nach einiger Zeit löste sich Scully von ihm und sah ihn an. Sie
stellte sich auf ihre Zehenspitzen und küßte ihn. Mulder küßte
sie zurück. Sanft, warnte er sich selbst, als er ihre Lippen fühlte,
und es ihn wie mit einem elektrischen Schlag durchfuhr. Sanft.
Sie küßten sich langsam, ohne Eile. Scullys Kuß sagte
ihm ohne Worte, was bevorstand. Mulder fuhr mit den Händen durch ihr
Haar und genoß jeden Moment, jede Bewegung ihres Körpers neben
seinem. Sie legte ihre Arme wieder um ihn und küßte ihn stärker
und intensiver. Scully seufzte leise und lehnt sich gegen ihn. Mulder merkte,
wie es ein wenig außer Kontrolle geriet. Widerwillig machte er sich
los.
"Scully", flüsterte er. "Scully, bist du sicher?"
"Ich bin sicher", flüsterte sie zurück. "Ich fühle mich
besser als ich mich während des ganzen letzten Jahres gefühlt
hatte." Sie küßte ihn wieder und diesmal hob er sie auf und
trug sie ins Schlafzimmer. Vorsichtig legte er sie aufs Bett. "Ich dachte,
du hättest nur die Couch", murmelte sie mit einem Lächeln. Er
schüttelte den Kopf.
"Das ist mein Bett." sagte er und ihn überkam ein überwältigendes
Bedürfnis, es jetzt richtig für sie zu machen. Er wußte,
daß es dieses Mal keine vorschnellen Handlungen oder Herumfummeln
geben würde. Dieses Mal wollte er sie lieben, langsam und vorsichtig,
so lange sie es wollten. Er wollte, daß ihre Phantasie wahr wurde.
Er wollte, daß es perfekt war. Er legte sich neben sie auf das Bett
und zog sie langsam aus. Sie brauchten keine Worte. Statt dessen hörten
sie nur leises Seufzen, sanftes Stöhnen und ihrer beider Namen in
leisem, heiserem Flüstern.
*****
ZEHN STUNDEN SPÄTER
Mulder erwachte zuerst und betrachtete fast eine halbe Stunde lang,
wie Scully zusammengerollt in seinen Armen schlief. Als sie sich bewegte,
lächelte er sie an. Sie öffnete verschlafen die Augen und küßte
ihn. "Guten Morgen", flüsterte sie.
"Eigentlich guten Nachmittag", sagte er und deutete auf die Uhr. "Wir
haben ein paar Stunden geschlafen."
Sie rollte herüber und streckte sich. Mulder sah sie an und die
Schönheit ihres bloßen Körpers raubte ihm den Atem. Als
sie fertig war, kuschelte sie sich wieder an seine Seite und ihre warme
Haut berührte seine. "Mulder?" fragte sie.
"Hmm?"
"Was war in dem Kästchen, das du vor meine Tür gelegt hast?"
fragte sie und in ihrer Stimme lagen immer noch die Nachwirkungen der Leidenschaft.
Mulder stand wortlos auf.
"Wo gehst du hin?" fragte sie und setzte sich auf.
"Ich werde es dir zeigen", antwortete er und holte das Kästchen
aus der Schublade. Er setzte sich wieder neben sie auf das Bett, als sie
es auspackte. Sie fand das kleinere Ringkästchen und hielt inne. Sie
sah ihn fragend an. "Nur zu", forderte er sie auf. "Mach's auf."
Scully öffnete es und ihre Augen füllten sich mit Freudentränen.
"Mulder...", flüsterte sie. "Oh, Mulder."
Mulder grinste sie an. "Wenn du bereit bist", sagte er, nahm den Ring
aus der schwarzen Samtbox und streifte ihn ihr über den Finger. "Dana",
sagte er und spürte, wie seine eigenen Tränen aufkamen. "Wenn
du so weit bist... würdest du meine Frau werden? Würdest du mich
heiraten?"
Scully zögerte keine Sekunde mit ihrer Antwort. Sie küßte
ihn auf den Mund und flüsterte ihm dann die Antwort in sein Ohr. "Ja."
Mulder küßte sie wieder und wieder. "Ich liebe dich."
"Ich weiß, Mulder, und ich liebe dich auch", sagte sie und beanspruchte
seine Lippen ganz für sich.
ENDE
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