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Akte X -
Die Serie

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Blutende Rosen

Minnesota, in der Nähe des Mille Lacs Lake, 23:00

"Ich krieg Dich schon! Egal wo Du auch hin läufst, ich finde Dich. Ich bin schließlich hier groß geworden, kenne diese Wälder besser als jeder andere. Lauf nicht weg, meine Kleine, bleib hier! Du hast ja doch keine Chance!"

"Lassen Sie mich in Ruhe! Gehen Sie weg!" Die rothaarige mittelgroße Frau stand auf einem Felsvorsprung, blickte nervös nach hinten, kaum noch Kraft in Ihren Beinen. Außer Atem sah sie ihrem Peiniger ins Gesicht, Tränen in ihren haselnußbraunen Augen. "Lassen Sie mich, bitte!" Immer mehr Tränen rollten über ihre Wangen und sie zitterte am ganzen Leib. Das dünne schwarze Kleid, das sie anhatte, hielt kaum der Kälte stand und ließ die junge Frau schrecklich frieren. "Komm her zu mir, ich tue Dir doch nichts, meine Liebste. Gib mir Deine Hand! Du bist doch nicht schwindelfrei, mein Schatz. Nimm endlich meine Hand." Ein eisiger Sturm riß an den Tannen, peitschte Regentropfen gegen ihr Gesicht. Hatte er doch recht, war sie nicht schwindelfrei, hatte jetzt panische Angst in die Tiefe hinter ihr zu fallen. Doch wußte sie nicht, was schlimmer wäre, in den Fängen dieses gräßlichen Mannes zu landen, oder sich selbst in den Tod zu stürzen. "Gehen Sie doch, bitteeee!" Er reichte ihr seine Hand, bot ihr an sie zu ergreifen. "Ich weiß alles über sie, Tet, alles! Wie lange wollen Sie dieses Spiel denn noch spielen? Es wird nicht aufhören, es wird weiterleben, immer. Wie viele sollen noch sterben? Lassen Sie mich Ihnen helfen, Tet!" "Gina, gib mir Deine Hand! Vertrau mir! Ich werde mich behandeln lassen. Ich liebe Dich doch, nie könnte ich Dir weh tun. Das bin nicht ich. Er tötet, er." Voller Angst sah Gina Martens den Abhang hinunter. Da es eine klare Nacht war und der Boden gefroren, würde nur eine falsche Bewegung genügen, und sie stürzte in die Tiefe. "Gott, hilf mir!" So war doch ihre Angst in den Abgrund zu stürzen größer als im ihre Hand zu geben. Nur ein Gedanke erfüllte ihren Kopf, daß sie ein Psychiater war, ihn zu einer Verhandlung bringen könnte. Mit ihrem Wissen und ihrer Stärke wäre es möglich ihm zu helfen, obwohl er so viele junge Frauen schon auf dem Gewissen hatte. Sie hätte die Chance sich seinem Vorhaben sie zu töten herauszureden, ihn umzustimmen, damit er mit ihr kooperierte. Es würde alles gut werden, war er doch ein netter junger Mann, der nur in Nächten zum Monster wurde. Sein gutes Ich würde siegen mit Ginas Hilfe, und so streckte sie ihre Hand nach der seinen aus. "Kommen Sie mit mir zu Doktor Shanul. Wir können Ihnen helfen, Tet." Er ergriff ihre schließlich und sagte leise: "Alle Schönheit ist vergänglich, so bleibe ewig schön!" Dann stieß er sie mit beiden Händen den Hang hinab. Ein dumpfer Schrei störte die Ruhe der Dunkelheit, die einzigen Zeugen der Mond und die Sterne.

Auf einer Straße nach Superior, 23:30

"Hey, hier müssen wir abbiegen!" "Ja, ja, ist schon gut. Was regen Sie sich denn so auf? Mein Gott, wir kommen noch rechtzeitig hin, ok. Es ist ohnehin erst morgen früh." "Ich bin aufgeregt, Mulder, lassen Sie mich doch! Die vielen bekannten Gesichter, die wir dort sehen werden, Joe, Cindy, Barbara, Trevor, alle werden da sein. Und als ich mit ihnen telefonierte, da waren sie auch schon richtig begeistert. Sie freuen sich riesig mich wieder zu sehen." "Ich bin heil froh, wenn wir hier wieder weg sind. Wenn ich an die ganzen Arschgesichter denke, die mir mein Leben auf der Akademie zum ‘Alltag: Hölle’ gemacht haben, dann würde ich da am Liebsten mit einer Kalaschnikow rein stürmen und alle nieder knallen." Dana verzog ihren Mund zu einem verschmitzten Grinsen und meinte: "So wie Sie die beschreiben müssen das wirklich nette Leute sein." "Das ist Kinderkram, Scully. Wissen Sie, daß die einfach nur hierher kommen, weil sie sich vor ihrer Arbeit drücken wollen?" "Mulder, jetzt reicht’s aber. Skinner hat uns eingetragen, weil er meinte, es könnte uns keinesfalls schaden, wenn wir mit anderen Agenten unsere Erfahrungen bei diesem "Serienmörder - Seminar" austauschen würden. Es kommen Top - Agenten aus dem ganzen Land, und wir sind die, die Washington D.C. repräsentieren werden. Sehen Sie es doch mal von der guten Seite." "Und die wäre?" "Wir haben wenigstens nicht Stonecypher und Kinslay im Gepäck." Fox drückte einen Seufzer aus seiner Kehle und lächelte kurz Dana an, die neben ihm auf dem Beifahrersitz in einer Akte kramte. Langsam strichen ihre Finger am Papier entlang, als könne sie die Worte fühlen anstatt sie zu lesen. Das Licht erleuchtete nur einen kleinen Fleck im Wagen, was Dana Mühe machte die kleinen Worte zu entziffern. "Äm, was lesen Sie da eigentlich?" "Oh, nichts weiter, nur eine kleine Chronik über Superior." "Und?" "Naja, viel ist hier nicht passiert, bis auf ein paar wenige Selbstmorde und zwei Morde, die aber schnell und gut aufgeklärt werden konnten." "Ein richtig nettes Städtchen also. Hört sich ruhig an. Was soviel heißt, wir machen hier das Seminar und dann fahren wir wieder nach Hause." "So könnte man es nennen." "Hey, Gott was ist denn das für ein Wixer?" Fox bremste so schnell er konnte, als aus einem entlegenen Waldstück ein Wagen mit über 80 Stundenkilometer auf die ausgestorbene Hauptstraße bog und dann davon raste. "Alles ok, Scully?" "Puh, ja, ich bin in Ordnung. Zum Glück konnten sie den Wagen noch in Griff kriegen, sonst wären wir wohl voll in den anderen rein." "Nicht einmal ein Licht, und so einer kriegt den Führerschein." "Mulder beruhigen Sie sich doch. Es ist ja nichts passiert. Seien Sie nicht so gereizt. Sie sind schon seit Washington so unruhig. Was ist denn los mit Ihnen? Sie können mir nicht erzählen, daß alles nur wegen diesem Seminar so ist wie es ist." "Scully, kann ich kurz mit ihnen reden, bevor wir weiter fahren? Ich meine ernsthaft." "Ja, Mulder, sicher." Fox zog seine Hand vom Schlüssel und legte sie auf das Lenkrad. Dann begann er leise zu sprechen: "Ich habe kein gutes Gefühl bei der Sache. Ich meine, es wird etwas passieren, ich weiß nicht so recht. Irgend etwas stimmt nicht." "Wie meinen Sie das?" "Wenn ich das nur wüßte. Es wird passieren, aber ich habe keine Ahnung was es ist, nur, daß es schlecht ist, böse." Dana streckte ihre Hand nach Fox’ Gesicht aus und streichelte ihm über seine Wange. "Wissen Sie, Mulder, was ich glaube, Sie wollen sich nur drücken, um nicht an diesem Seminar teilnehmen zu müssen. Einspruch abgelehnt, wir fahren morgen dort hin, koste es was es wolle. Und jetzt bringen Sie uns in die Stadt, denn ich weiß nicht wie’s Ihnen geht, aber ich bin ziemlich müde geworden, der lange Flug und die Fahrt noch dazu. Falls Sie morgen dann immer noch glauben, es gibt in Superior etwas ‘Böses’, dann können wir uns immer noch nach dem Seminar uns die Sache genauer ansehen."

Superior, 10:18

"Guten morgen, Scully. Na, hatten sie süße Träume?" "Wenn man den Traum süß nennen kann, wo sie mit einer Kalaschnikow in den Festsaal stürmen und alle Leute abknallen, dann ja." Fox begann breit zu grinsen und sagte dann: "Nein, das war kein normaler Traum, das war’ne Vision von heute." "Sie sind also fertig für die Höhle des Löwen?" "Nein, aber mein Bodyguard ist es, oder?" "Ihr Bodyguard? Der Film war niedlich." "Ja, und ich komm mir langsam vor wie Kevin Costner." "So stark?" "Nein, so verarscht." "Wieso?" "Ach, das würden Sie doch nicht verstehen. Zu privat für ihre Ohren. Aber, vielleicht irgendwann mal, dann sag ich es Ihnen. Wenn ich den Mut dazu aufgebracht habe." Verlegen blickten Fox’ haselnußbraune Augen auf den Teppichboden im Flur des Hotels. Ihre beiden Zimmer waren gleich gegenüber, und so war er gleich zu Dana um sich davon zu überzeugen, daß sie schon wach war. "Können wir jetzt gehen, ‘Frank Farmer’?" "Ja, ‘Rachel Marron’, bitte nach Ihnen!" Als sie dann nebeneinander die Treppen hinabgingen schmunzelte Dana: "Bodyguaaaaaard. Ich fand Farmer richtig anziehend. <<wie Dich>>"

In der Nähe des Milles Lacs Lake, Richtung St. Paul, 10:49

"Paßt auf, daß keiner hier was angreift, bevor nicht die Jungs von der Spurensicherung hier waren!" "Sir, ich weiß nicht, aber ist er es gewesen?" "Halten Sie den Mund, Croge, und machen Sie ihre Arbeit. Wenn das raus kommt, dann haben wir wieder die ganze Presse am Hals, so wie letztes Jahr." "Und wenn er es nun war." "Was soll ich Ihnen da schon sagen, dann können wir nur hoffen, daß er seine Phase bald hinter sich hat." "Aber das kann so nicht weiter gehen." "Lassen Sie das nun endlich meine Sache sein!"

Dann schickte Sheriff Hollow seinen Deputy fort und wollte gerade zurück zum Tatort gehen, als ein schwarzer Wagen an der Einfahrt zum Wald stehen blieb und eine zarte Frau mit langem Mantel ausstieg. "Macht hier weiter, Jungs, in einer Stunden muß alles weg sein. Dann muß es hier wieder so aussehen wie vorher. Ist das jetzt endlich mal klar?" "Guten Tag, Sir, mein Name ist Dana Scully und ich bin FBI - Agentin. Mein Partner und ich sind zufällig vorbeigefahren und haben uns gedacht warum da gleich drei Polizeiautos stehen. Was ist denn passiert?" "Dana Scully? Oh, wow, was führt Sie denn zu uns? Das ist ja unglaublich!" "Woher kennen Sie mich, Sheriff?" "Ich bin wohl einer Ihrer größten Fans. Wir alle hier sind fasziniert von den X - Akten, und Ihnen natürlich. Tut mir Leid, wie ungeschickt von mir. Hab ich doch glatt vergessen mich vorzustellen. Ich bin Brad Hollow, Dana - ich darf Sie doch so nennen, oder -, der örtliche Sheriff." "Also leiten Sie das Ganze?" "Ja, so könnte man es nennen. Der Haufen Deputies sind meine Leute, ja." "Dann wissen Sie ja auch was vorgefallen ist?" "Sicher. Gestern nacht ist eine Frau von dem Hang da hinter mir, dort oben, heruntergestürzt. Ein Unfall. Um diese Jahreszeit schon öfter mal vorgekommen, denn da wagen sich die neugierigen Touristen zu nahe an den Rand und platsch, weg sind sie. So was geht eben schnell. Und ehe man es sich versieht ist alles vorbei." Der Sheriff starrte Dana nervös an, gleich einem kleinen Jungen, der darauf wartete ein Bonbon zu bekommen. Er trat von einem Bein auf das andere, was jedoch nicht gerade auffiel, da es sehr kalt war und jedes Mittel recht, sich warm zu halten. "Ein Unfall, ja?" "Unfall." Dana winkte Fox, er solle zu ihr und dem Sheriff kommen, nachdem er schließlich aus dem Wagen gestiegen war. Ein eisiger Wind wehte und rüttelte an den hohen Tannen. Es war zwar schon Ende November, doch ließ der Schnee noch immer auf sich warten. In dem Nächten sanken die Temperaturen oft bis minus zwanzig Grad und sogar tiefer. Da war man froh ein Dach über dem Kopf zu haben und die Möglichkeit sich an jemanden zu kuscheln.

"Was ist denn, Scully?" "Das ist Sheriff Hollow, der Leiter des Ganzen hier. Ein Unfall, wie er mir erzählt hat." "Sehen Sie diesen Felsvorsprung da oben? Von dort aus muß sie gestürzt oder gesprungen sein. Genickbruch. Sie war sofort tot. Spaziergänger haben ihren Leichnam heute gefunden, halb nackt, das dünne Kleid, das sie anhatte zerrissen. Möglicherweise hat sie unter Drogen gestanden, oder war sonst in irgendeiner Weise verwirrt und blieb an den Sträuchern damit hängen, deshalb wohl auch die Schnitte an den Beinen, die sie aufweist. Am Ufer des Sees gibt es vereinzelt ein paar Häuser, aber von dort war die Frau nicht. Keiner kannte sie, nicht aus der Gegend jedenfalls. Vielleicht eine Touristin, die zu neugierig war und dann ausrutschte und runterfiel. So schnell geht das. Einen Hinweis wer sie war haben wir nicht, aber arbeiten daran." Möglicherweise war es Mord? Wenn sie jemand gestoßen oder verfolgt hat. Wird der Boden oben nach Kampfspuren untersucht?" "Wir arbeiten auch daran." "Todeszeit?" Mulder begann Hollow ein Loch in den Bauch zu fragen. "Irgendwann gegen Mitternacht, schätzen wir jedenfalls. Agent Mulder, wissen Sie, so kurz vor Weihnachten, dem Fest der Liebe, wird doch keiner einen Mord begehen." "Sie meinen wohl eher, ein Mordfall macht sich nicht gut um diese Zeit." "Es war aber keiner. Die Leute in dieser Stadt sind nette Menschen, da passiert vielleicht ein Mord alle zehn bis zwanzig oder dreißig Jahre mal und das nur zufällig. Suchen Sie nicht nach Dingen, die nicht existieren! Das macht sich schlecht. Ein Unfall, nur ein Unfall." "Ich hoffe, Sie behaupten das, weil sie Beweise dafür haben, und nicht, weil die Arbeit schnell und möglichst sauber über die Bühne gehen soll. Ein Mord und ein Sheriff, der sagen wir, unfähig ist den Mörder ausfindig zu machen. Wär doch schlecht für den Job. Oder?" "Haben Sie denn Beweise, daß es ein Mord war?" Schweigend ging Fox zu dem Platz hinüber, wo man die Frau gefunden hatte. "He, Mulder, wo wollen Sie hin? Wir müssen noch zu dem Seminar!" Dana blickte Fox verwundert und beinahe genervt nach, wandte sich dann Hollow zu, wogleich sie beide ihm folgten. Gebannt sah sich dieser am Unfallort um, bückte sich nach ein paar Minuten, um etwas aufzuheben, das zwischen den steifgefrorenen Gräsern klebte. "Gehe ich richtig von der Annahme aus, daß in dieser Umgebung, um diese Jahreszeit keine roten langstieligen Rosen wachsen? Sie scheint noch nicht lange da zu liegen, seit gestern Nacht vielleicht, hat die Kälte aber recht gut überstanden. Eine solche Rose kommt nicht einfach so hierhin. Die hat jemand absichtlich neben die Frau gelegt. Etwas abseits, damit man die Rose nebensächlich aufnimmt. Die Hauptperson ist aber trotzdem nicht das Opfer, sondern das Zeichen des Mörders, in diesem Fall die Rose." "Mulder?" Dana verdrehte, wissend, was jetzt kommen würde, die Augen und preßte die gesamte Luft aus ihr, die ihre Lungen soeben eingesaugt hatten. "Die könnte praktisch von jedem stammen." "Sagten Sie nicht vorhin die Tote kannte niemand? Wer bitte käme auf so eine idiotische Idee neben eine Frau, die er nicht mal gekannt hat bevor sie steifgefroren wurde, eine Rose zu legen? Das ist doch verrückt. Es fehlen ihr ein paar Blätter. Sehen Sie? Drei, drei Blätter fehlen. Und, Scully, was hält unsere kleine Expertin davon?" "Ich finde, wir sollten Brad seine Arbeit machen lassen und uns unserer zuwenden. Seminar, schon wieder vergessen? Mulder? Wir können es noch schaffen, wenn wir jetzt fahren. Mulder!!!" Dana war schon auf 180, wirklich nahe an der Grenze auszuflippen. Dieses Mal war er nun doch zu weit gegangen. "Und was bedeutet das schon, Agent Mulder? Sie sprechen mir in Rätseln." "Oh ja, das kenn ich." Keifte sie dazwischen. "Sagen Sie bloß, Dana, Sie wissen, wovon er redet?" "Nicht ganz, aber vielleicht weiß ich ungefähr worauf er jetzt hinaus will." Zerknirscht warf sie Fox einen Blick zu, dann Hollow, und rief schließlich den Sanitätern, die gerade die Leiche auf einer Bare zum Rettungswagen schoben, zu: "Warten Sie, warten Sie bitte kurz! Wir möchten uns die Tote ansehen." Sobald dann alle um die Bare herum versammelt waren, zog Fox Gummihandschuhe an und begann etwas an der Frau zu suchen. Konzentriert sah er sie sich genau an, bis sein Blick auf ihre beiden Hände fiel, die zu Fäusten geballt waren. Sheriff Hollow zuckte kurz zusammen, als er das Knacken der brechenden Knochen hörte. "Mulder, was tun Sie da? Sie können der doch nicht einfach so die Finger..." "Wenn sie etwas dagegen haben würde, dann hätte sie es mir doch längst gesagt. Oder?" Nachdem nun alle Finger gebrochen waren, kam ein kleines rotes Plättchen in der Handfläche der Frau zum Vorschein, ein Rosenblatt. "Ich glaube, wir müssen wohl nicht lange raten, um herauszufinden, woher das stammt." Dann griff er nach der anderen Hand und machte dasselbe. Sogleich fiel auch aus dieser Hand ein Blatt. Kühl meinte Fox mit einem ich-wußte-ich-hatte-recht-Blick: "Mord, eindeutig.", als er bemerkte, daß Dana und Hollow sich ein Stück entfernt hatten und ausgelassen plauderten. "Scully, würden Sie vielleicht so gütig sein und zu mir kommen? Ich muß mit Ihnen unter vier Augen sprechen." Nicht ganz willig folgte sie ihm, zu viele Fragen im Kopf, die sie ihm zwar jetzt stellen wollte, doch lieber mit Hollow weiter geplaudert hätte. Jedoch bevor sie noch die Gelegenheit hatte auch nur eine Frage ihm zu stellen, schnitt er ihr das Wort ab. "Wer ist der Typ?" "Wer? Brad? Er ist irre, ich meine Ire, hat er mir gerade erzählt. Und er macht seine Arbeit gut, überall, davon bin ich überzeugt.", begann Dana zu schmachten. "Sie schwärmen ja richtig von dem.", knurrte Fox böse. "Ich kann den nicht ausstehen, diesen Schleimer. Der Kerl spielt sich auf, als wüßte er alles. Und wie er Sie nennt, Daaanaaa. Dem hängt der Sabber schon bis zum Boden! Der motzt herum, das kotzt mich einfach an." "Und, haben Sie mich das denn innerhalb dieser fünf Jahre auch nur ein einziges Mal gefragt? Er macht seinen Job, wir doch auch. Themenwechsel. Eines möchte ich gern wissen, wie sind Sie auf die Rosenblätter gekommen?" "Hab ich aus einem Film." "Na toll. Mulder, wir sind aber nicht wegen diesem Fall hierher gekommen, auch wenn es Mord ist. Uns geht das nichts an." "Scully, es war Ihre Idee auszusteigen und nachzufragen, also brauchen Sie überhaupt nicht rumjammern. Außerdem habe ich so ein ungutes Gefühl, das von gestern, wenn Sie sich erinnern. Irgend etwas sagt mir, daß ist nicht das erste und auch nicht das letzt Opfer." "Mulder, aber Brad kümmert sich schon darum. Es ist Brads Fall, nicht unserer." "Brad, Brad, Braaad! Wie lange bitte kennen Sie diesen Ekel denn schon? Der darf Sie Dana nennen, und ich? Geht das aber schnell." "Mulder, wir kennen uns seit gerade eben, und er hat mich gefragt, ob er mich so nennen darf." "Ja, aber der darf das und ich? Ich nenn Sie immer noch Scully, obwohl wir uns jetzt bereits länger als fünf Jahre kennen." "Ach Mulder, wissen Sie, das ist so eine Geschichte mit den Namen und so. Das ist Ihre alleinige Schuld. Hab ich denn je im Laufe der Zeit wo wir uns schon kennen auch nur ein Mal erwähnt, daß Sie mich nicht bei meinem Vornamen ansprechen dürfen?" "Was?" "Sie hätten mich doch bloß darum fragen müssen. Oder?" "Ab..." Noch ehe er auch nur ein "Aber" herausbrachte fuhr Dana fort: "Außerdem haben wir jetzt Wichtigeres zu tun. Semina-ar!" "Jetzt machen Sie mal einen Punkt, Daaaaanaaaaaa, es sch... sie doch genauso an wie mich! Und erzählen Sie mir nicht, daß es nicht so ist! Ich weiß immer, was sie denken, na, sagt Ihnen Florida etwas?" "Sind wir lieber froh, daß es nicht so ist." "Warum denn? Würden Ihre Gedanken mich denn so schockieren?" "Schockieren? Das ist gar kein Ausdruck dafür, was Sie von mir halten würden, wenn Sie alle meine Gedanken kennen könnten." "Uh, welche verborgenen Boßhaftigkeiten sind wohl in ihrem kleinen Köpfchen versteckt? Wow. Also wenn ich mir das mal so vorstelle." "Mulder!" "Scully, wollen Sie noch immer zu dem blöden Seminar? Es ist doch so kalt hier und dann auch noch autofahren, in einem Auto mit defekter Heizung, Scully!" begann Fox zu jammern. "Das ist Mord, Sie fieses Ding." "Und was würden Sie vorschlagen, was wir machen sollen anstatt zum Seminar zu fahren?" "Ähm, mal überlegen, zurück zum Hotel fahren, einen Tee machen, die Heizung voll aufdrehen und...kuscheln?" "Kuscheln? Ich würde sagen, das lassen wir mal lieber bleiben. So etwas müssen Sie sich schon verdienen. Im Leben bekommt man nichts einfach so geschenkt." "Klar, zu Weihnachten!" "Mal ausgenommen unseren kleinen Foxi - Bubi, der sich am Heilig Abend auf die Suche nach Santa Claus begibt." "Hey, den gibt es wirklich!" Inzwischen hatten sich die beiden in Bewegung gesetzt und gingen auf Hollow zu, der sich gerade mit einem Deputy unterhielt. "Was wollen Sie überhaupt? Wir kommen hier her, sollen an einem wichtigen Seminar teilnehmen und was machen wir?" "Wir werden diesen Mordfall hier aufklären. Das können wir dann Skinner vorlegen." "Wie stellen Sie sich das eigentlich vor? Wir kommen her, fassen einen Mörder und nehmen das dann als Ausrede, daß wir nicht zum Seminar gekommen sind. Etwas Besseres gibt es ja gar nicht!!!" Fox legte seinen Arm um Danas Rücken und drückte sie ein wenig an sich. "Wir machen das schon. Vergessen wir das Seminar. Es gibt so viel Ungeklärtes an dieser Toten, aber lebt ihre Vergangenheit. Wenn wir uns in sie versetzen können, dann haben wir den Mörder. Sie sind doch auch ganz wild drauf, zu erfahren, wer es war und warum." "Brad, kann ich Sie kurz mal sprechen." "Ja. Ok, Dave, das ist dann alles." "Gut Sheriff." "Also, was kann ich für Sie tun, Dana?" "Wir wollten fragen, ob es möglich wäre an dem Fall, sagen wir, uns zu beteiligen? Sie wissen doch über unsere Arbeit Bescheid, und da dachten wir eben, daß wir diesen Fall vielleicht mit Ihnen zusammen lösen könnten." "Warum?" Hollow wirkte nun leicht nervös, wußte nicht, was er sagen sollte. Sollte er es ihnen überhaupt erzählen? Sie waren doch Fremde, könnten die kleine Stadt in Aufruhr bringen mit diesen Mordgeschichten. Nein, er würde es nicht sagen, das müßten sie schon selbst herausfinden, und das werde ziemlich schwer für sie, denn in der Stadt, da hält man zusammen wie Pech und Schwefel. Niemand würde einen anderen verpfeifen, oder in irgendeiner Form auch nur für schuldig denken. Das war eine nette, friedliche Stadt, nicht da, um von zwei FBI - Agenten aus ihrem Tiefschlaf gerissen zu werden. "Wieso sind Sie daran interessiert, an den Morden, ich meine die Frau ist tot, die wird nichts mehr sagen, die ist weg. Vielleicht war es ja nur ein psychopathischer Freund von ihr, oder so." "Oder so. Sagten Sie nicht, das seien nette Leute? Psychopathen sind nicht nett." "Wie auch immer, meine Herren, es wird Zeit für Mulder und mich zu gehen. Falls Sie es sich noch überlegen sollten, wegen dem Fall, oder wenn Sie sonst irgendetwas brauchen, hier ist meine Nummer." Dana reichte ihm eine Visitenkarte des Hotels, in welchem sie und Fox wohnten, und einen kleinen Zettel mit ihrer Handynummer darauf. Dann verabschiedeten sie sich und machten sich auf den Weg zum Wagen.

"Wohin soll’s gehen?" Dana sah Fox gelangweilt an. "Ich dachte, sie wollen zum Seminar? Oder hat es sich Miß Egoist anders überlegt?" "Fahren Sie endlich los!" Der Motor sprang an und schon rollte der Wagen die Straße aus dem Wald rückwärts und auf die Hauptstraße, die jedoch kaum befahren war. Sheriff Hollow stand noch da, sah ihnen nach, bis der Wagen schließlich hinter den Bäumen verschwunden war. Eine Weile war es still, sie wollten nicht sprechen, vielleicht auch besser so, sonst stritten sie ja ohnehin wieder nur. Dana sah hinaus, wie Bäume und Sträucher an ihnen vorbei huschten, und als kleine Punkte in der Landschaft verschwanden. "Wo fahren wir eigentlich hin? Der Weg zum Hotel ist das jedenfalls nicht." "Stimmt, ich möchte etwas nachprüfen. Unser lieber Sheriff hat uns doch etwas verheimlicht. Ich bin mir fast sicher, daß wir in der Stadt eine Spur finden. Na, Lust auf einen kleinen Einbruch?" "Mulder!" "Ach kommen Sie schon!" Dana verzog ihren Mund zu einer Grimasse und sagte: "Ok, und wo?" "Hollows Apartment." "Nein, das können wir doch nicht tun!" "Sie vielleicht nicht, aber ich schon. Machen Sie jetzt mit, Partner?" Der Wagen stoppte vor einer Telefonzelle. Fox stieg aus und blätterte kurz im sich darin befindenden Telefonbuch herum. Dann klappte er es zu und setzte sich zurück an Danas Seite. " Downroadstreet 4", grinste er und lies den Motor an.

Etwas später, vor Sheriff Hollows Apartment

"Mulder, machen Sie schon, bevor uns noch jemand sieht!" Während Fox am Schloß von Apartment 107 herum hantierte zog Dana ständig Kreise hinter ihm. "Jetzt hören Sie mal auf hinter mir ein Loch in den Boden zu trampeln. Tadaa!" "Eines möchte ich wirklich gerne erfahren. Woher können Sie das so perfekt? Na, eine Vergangenheit, die sie mir da verschweigen?" "Meine Vergangenheit ist sauber, ehrlich." "Glaub ich nicht, aber wir sollten jetzt trotzdem zu suchen anfangen. Was überhaupt?" "Hinweise." "Worauf?" "Auf vielleicht andere Morde. Was weiß ich, irgendetwas Brauchbares!" Mit diesen Worten verschwand der dunkelhaarige FBI - Agent im Schlafzimmer von Hollow, wogleich Dana sich in dessen Wohnzimmer zu schaffen machte. "He, Scully, da sollten Sie sich mal etwas ansehen." "Was denn?" "Kommen Sie schon her!" Als Dana das Schlafzimmer betrat, glaubte sie ihren Augen nicht trauen zu können. "Fan? Das ist meiner Meinung nach ja mächtig untertrieben!" Über einem Schreibtisch, der neben dem Fenster stand hingen eine Menge Fotos, Zeitungsausschnitte und Bilder von Dana, der nun ein wenig mulmig wurde. "Auch egal, jedem das Seine. Wir sollten mal hier zu suchen anfangen. Warum sind Sie sich eigentlich so sicher, daß es mehr Morde gegeben hat?" "Hollows Gesichtsausdruck. Er verschweigt uns etwas und will nicht mit uns zusammenarbeiten. Er will uns hier weghaben, weil wir etwas herausfinden könnten, das ihn möglicherweise den Kopf kosten könnte." "Und was zum Beispiel?" "Ein ungelöster Mordfall. Ein frei laufender Serienkiller, der nur dadurch noch weiter morden kann, weil Hollow keine Spuren hat, die ihn überführen würden. So, und da kommen wir dann ins Spiel, die schlauen FBI - Agenten, die Hollow den Fall vor der Nase wegschnappen und ihn damit schlecht aussehen lassen. Wenn Sie mich fragen, hat er davor Angst. Da, Scully, eine Diskette." Auf dem Aufkleber stand in großen Buchstaben geschrieben: "Der Rosenmörder - 1996" "1996? Scully, das sind zwei Jahre!" "Zwei Jahre also schon." "Was tun wir denn jetzt?" "Sie werden diese Frau obduzieren, gleich morgen früh. Und ich stelle Hollow zur Rede." "Aber womit? Wir sind bei ihm eingebrochen, eine Straftat, Mulder, dafür könnte er uns anklagen!" "Ich werde ja nicht zu ihm gehen und ihm sagen, daß ich von ihm zufällig eine Diskette mitgehen hab lassen. Ich sag einfach, wir hätten einen Informanten, durch den wir die Wahrheit über den Fall erfahren haben. Ich werde jetzt gleich die Disk in meinen Laptop geben und sehen, was darauf ist. Wahrscheinlich eine Akte." "Lassen Sie uns besser verschwinden, bevor Brad zurückkommt, sonst haben wir ein Problem." "Gut, verschwinden wir, wo wir ja jetzt haben, was wir wollen."

Bakerscour Hotel, 16:28

Dana lag neben Fox auf dem Bett, die Hände weit ausgestreckt, geschlossen ihre Augen. Ein kurzer, studierender Blick fiel auf sie, dann wandte Fox sich wieder seinem Laptop zu. "Hab ich Ihnen eigentlich schon mal gesagt, daß Sie recht attraktiv sind?" "Nein, eigentlich noch nicht. Worauf wollen Sie denn hinaus? Hm?" "Ach, nichts Wichtiges." "Aha." Ein verlegener Grinser machte sich in Fox’ Gesicht breit während er an den Tasten seines Laptops herum tippte. "Warum grinsen wir denn so unschuldig? Haben wir etwa schmutzige Hintergedanken?" "Nein, was halten Sie denn bloß von mir?" "Mulder, wir kennen uns jetzt fünf Jahre, oder, und ich meine, wir kennen einander bereits besser als irgend jemand anders." "Worauf wollen Sie hinaus?" "Ich meine ja nur, sie würden mir doch auch ein Geheimnis anvertrauen, würden mir sagen, wenn etwas mit Ihnen nicht stimmt. Oder nicht?" "Ja, aber das kommt dann wohl darauf an, auf die Situation eben und so." "Sie sind so merkwürdig. Was ist los, Mulder? Sie wissen doch, wir können reden." Mit diesen Worten rappelte sich Dana auf und setzte sich neben Fox, der versuchte ihre Augen zu meiden, weil er wußte, seine würden ihn verraten, seine Gefühle widerspiegeln, die er für Dana empfand. "Hey, was ist denn los? Schon am Flughafen waren Sie so anders. Haben Sie vor etwas angst?" Dana legte ihre Arme um Fox’ Hals und zog seinen Kopf ihr nahe. Mit ihren Händen hielt sie sein Gesicht, streichelte in sanft und fuhr fort: "Wir können doch reden. Sagen Sie mir, was Sie bedrückt." Er mußte nun in ihre Augen sehen, konnte nicht weg, obwohl er sich am liebsten in diesen Sekunden von seiner Partnerin losgerissen hätte. Er sah sie an, traute sich kein Wort zu sprechen, keine ebenso liebe Geste ihr zu schenken. Er saß nur da, hielt inne und wartete ab, was sie als nächstes sagen würde. Doch schwieg Dana, schwieg nur und lächelte ihn nun an. Dann drückte sie Fox an sich und strich über seinen Kopf, der auf ihrer Schulter ruhte. Immer wieder fiel Fox dieser Traum ein, ein gar schrecklicher Traum, den er auch zu Hause gehabt hatte, der ihn letzte Nacht erneut gequält. Sollte er ihr denn wirklich gestehen, daß er eigentlich Angst um sie hatte, Angst, sie zu verlieren? Immer wieder hatte er sie gesehen, laufen, Tränen in den Augen, erfüllt mit Angst. Sie war gelaufen, blutig ihr Gesicht, ihre Hände, zerrissen ihr Kleid, auch blutverschmiert. Sie lief um ihr Leben und da, da war dieser Mann gewesen, hatte sie gepackt, zurück gerissen und mit ihr gekämpft. Er hatte ein Messer bei sich, stach auf sie ein, und Fox war dagestanden, hatte ihr nicht helfen können, mußte zusehen, wie dieser Mann Dana tötete. Dann wachte er auf, Angstschweiß auf der Stirn, und fühlte eine Kälte, die ihn umgab, die Kälte, die er verspüren würde, wäre es kein Traum gewesen, hätte dieser Psychopath Dana wirklich ermordet. Es war diese Leere, die er fühlte ohne sie, ohne ihre Wärme, ihre Nähe. "Scully." "Ja." "Ich habe ständig diesen Traum, ein fürchterlicher. Sie sterben darin. Ich glaube, es hat mit dem Rosenmörder zu tun." "Wie meinen Sie das." "Ich weiß nicht recht, aber ich habe doch gesagt, ich fühle, es wird etwas passieren." "Und Sie glauben, ich muß sterben? Mulder, vielleicht liegen wir falsch, gibt es diesen Mörder nicht." "Er ist der Rosenmörder, und er hat Sie ermordet, erstochen." Zärtlich küßte Dana Fox’ Stirn, sah ihn mit beruhigenden Augen an und flüsterte: "Ich habe doch einen Beschützer. Der wird mich nicht töten, solange Sie bei mir sind. Ich vertraue Ihnen ja mein Leben an." >>Ihr Beschützer hat aber versagt.<< Fox entzog sich ihrer Umarmung und schenkte nur noch dem Laptop seine Aufmerksamkeit, wollte er jedenfalls. "Mulder." >> Mir ist so kalt, mir ist kalt ohne Sie. Sie verstehen mich ja doch nicht, auch wenn Sie die Wahrheit wüßten.<< "Was machen Sie da?" "Sie ist verschlüsselt. Ich muß den Code irgendwie knacken." "Ein Paßwort, sehr schlau. Versuchen Sie es doch mal mit ‘DANA’." "Ok." Dann erschienen auch schon vier kleine Sternchen auf dem Bildschirm und eine Leiste mit dem Wort ‘CORRECT’ leuchtete auf. "Woher...?" "Weibliche Intuition. Sieh sich das mal einer an. Das sind ja mindestens fünfzig Frauennamen. Worauf sind wir da bloß gestoßen?" "Emily Barkin, 25, Lilian Jackson, 32, Diana Farlow, 33, Joanne Huskins, 29,und so weiter. Gott, das sind Listen!" "Hier, das Datum war doch vor drei Tagen!" "Sandra Wallfort, 30, Lehrerin an einer Grundschule hier in Superior. Sie galt seit dem 24. Als vermißt." "Er hatte sie nur einen Tag in seiner Gewalt." "Hier sind Fotos der Leichen aufgelistet." "Wer tut so etwas Schreckliches?" Die Tote war bis zur Unkenntlichkeit zerschnitten, völlig in Blut getränkt. Sie trug ein schwarzes Kleid, wie auch alle anderen Opfer, das ebenfalls zerrissen und zerschnitten war. Neben dem Foto war ein zweites, eines des Opfers, bevor es seinem Mörder in die Hände gefallen war. "Die Schönheit muß sterben, um ihr Leben zu erhalten." "Was haben Sie da gerade gesagt?" "Thomas Gracen." "Ach ja, der Autor. Wohnt der nicht hier in der Gegend?" "Ja, er hat ein Haus am Ufer vom Mille Lacs. Eine kleine Villa mit Wintergarten, was ich so weiß." "Ihr Lieblingsautor?" "Kann man wohl sagen." "He, meiner auch. Ich finde, er versteht es wirklich blendend sich auszudrücken und die Ängste der Menschen festzuhalten. Er konfrontiert sie mit der beinharten Realität." "Ja, das schätze ich auch so an ihm." "Wir könnten uns mal in der Gegend um den See herum umhören, ob vielleicht doch jemand etwas mitgekriegt hat. Das wär ja nicht das erste Mal, daß Hollow uns belogen hat. Und bei der Gelegenheit hätten wir dann auch einen Grund Gracen einen Besuch abzustatten." "Das wär toll." "Gut, dann lassen Sie uns gehen. Aber erst werde ich die sicher verwahren." Er holte die Diskette aus dem Laptop und gab sie in seinen Aktenkoffer, den er dann unter das Bett schob. "Gehen wir!"

Mille Lacs Lake, 19:30

"Wow, jetzt haben wir alle 13 Rentner durch, zwei davon sind schon lange unter der Erde und das letzte Haus ist endlich das von Gracen." "Sieht wunderschön aus. In dem Spukhaus käme ich mir vor wie Ottisha Addams." "Scully, wenn wir mal verheiratet sind, dann kaufen wir uns auch so was!" "Ja, ja, träumen Sie nur weiter!" Dana drückte auf den Knopf der Sprechanlage, aus welcher sogleich eine Frauenstimme ertönte. "Ja?" "Mein Name ist Dana Scully, ich bin FBI - Agentin, und mein Partner, Fox Mulder, und ich möchten Mister Gracen nur ein paar Fragen stellen. Es wird auch nicht lange dauern." "Haben Sie denn einen Termin?" "Termin? Na hören Sie mal, braucht die Polizei bei einem Autor denn einen Termin?" "Nein, ist schon gut, kommen Sie herein!" Ein lauter Ton kam aus der Anlage und das schmiedeeiserne Eingangstor öffnete sich mit lautem Knarren. Dahinter erschien ein riesiges Anwesen, viel zu futuristisch für diese altertümliche Umgebung. Kohlrabenschwarz, rote Fensterrahmen. Vier Wände, in denen sich nicht mal die Addams Family wohl fühlen könnte. Als sie an der hohen Türe angelangt waren, wurde diese gleich geöffnet, und ein großgewachsener, schwarzhaariger junger Mann kam zum Vorschein. "Guten Tag, ich bin Thomas Gracen. Kommen Sie doch herein!" Nachdem die beiden eingetreten waren und ihre Mäntel an einem Haken in der Garderobe abgehängt hatten, begleiteten sie den freundlich lächelnden Autor in sein Wohnzimmer, wo sie sich mit ihm auf eine Couch setzten. "Möchten Sie etwas trinken?" "Nein, danke. Wir wollen Ihnen ja nur ein paar Fragen stellen, über diese Morde, die in den letzten zwei Jahren vorgefallen sind, hier in der Umgebung. Wird nicht lange dauern." "Wissen Sie, ich bekomme nur sehr selten Besuch, deshalb freue ich mich darüber besonders, daß Sie hier sind. Ich habe mich schon gewundert, was das FBI hiermit zu tun hat. Sheriff Hollow und seine Deputies haben doch damit zu tun, dachte ich jedenfalls." "Sie haben auch noch damit zu tun, nur wurden wir zu dem Fall hinzugezogen, weil man noch immer im Dunkeln tappt." "Aha, noch immer nicht. Ist ja interessant. Ich dachte, sie hätten den Mörder ja schon." "Davon ist mir und Agent Mulder nichts bekannt." "Vor einem Monat oder so, da haben die einen erschossen, den Mörder, wie in allen Zeitungen davon berichtet wurde. Dann hat es aufgehört, das Morden. Keiner wollte mehr davon wissen. Ich hab es von den Leuten hier erfahren. Einen Fernseher oder Radio habe ich nicht, das lenkt nur ab, aber die Leute reden gerne. Wissen Sie, jetzt brauche ich immer sehr viel Ruhe, denn ich schreibe an einem neuen Buch, das bald fertig werden wird. Und deshalb habe ich mich in letzter Zeit nur sehr selten außer Haus gewagt, aber dann das Wichtigste doch erfahren, über die Zeitungen und so." "Wir dachten nur, vielleicht könnten Sie etwas gesehen haben, letzte Nacht." "Warum das? Ich dachte, die hätten ihn." "Nein, der Mörder läuft noch frei herum, tötet weiter. Gestern Nacht hat er erneut zugeschlagen, wieder eine junge Frau, nicht weit von hier, im Wald. Er hat sie den Felsen hinunter gestoßen." "Sie nennen ihn den Rosenmörder, weil er der Toten eine Rose hinterläßt. Auch dieser?" "Ja, neben ihr lag eine Rose." "Dann ist er es also doch. Ich frage mich nur, wie lange das noch so weiter gehen soll. Diese Brutalität. Als ich es in der Zeitung gelesen habe, da konnte ich es nicht glauben. Ich würde Ihnen ja sehr gerne helfen, aber ich war gestern Nacht hier, habe geschrieben, aber nichts gehört. Nachts gehe ich außerdem nicht mehr außer Haus." "Sie sehen sehr müde aus. War es gestern denn eine lange Nacht?" "Wie man’s nimmt. Ich bin so um halb Zehn dann schlafen gegangen. Normalerweise gehe ich erst später schlafen, aber ich war ziemlich geschafft von der Versammlung gestern. Sie wissen schon." "Die Autoren Zusammenkunft in St. Paul?" "Ja, genau die." "Ich glaube, für’s Erste war es das mal. Danke für Ihre Hilfe, denn ob Sie es glauben oder nicht, Sie haben uns weiter geholfen." "War mir doch ein Vergnügen Agent Scully." "Gut, dann gehen wir jetzt mal wieder. Auf wiedersehen, Mister Gracen." "Auf wiedersehen Agent Mulder, Agent Scully." "Ach, ah...naja, könnten Sie vielleicht, wenn es Ihnen nichts ausmacht?" Dana hielt Gracen ein Buch hin. "Scully, wo bleiben Sie denn?" Fox war schon zur Tür hinaus und auf halben Weg zum Tor. "Mein Buch, äm, signieren?" "Aber gern. Wenn Sie möchten, dann spiele ich auch kleiner Spion und hör mich ein wenig in der Gegend um. Möglicherweise kann ich etwas für Sie in Erfahrung bringen. Ich will Ihnen ja helfen. Sie müssen diese Bestie finden." "Das werden wir schon noch, verlassen Sie sich darauf. Danke für Ihr Autogramm. Auf wiedersehen." Dana schlüpfte in ihren langen Mantel und verließ nun ebenfalls das schaurige Haus. Gracen stand noch da, sah ihr nach, bis sie schließlich zu Fox in den Wagen stieg, und dieser wegfuhr. "Nett." "Ich weiß nicht so recht, zu nett, wenn Sie mich fragen, aber ich glaube, er wollte nur seine Ruhe haben und uns deshalb schnell loswerden. Ist aber sauber, denke ich." "Ja, ich auch. Er macht einen eher schüchternen, kaum nervösen Eindruck, also glaube ich nicht, daß er etwas mit der Sache zu tun hat." "Wenigstens konnte er uns ein bißchen weiter helfen. Immerhin wissen wir jetzt, daß Hollow uns in noch einer Sache angelogen hat." "Der Mann, der von seinen Leuten erschossen worden ist?" "Genau. Und ich bin der Meinung, wir statten unserem Lügenfreund mal einen kleinen Besuch ab."

Sheriff Office, Superior, 20:10

Als Dana und Fox die Polizeistation betraten fiel ihr Blick sofort auf die Braunhaarige Frau, mittleren Alters, die sich hinter einem Computer ihre Fingernägel lackierte und die beiden kaum bemerkte. "Guten Abend, ist Sheriff Hollow hier?" "Was, wer? Scheiße, jetzt hab ich den Lack verschmiert! Zu wem wollen Sie?" "Sheriff Brad Hollow." "Der ist nicht da." "Und wann kommt er wieder?" Fox fiel es schwer noch freundlich zu klingen, aber er versuchte es zumindest. Die Frau in Uniform schob sich mit ihrem Drehsessel hinter dem Computer hervor, um sich die beiden genauer anzusehen, und kaute weiter an ihrem Kaugummi. "Der ist nicht da, oder sehen Sie ihn irgendwo? Ich nicht, also suchen Sie ihn woanders." Dana warf Fox einen genervten Blick zu, den er sogleich erwiderte. "Und wann kommt er zurück?" "Vor morgen früh sicherlich nicht. Der ist weg, auf irgend so’ner Konferenz für Schleierschwänze. War das alles?" "Ja, danke, und auf nimmer wiedersehen." Dann machten Dana und Fox so schnell sie konnten einen Abgang, und setzten sich zurück in den Wagen. "Wohin jetzt?" fragte Dana geschafft. "Ins Hotel zurück. Vor morgen werden wir nichts tun können. Vor allem aber müssen wir mehr über diesen Fall herausfinden, und Hollow scheint uns da gerade recht zu kommen." "Ich bin müde. Dieses ewige Herumlaufen, da und dann dorthin, hat mich echt geschafft." "Ach, wirklich?" Fox zog eine Hand vom Steuer und drehte seinen Kopf ein Stückchen zu Dana, um sie aus dem Augenwinkel betrachten zu können. Dann streichelte er über ihre Wange und lächelte: "Wir sind ja bald da, dann können sie sich ausruhen."

Bakerscour Hotel, 20:21

Im Flur standen Dana und Fox sich noch kurz gegenüber. "Ich werde mir noch die Diskette fertig ansehen. Vielleicht finde ich noch eine Information, bezüglich des Täters oder so." "Gut, und ich werde mein Buch weiterlesen." "Von Gracen?" "Jep." "Welches?" "Totengräbernacht." "Ist gut, hab ich auch. Sagen sie mal, was haben sie eigentlich noch so lange bei ihm gemacht?" "Och, nichts." Fox grapschte nach dem Buch, das sie in den Händen hielt. "He!" "Oh, klein Dana wollte ein Autogramm von ihrem Schatz? HA,ha,ha." "Das ist gemein, hören Sie auf mich auszulachen! Das ist fies, Mulder! Geben Sie mir mein Buch zurück!" "Holen Sie es sich doch!" Da er viel größer war als Dana konnte sie das Buch kaum erreichten, auch nicht wenn sie sich auf ihre Zehenspitzen stellte. Sie hopste wütend vor ihm hin und her, wobei sie versuchte ihr Buch wiederzubekommen. "Na los, hopp! Ja, Scully, Sie machen mich heiß!" "Mulder hören Sie auf, geben Sie das Buch her! Mulder!" Fox legte die andere Hand um ihre Taille und drückte Dana an seinen starken Oberkörper. Sein Gesicht näherte sich ihrem und fast schon, so berührten sich ihre Lippen, doch eben nur fast, denn dann mußte Fox wieder zu lachen anfangen. "Da haben Sie es wieder, Daaaanaaaa." hauchte er ihr ins Ohr und verschwand in seinem Hotelzimmer. Dana starrte verwirrte auf die Tür, welche die Nummer 12 hatte, dann wieder auf das Buch in ihren Händen. Das Hotel war nicht sehr groß, hatte nur wenige, dafür aber schön ausgestattete, Zimmer und ein recht freundliches Aussehen. Auch die ältere Dame an der Rezeption war sehr nett. Die Hotelzimmer erschienen einem wie kleine Apartments mit einer Küche, einem Fernseher und auch teilweise mit einem offenen Kamin. Sie waren gemütlich und warm, sehr passend zu einer so kalten und düsteren Jahreszeit. Dana zog ihre Schuhe aus, und spazierte ins Badezimmer. Eine heiße Dusche würde sie jetzt schnell wieder wärmen. In der Zwischenzeit hatte auch Fox sich für’s Bett fertig gemacht und arbeitete an der Akte weiter, doch war er im Gedanken ständig im Nebenzimmer. >>Jetzt schminkt sie ich ab, jetzt geht sie duschen, jetzt putzt sie ihre Zähne, und jetzt schlüpft sie womöglich gerade unter ihre Bettdecke. Scheiße, was habe ich denn jetzt gemacht? Ups, jetzt fehlt eine Datei.<< Fox schluckte mal kräftig und schaltete schnell den Laptop aus. Dann legte er sich auf sein Bett und überlegte, ob er nicht zu Dana gehen sollte, wo er ja doch nicht schlafen konnte. Nach ein paar Minuten beschloß er dann einen Tee zu kochen, vielleicht mochte Dana doch auch einen. Als dieser also fertig war, schnappte er sich die beiden Tassen und schlich sich aus dem Zimmer, geradewegs vor Danas. Er klopfte an. "Ja?" "Zimmerservice." "Was?" Dana wickelte sich aus ihrer Bettdecke wieder aus, um Fox die Tür zu öffnen. Verzwickt sah sie ihn an, zwei Tassen in seinen Händen. "Was haben Sie denn vor?" "Eigentlich hab ich mir nur gedacht, na, eben, ich wollt nicht so allein sein." "Ok, kommen Sie rein. Und die andere ist für mich?" "Mhm." "Lieb. Setzen Sie sich doch." Beide machten es sich auf Danas Bett gemütlich und nippten an den Tassen. Dana zitterte ein bißchen, da ihr Schlafanzug nicht gerade für Wintermonate gedacht war, und es trotzdem bei ihr zu Hause wärmer war. "Sie frieren ja." Fox stellte seine Tasse auf das Nachtkästchen und dann ihre. Er setzte sich ganz nah an Dana und legte seine Arme um sie, worauf sie sich dicht an ihn kuschelte und die Augen schloß. Plötzlich machte es draußen einen riesigen Krach, und das Licht ging aus. "Ha, was war das?" "Der Sturm hat wahrscheinlich eine Leitung kaputt gemacht. Soll ich nachsehen gehen?" "Nein, bleiben Sie hier." "Aber wissen Sie was, wenn wir jetzt kein Licht mehr haben, dann, das heißt ja, ich muß bei Ihnen übernachten. Ich meine, wie soll ich denn durch ihr Zimmer bis zur Tür gelangen, ohne mir etwas zu brechen." "Sie werden schon hinaus finden, da bin ich mir sicher, aber vielleicht will ich das nicht." Dana hob ihren Kopf und sah Fox an, oder besser wohl nur die Umrisse seiner Gestalt. "Wirklich?" "Ja, aber das ist keine Freikarte für Rumfummeln an mir. Klar? Wenn sie auch nur ein Mal versuchen mich zu begrapschen, dann können Sie was erleben, das vergessen Sie ihr Leben lang nicht mehr." "Ok, ok, ist ja gut. Keine Sorge, ich kann mich benehmen, obwohl das in unserem Fall wirklich höchste Disziplin erfordert." "Gut, dann krabbeln wir jetzt unter die Decke und wärmen uns. Alles Weitere strengstens verboten." "Ja, Eure Eminenz." "Ha, ha, sehr witzig." Dann krochen sie beide unter die Bettdecke und schmiegten sich aneinander. "Mulder?" "Ja." "Ich kann nicht einschlafen." "Augen zu und Schafezählen." "Geht nicht." "Ich werd Ihnen aber bestimmt nichts vorsingen." "Nein, oh Gott, alles bloß das nicht. ‘Shaft’ hat mir gereicht. Falscher ging es ja gar nicht. Also, da hab ich zum ersten Mal richtig bereut, daß ich Sie diesem Vampir, Ronny, nicht ausgeliefert hab." "Jetzt sind Sie aber gemein." "Mulder." "Ja." "Nehmen Sie ihre Hand von meinem Arsch!" "Ich tue überhaupt nichts. Das ist so ein Reflex. Dagegen kann ich nichts machen." "Weg mit der Hand, oder ich schmeiß Sie raus!" Ein Weilchen blieb es still. "Mulder!" "Ja, was hab ich denn jetzt schon wieder verbrochen?" "Hören Sie auf mich zu begrapschen!" Was? Ich begrapsche Sie?" "Mulder, nehmen Sie ihre Hände von meinem nicht vorhandenem Vorbau." "Ich wollte ja nur ihrem Puls messen." "Ja, bestimmt, weil man da den Puls mißt." "Ok, Herzschlag." "Muldeeeeer. Pfoten weg." "Wieso? Wo es Ihnen doch gefällt. Oder irre ich mich? Sie mögen es doch, wenn ich Sie streichele." "Wie kommen Sie auf diesen Mist." "Würde es Ihnen nicht gefallen, dann hätten Sie mir doch längst Eine reingehauen." "Wie denn, im Finstern." "Sie müßten sich doch nur an mir entlang tasten, bis zu meinem Gesicht." "Danke, kein Bedarf." "Scully." "Ja." "Ist es nicht komisch." "Was?" "Mit jemandem das Bett zu teilen. Ich meine, ohne mit ihm, na Sie wissen schon." "Ja, irgendwie schon. Aber noch merkwürdiger ist es doch mir Ihnen ein Bett zu teilen." "Worauf wollen Sie hinaus?" "Fünf Jahre sind vergangen und wir waren uns noch nie so nahe wie jetzt, auch wenn nichts zwischen uns passiert ist und passieren wird." "Warum sind Sie sich da so sicher, daß nichts passieren wird?" "Zu kompliziert. Eine Beziehung zweier FBI - Agenten hat doch keine Zukunft, und außerdem, würden Sie das denn wirklich wollen? Würden Sie eine Versetzung, oder eine Kündigung wirklich einfach so hinnehmen dafür. Ich weiß nicht, wie Sie das sehen, aber ich würde es nicht tun. Das ist mir einfach zu aussichtslos. Mulder? Ist dieser Idiot doch glatt eingeschlafen! Das gibt es doch gar nicht! Da will man ihm sein Herz ausschütten, und was macht er, pennt ein. Warum werd ich so gestraft? Gute Nacht, Mulder." Dana drückte sich noch fester an ihn, bis auch sie kurz darauf sich ebenfalls ihrer Müdigkeit beugen mußte.

Zimmer Nummer 13, 8:50

"Scully?" Als Fox seine Augen öffnete bemerkte er, daß das Bett leer war. Dana war nicht mehr hier, weder im Raum, noch anderswo im Hotelzimmer. Er streckte sich erst mal, sah dann auf seine Uhr und stieg aus dem Bett. Keine Nachricht, nichts, auch nicht am Küchentisch. Wo war sie bloß hingegangen? Auch egal, das würde er später herausfinden. Erst müßte er sich mal für den Tag fertig machen und die verlorengegangene Datei wieder finden. Schnell machte er das Bett und verschwand in seinem Zimmer.

Superior, Leichenhalle, 9:10

"Mulder." "He, wo zum Teufel noch mal sind Sie? Ich hab sie überall gesucht?" "Ich bin in der städtischen Leichenhalle und gerade bei der Obduktion der Toten. Es steht bereits fest wer sie war, und Brad ist auch bei mir, nicht direkt, meine ich. Ich habe mit ihm geredet, und er ist bereit uns alles zu erklären, aber nur uns beiden zusammen. Also müssen Sie bitte gleich herkommen. Brad ist rüber zum Polizeirevier und will dort etwas klären, das bestimmt länger dauern wird. Ich bin auf etwas gestoßen, daß Sie sich unbedingt ansehen müssen." "Gut, bin schon unterwegs. Wo ist das eigentlich?" "Sie können es nicht verfehlen, gleich neben der Polizei, ein Stück weiter, etwas abgelegen, außerhalb der Stadt. Sie finden es schon." "Gut, ich komme gleich." "Bye."

Etwas später in der Leichenhalle

Dana war gerade dabei ihre Ergebnisse auf Band zu sprechen, als Fox die Türe zum Obduktionsraum öffnete. "Na, hatten Sie denn schöne Träume?" "Wie soll ich sagen, ich bin schon seit fünf Uhr morgens hier und schnipple an der Toten rum. Der Sturm hat ständig an dem Fenster gerüttelt und mich aufgeweckt. Dann bin ich halt hierher und hab mir die Erlaubnis geholt, sie zu obduzieren. Ihr Name war Gina Frightwood, eine Psychologin an der St. Cloud’s Dreamstation." "Die Dreamstation, ist das nicht diese Klinik, wo besondere Fälle von Schlafstörungen behandelt werden?" Ja, und sie war eine hochqualifizierte Ärztin in der Klinik, hat auch dort gewohnt." "Jetzt bleibt nur noch die Frage, warum kommt sie einfach so nach Superior, ist doch ein ganz schönes Stück zu fahren, um hier später ermordet zu werden? Glauben Sie, daß sie ihren Mörder gekannt hat?" "Ich weiß nicht, vielleicht? Aber jetzt zu dem eigentlichen Grund, warum ich Sie angerufen hab. Sie werden nicht glauben, was ich gefunden habe." "Muß wohl ziemlich interessant sein, daß Sie sich bei mir wieder mal melden, nach vier schlimmen, kalten Stunden allein in ihrem Bett!" "Mulder, mir können Sie kein schlechtes Gewissen aufbrummen, jetzt zumindest nicht. Also, Sie haben ja in ihren Fäusten nur zwei Rosenblätter gefunden, wobei aber drei fehlten." "Und das dritte war in ihrem Mund, unter ihrer nicht mehr vorhandenen Zunge. Die Augen und die Zunge hat er entfernt." "Mulder, wieso wissen Sie das schon?" "Mir ging gestern Nacht eine Datei von der Diskette verloren, die ich heute wiederhergestellt habe. Zufällig waren da genau die Merkmale der ‘Rosen’ - so werden die toten Frauen hier im Allgemeinen genannt - aufgelistet, unter anderem auch das mit dem dritten Rosenblatt. Es war bei allen gleich." "Wirklich schlau, Foxxxxx." "Foxxxxxx? Was soll denn das wieder?" "Haben Sie sich nicht gestern darüber beschwert, daß Brad und ich uns mit dem Vornamen ansprechen? Also, Foxxxxx." "Oh, Scully, hören Sie auf damit!" Dana zog ihre Handschuhe aus und ging zum Waschbecken, um ihre Hände zu desinfizieren. "Wissen Sie, was ich glaube, Mulder? Ich glaube, Sie sind nur eifersüchtig auf Brad, weil er gleich so direkt auf mich zugekommen ist. Er versteht es eine Frau um den Finger zu wickeln, und das in sehr kurzer Zeit schon. Und deshalb können Sie ihn nicht leiden, weil er sich an mich herangemacht hat, was mir logischerweise doch auch recht gefällt. Sie fühlen sich ihm gegenüber zurückgestellt. Ist doch so, oder?" "Wie kommen Sie nur auf so einen Mist? Ich und eifersüchtig?" "Genau." Fox ging zu Dana, die smilend vor dem Waschbecken stand und sich gewaltig zusammennehmen mußte, um sich nicht über ihren Partner totzulachen. "Warum bitte sollte ich eifersüchtig sein? Hab nicht ich gestern mit Ihnen schlafen und Sie begrapschen dürfen?" "Na wohl eher neben und nicht mit mir, und begrapschen hab ich Ihnen nie erlaubt." "Habe ich aber, und es hat Ihnen gefallen." "Das stimmt doch gar nicht! Ich finde Sie außer pervers nur noch pervers, und daß Sie immer nur an das denken können, ist voll daneben!" "Ach was, gestern Nacht war Ihnen das aber wohl ziemlich egal. Ich weiß ja, was Sie eigentlich wollten." "Was denn?" "Sie und Ihr Moralischer, ohne den wären Sie echt nichts. Für Sie wäre ja schon ein Kuß zu intim. Ist doch so, oder?" "Nein, das ist nicht wahr." "Gut, dann beweisen Sie es mir, hier, jetzt gleich!" Fox riß Dana an sich, umfaßte mit einer Hand ihren Nacken, mit der anderen ihre Taille. Er drängte Dana bis an den Rand des Waschbeckens zurück, um ein Ausweichmanöver ihrerseits zu vermeiden. "Was...Mulder?" Da wurde die Türe aufgerissen und Brad stand plötzlich im Raum. "Ups, ich wollte nicht stören, äh, Gott ist das peinlich." sagte er verwundert, als er Dana und Fox eng umschlungen an das Becken gedrückt sah, nahe dem Kuß, der ihnen wieder mal verwehrt bleiben sollte. Fox ließ schnell von Dana ab, die gleich darauf erschrocken die Situation aufzuklären versuchte: "Nicht das, wonach es aussieht, Brad! Alles nur ein Mißverständnis, glaub mir." Dana wurde vor Verlegenheit ganz rot im Gesicht, und versuchte dies zu vertuschen, indem sie auf den grünen Fliesenboden starrte. Enttäuscht sah Fox sie an und meinte dann: "Ein Mißverständnis, das bin ich also für Sie? Ein Mißverständnis?" >>Warum tust Du mir nur so weh? Wo ich Dich doch...<< "Ja, Sheriff. Sie wollten doch mit uns reden, über die Morde, den Täter. Schießen Sie los!" "Wir sind mit unserer Weisheit am Ende. Alles, was wir versucht haben ging schief. Wir haben nichts außer einem Haufen Rosen, junger toter Frauen und unfähiger Deputies angeführt von einem noch unfähigeren Sheriff. Ich bin dem hier nicht mehr gewachsen. Ich war ein guter Sheriff mit guten Leuten. Aber jetzt gebührt mir dieser Titel und dieser Stern nicht mehr, seit zwei Jahren jedenfalls nicht. Wir wissen einfach nicht mehr weiter. Er tötet in der Nacht, nur in den Wintermonaten. Keine Zeugen, keine Hinweise, das einzige, das er hinterläßt sind die Rosen, und die bestialische Mordweise, mit der er uns in Angst und Schrecken versetzt. Wir wissen nicht wer, warum und wieso gerade diese Rosen, rot, langstielig, nur zur Winterszeit. Für mich und meine Leute ist es aussichtslos." "Und der Erschossene?" "Eine Zeitungsente, erfunden von meiner Wenigkeit." "Gerissen, wirklich, daß muß man Ihnen schon lassen." "Warten Sie mal, sagten Sie nicht, vor zwei Jahren hat alles angefangen. Ist da nicht die Dreamstation eröffnet worden, drüben, in St. Cloud?" "Ja, Dana, in St. Cloud. Aber worauf wollen Sie hinaus?" "Vielleicht hat es mit der Dreamstation zu tun, Scully. Das ist es!" "Ja, die letzte Tote, Gina Frightwood, die hat doch dort gearbeitet." "Was, wenn sie dort auf ihren Mörder getroffen ist?" "Hohlen Sie Ihren Mantel, Scully, Sie auch Hollow! Wir machen einen kleinen Trip nach St. Cloud."

St. Cloud Dreamstation, 11:38

"Agent Mulder, Agent Scully und ich bin Sheriff Hollow. Wir würden gerne mit Doktor Coleland sprechen. Es wäre sehr dringend." "Ich muß Sie leider enttäuschen, aber Doktor Coleland ist heute Morgen nach New York gelogen. Er kommt erst in einer Woche wieder zurück. Soll ich ihm etwas ausrichten? "Nein, ist schon in Ordnung. Wir versuchen es ein andern Mal. Schönen Tag noch, Miß." Sobald Fox diesen Satz fertig gesprochen hatte, deutete er Dana und Hollow, sie sollten ihm sogleich folgen. Als sie schließlich aus dem Gebäude waren, sagte er dann: "Keine Sorge, ich habe, was wir brauchen." "Was?" "Die würden uns doch nie im Leben etwas über ihre Angestellten sagen und erst recht nicht über ihre Patienten. Die Dreamstation arbeitet doch hoch geheim, experimentiert mit Sachen herum, die unseren Horizont, sogar Ihren, Scully, überschreiten. Aber ratet mal, was die gerade in den Computer getippt hat, als wir zu ihr gekommen sind, das Kennwort für die Personalakten. Und wer hat sich das gemerkt?" "Sie sind ein Genie, Mulder." "Nein, ein Mißverständnis, oder?" entgegnete Fox ihr provozierend. "Mulder, jetzt warten Sie doch mal!" Aber Fox stieg in den Wagen, wollte nicht hören, was sie zu sagen hatte, wo sie ihn doch vor kurzem noch so sehr mit ihren Worten verletzt hatte. Nachdem schließlich alle drei wieder im Auto saßen herrschte Stille, unendliche Stille, bis sie wieder in Superior angelangt waren.

Superior, Sheriff Office, 14:11

"Gut, wir sehen uns dann später. Ich erwarte noch einen wichtigen Anruf." "Bye, Brad, bis heut Abend dann." "Ja, ich freue mich schon darauf." "Bis heut Abend? Was soll das denn heißen?" "Ich habe mich mit Brad verabredet, heute Morgen in der Leichenhalle. Darf ich denn nicht ausgehen? Oder will mein Gebieter, daß ich nur ihm 24 Stunden ganz zur Verfügung stehe?" "Scully, Sie wissen wohl nicht, wann es genug ist. Ha?" "Wie meinen Sie das?" "Sie haben ja keine Ahnung, daß Sie..." "Was? Was mache ich denn?" "Ach, vergessen Sie’s." "Nein, das will ich jetzt erfahren!" Dana sah Fox an, versuchte seinen Blickkontakt zu erlangen, obwohl er sich auf die Fahrbahn konzentrieren mußte. "Hab ich Sie verletzt? Ist es das? Ich habe das doch nur wegen Brad gesagt. Das meinte ich nicht so." "Ja, Brad hin, Brad her, immer nur Brad. Ist ein Wunder, daß Sie mit mir überhaupt noch reden. Gestern Nacht, das war, so als gäbe es nur uns beide, als würden Sie etwas für mich empfinden. Aber scheinbar habe ich mich da getäuscht." "Mulder, jetzt laufen Sie doch nicht weg!" Die ältere Dame an der Rezeption lächelte die beiden an, ließ einen leichten Seufzer, als sie die Spannung zwischen ihnen bemerkte und meinte dann: "12 und 13, stimmt’s?" Fox war schon zur Treppe gegangen, als die Frau Dana an den Arm faßte und ihr zuzwinkerte: "Das geht schon wieder vorbei. So sind sie immer, war meiner auch, bevor wir geheiratet haben." "Aber wir sind kein..." "Ja, Schätzchen, und an Heilig Abend zwängt sich Santa Claus durch den Rauchfang." Sie konnte Dana nun doch noch ein leichtes Lächeln auf die Lippen zaubern. "Das legt sich bald. Glaub mir, ich kenne das nur zu gut. Und jetzt geh ihm nach, bevor er noch das Schlüsselloch kaputt macht, weil er so wütend ist, daß er den Schlüssel nicht reinbekommt." Jetzt mußte Dana doch wirklich lachen, hatte Cybille diese seltene Gabe Menschen wieder fröhlich zu machen, egal wie traurig sie auch waren. Nachdem Dana dann ebenfalls die Holztreppen hinauf in den zweiten Stock verschwunden war, sagte die grauhaarige Frau zu sich selbst: "Diese Kinder. Wo die Liebe hinfällt." Dann machte sie sich weiter an die Arbeit ihre Finanzen zu kontrollieren.

"Mulder! Hey." Dana war schon nahe daran in schallendes Gelächter zu fallen, als sie Fox zusah, wie er Mühe hatte den Schlüssel in die dafür vorgesehene Öffnung zu stecken, genau so, wie es Mrs. Johnson vorhergesagt hatte. "Mistding!" "Lassen Sie mich das machen. So, schon offen." Fox ging in sein Zimmer, warf den Mantel auf’s Bett und stellte sich ans Fenster, um nur nicht Dana ansehen zu müssen. "Sie glauben wohl, daß es selbstverständlich ist so wie ich Sie behandle?" "Nein, Mulder, das ist es nicht. Es ist nicht selbstverständlich, was Sie für mich tun. Das hat noch nie jemand getan. Noch nie hat mich jemand so geschätzt wie Sie. Das ist keinesfalls selbstverständlich für einen Agenten, seiner Partnerin so viel Respekt entgegen zu bringen, sie in den Arm zu nehmen, wenn es ihr schlecht geht." "Gehen Sie, bitte! Lassen Sie mich allein!" Verständnislos blickte Dana ihn an, erschreckt, über das, was er gerade von ihr verlangt hatte, zu gehen, einfach so. Sie hatte solch eine Antwort nicht erwartet, stand nur da, wußte nichts zu sagen, ihm entgegenzubringen. "Bitte, lassen Sie mich jetzt in Ruhe." "Aber..." Danas Atem wurde schwerer. Sie spürte, wie etwas ihr die Luft zum Amten nahm, sie ersticken ließ, seine Worte, die sie quälten. "Jetzt tun Sie mir aber weh." "Raus. Ich sagte raus. Was machen Sie noch hier? Gehen Sie doch zu Braaaad, diesem Schleimer! Er ist ja so unglaublich aufgeschlossen Ihnen gegenüber." "Wie können Sie nur so..." "RAUS!!!" Mit gesenktem Kopf ging sie auf den Gang und knallte die Türe hinter sich zu, dann die ihres Zimmers. Während Dana sich an ihrem Gracen - Bestseller zu schaffen machte, hackte sich Fox in den Hauptcomputer der Dreamstation. >Das gibt es ja nicht. Nichts, absolut nichts. Und ich war so naiv zu glauben, da hätten wir eine Spur. Moment mal. Was??? Das gibt es nicht.<

Zimmer 13, 14:52

"Scully, machen Sie die Tür auf!" "Wieso, wollen Sie denn schleimen kommen, so wie Brad?" "Ich bin aus beruflichen Gründen hier, klar. Ich hab einen Hinweis. Es wird Sie interessieren, und zwar verdammt." Dana sperrte schließlich auf und ließ ihren Partner herein, da sie wohl oder übel keine Wahl hatte. "Und was haben Sie?" "Raten Sie mal wer in Behandlung war, in der Dreamstation." "Wer?" "Thomas Gracen. Es kommt noch besser. Seine Psychologin war...?" "Gina Frightwood?" "Bingo. Ich schätze, wir sollten unserem Freundchen einen Besuch abstatten." "Ich bin gleich fertig, zieh mir nur was Warmes an. Warten Sie solange hier." "Ja."

Thomas Gracens Villa, 15:31

"Agent Scully und Mulder. Wir möchten gerne noch einmal mit Mister Gracen sprechen." "Einen Moment." "Drrrrrrr" und das große Tor öffnete sich. "Nach Ihnen." Sagte Mulder, wobei er das Anwesen keine Minute aus den Augen ließ. Etwas stimmte damit nicht. War es doch so unwirklich, wie Gracen selbst, als würde er nicht leben und sein Anwesen nicht existieren.

"Tet, was will die Polizei schon wieder hier? Hat es etwas mit Dir zu tun." "Sei still, Madeline. Ich weiß nicht, was die wollen. Und Du gehst jetzt wieder zurück nach oben." Sogleich leistete Gracens Hausmädchen seinem Wunsch Folge und begab sich nach oben, während Gracen Fox und Dana die Türe öffnete. "Was führt Sie denn zu mir? Haben Sie den Mörder schon?" "Nein, Sir, das haben wir nicht, aber es gibt da ein paar Ungereimtheiten." "Setzen Sie sich bitte." "Nein, wir bleiben nicht lange. Wir möchten nur gerne wissen, ob Sie diese Frau auf dem Bild wiedererkennen." "Nein, tut mir Leid, aber ich habe sie noch nie zuvor gesehen. Ich wünschte, ich könnte Ihnen helfen." Fox warf einen allessagenden Blick Dana zu, die nur leicht nickte. Dann steckte er das Bild wieder in die Tasche. Dana blickte auf einen kleinen Tisch im Vorraum, auf welchem ein Stapel Papier lag, darauf Sätze, mit roter Tinte geschrieben. Daneben stand eine Vase mit roten, langstieligen Rosen darin. "Ihr Buch?" Dana machte eine Kopfbewegung in Richtung des Kästchens. "Ja, mein neues Buch." "Ist es denn bald fertig?" "Nein, noch nicht, erst müssen noch ein paar Morde geschehen, dann kann ich es abschließen, wobei der Mörder sterben wird." "Wird er denn sterben? In den anderen Büchern wird er immer nur festgenommen oder kommt frei. Warum möchten Sie eine alte Gewohnheit denn ändern?" "Das Leben ist ein Meer, und ohne Wellen der Erneuerung kann es nicht existieren." "Das Leben ist doch nur ein Meer aus blutiger Schönheit, Tod und Rosen." fügte Fox hinzu, wobei er gespannt darauf wartete, wie Gracen nun reagieren würde. Fehltritt. "Ach, so könnte man es dann auch nennen." lachte Gracen, seinen Blick jedoch immer auf Dana gerichtet. "Mögen Sie Rosen, Agent Scully?" "Ich liebe Sie." Gracen ging zum Kästchen und nahm eine Rose aus der Vase, die er ihr mit den Worten "Schönheit ziert Schönheit" reichte. "Danke." "Also, wir müssen jetzt los, Scully." "Auf wiedersehen." "Das werden wir, bestimmt." Fox nahm Danas Hand zärtlich in seine und zog sie zur Tür hinaus. Bevor diese sich hinter ihnen schloß, drehte Dana sich noch einmal um und sah in Gracens fast schwarze Augen, die sie noch immer erregt anfunkelten, ein dämonisches Lachen auf seinen Lippen.

"Mulder." "Was?" "Ich glaube, Sie können meine Hand jetzt wieder loslassen." "Oh, ah, ja." "Warum", Dana betrachtete die Rose den Weg bis zum Auto, "sagt er, er kenne seine Psychologin nicht? Da ist doch was faul. Was halten Sie davon?" "Ich weiß nicht, er benimmt sich zwar seltsam, aber wir haben keine Beweise, daß er es getan hat." "Und das Buch. Toller Titel für die Morde, ‘Blutende Rosen’." "Ja, das dachte ich mir auch schon. Und die Rosen, langstielig, rot. Aber es stimmt da etwas nicht. Etwas paßt nicht in dieses Puzzle." "Das fühle ich auch. Irgendetwas, aber weiß ich nicht was es ist." "Ja, das Problem habe ich auch." Sie stiegen beide zurück in den Wagen und wollten gerade wegfahren, als Dana bemerkte: "Mulder, sehen Sie, die Frau da oben am Fenster." "Seine Ehefrau, Geliebte, oder so?" "Weiß nicht, aber vielleicht hat sie eine Ahnung, was hier gespielt wird." "Möglicherweise. Ich habe heute morgen in der Zeitung gelesen, daß Gracen heute eine Vorlesung hat, im ‘Hulshire’. Sie ist am Abend, was bedeutet, er wird länger nicht nach Hause kommen." "Was wollen Sie damit sagen?...Nein, nicht schon wieder ein Einbruch. Mulder, wir werden noch zu richtigen Kriminellen." "Sie sind doch auch scharf drauf zu erfahren, was so alles im ‘Blutende Rosen’ so drinnen steht. Oder irre ich mich da?" "Und die Frau am Fenster?" "Über die bring ich noch etwas in Erfahrung." "Mulder, aber Brad und ich wollten doch zusammen essen gehen." "Was ist Ihnen wichtiger, einen Mörder zu überführen und Anerkennung zu kassieren, oder sich mit Brad darüber unterhalten, wie er in seiner High School Zeit seine Pickel losgeworden ist?" Eigentlich hätte Fox lieber gesagt "Wer ist Ihnen wichtiger, er oder ich?", aber brachte es dann doch nicht über seine Lippen. "Ok, ich werd absagen, aber nur dieses eine Mal. Daß das klar ist. Und hören Sie gefälligst auf so schadenfroh zu grinsen, denn noch habe ich Brad nicht angerufen!" "Ok, ok. Ich hör ja schon auf." Fox griff nach Danas Hand, strich über ihre Finger, während der Wagen auf die Hauptstraße nach Superior bog. "Sorry, ich hab wohl überreagiert. Aber jetzt sind wir wieder quitt. Sie haben mir weh getan und ich Ihnen." Immer wieder sah er kurz zu Dana, erwartete eine Antwort. "Sehen Sie auf die Straße! Ich will nicht schuld sein, wenn Sie einen Unfall bauen." "Und, sind wir quitt?" Dana sah aus dem Fenster, wich jedoch seinen Worten dadurch nicht aus und erwiderte: "Ja, in Ordnung. Ich hasse es ohnehin mit Ihnen zu streiten." "Ob Sie’s glauben oder nicht, ich auch. Und wegen dem verpatzen Date mit Brad, würden Sie sich auch mit mir und einer Pizza zufrieden geben?" "Ich weiß nicht, kommt ganz auf die Pizza an."

Zimmer 12, 20:13

"Mulder." "Hihi. Was denn?" "Ich glaube, wir hätten die Flasche Wodka lieber nicht kaufen sollen, ich meine s-saufen. M-mir ist schlecht." Fox lag völlig fertig am Boden neben dem Bett, auf welchem Dana lag. "Wir müssen heute noch wo einbrechen." "Hicks, jaaaaa." "Wenn Ihnen...ssschlecht ist, dann hätten Sie halt nicht so viel von der Pizza verdrücken sollen!" "Ich hatte eben Hunger. Und Sie sind sternnagelvoll!" "Ich??? Na Sie müssen da gerade reden. Kippen die halbe Flasche und singen schon." "Ich hab nicht gesungen." "Nein, Sie doch nicht. Und was war mit ‘Where The Wild Roses Grow’?" "Reden Sie keinen Scheiß, Sie haben ja auch gesungen, und Nick Cave kann das bei Weitem besser, als Sie." "Eine Kylie Minogue sind Sie aber auch nicht!" "Wer macht jetzt eigentlich den Kaffee? Wir müssen ja wieder runter kommen, damit wir dann Graccccens Büchlein kopieren können." "Ach ja, die Alte am Fenster war sein Hausmädchen, das ab neun dann Feierabend hat." "Mulder, halten Sie endlich die Klappe. Das sagen Sie mir jetzt schon zum elften Mal." "Nein, das ist eine Lüge." "Ich hab es gezählt! Hicks." "Guter alter Wodka. Viva la Russia! Hicks."

Thomas Gracens Villa, 21:23

"Wie ich gesagt hab, da ist niemand mehr im Haus. Geben Sie mir das Brecheisen." "Nicht mit Gewalt, bitt..." Dana zuckte zusammen, als Fox beinahe das Fenster zertrümmerte. Dann kroch er durch die Öffnung und half anschließend Dana hindurch. "Ist hier drinnen ein Kopierer?...Aha, da steht ja einer." "Mann, haben wir auch ein Glück heute!" "Hören Sie auf zu meckern, das ist unser Glückstag. Helfen Sie mir lieber!" "Gott, hören Sie sich das mal an! ‘...Und er beugte sich über sie, stieß das Messer in ihren Mund und schnitt ihr die Zunge heraus...’ Mulder, das ist..." "Sie sollen es kopieren, nicht lesen! Das können wir nachher ja machen. Ich frage Sie, da Sie ja Ärztin sind, welche Art von Schlafstörung könnte er denn haben, wenn in der Akte steht, daß er an einer ‘komatösen Shizodormie’ leidet?" "Das Wort habe ich noch nie in meiner ganzen Laufbahn gehört. Aber ‘dormio’ heißt im Lateinischen ‘schlafen’. Wenn Sie mich fragen, könnte das viel bedeuten, beispielsweise vielleicht eine Persönlichkeisspaltung, die durch Träume verursacht wird, oder so etwas in der Art." "Wäre das denn möglich?" "Das kann ich zwar nicht mit Bestimmtheit sagen, aber ich denke schon." "Und was hat das ‘komatös’ zu bedeuten?" "Da bin ich wirklich auch überfragt. Was stand da eigentlich noch?" "Er wurde im November 96 zum ersten Mal behandelt, mit einem neuartigen Medikament, das ‘Tystotorin’ heißt. Es soll Schlafstörungen auf Dauer beseitigen. Ist an Gracen damals zum ersten Mal getestet worden. Er hat da freiwillig mitgemacht. Da stand aber auch noch etwas von Nebenwirkungen." "Die wären?" "Nasenbluten, starke Kopfschmerzen, bis teilweise Gedächtnisverlust und Veränderung der Persönlichkeit." "Mehr stand da nicht?" "Nein, außer, daß er ohne das Mittel nicht mehr schlafen, geschweige denn leben kann." "Es zerstört ihn also." "Ja, aber ich glaube, die haben ihm das verschwiegen." "Wissen Sie, wir waren jetzt ja schon zwei Mal hier, und jedes Mal habe ich mich gefragt, was wohl in dem Wintergarten hinterm Haus ist." "Ich mach das hier fertig, gehen Sie nachsehen." "Gut." Dann stieg Dana wieder durch das Fenster und lief zur Rückseite der Villa. Aufgrund des milchigen Glases des kleinen Häuschens konnte man nur wenig erkennen, also ging Dana herum, um eine kleine Öffnung, ein Fenster oder Ähnliches zu finden. Vergebens. Da war nichts und die Tür verriegelt. Trotz der Dunkelheit aber glaubte Dana etwas erkennen zu können, etwas Rotes. Rosen? Hatte Thomas Gracen wirklich Rosen in seinem Wintergarten, langstielige, rote? "Mulder, kommen Sie her!" Dana sah, wie Fox im Laufschritt zu ihr eilte, die Kopien in der einen, die Taschenlampe in der anderen Hand. "Wir müssen hier weg. Sofort. Gracen ist im Anmarsch. Kommen Sie!" "Erst will ich ihre Meinung. Sind das Rosen?" "Wo?" "Da drinnen? Rosen? Sind es Rosen?" Fox ging näher, versuchte in der Finsternis die roten Blüten zu erkennen. "Gott, Scully, das sind Rosen. Kommen Sie jetzt, wir müssen weg!" Er packte sie an der Hand und riß sie mit sich. "Autsch, Mulder, warten Sie, nicht so schnell!" Sie rannten bis zum Ufer des Sees. Als sie außer Sichtweite waren machten sie eine kurze Verschnaufpause. "Alles in Ordnung, Scully?" "Ja. Ich bin ok." "Dort steht ohnehin gleich der Wagen."

Als sie schließlich wieder auf dem Weg zu ihrem Hotel waren begann Dana plötzlich zu lachen. "Was ist denn auf einmal in Sie gefahren?" "Das müssen wir echt öfter machen! Ist das cool! Total aufregend etwas Verbotenes, Strafbares zu machen." "Besser als ein langweiliges Date mit Brad?" "Hahahaha." "Hahahaha."

 

 

Bakerscour Hotel, 23:10

"Wir teilen uns das Zeug am besten auf. Sie eine Hälfte, ich eine. Es ist ja ziemlich viel und hell." "Geben Sie mir den ersten Teil!" "Da haben Sie. Schlafen Sie gut und träumen was Schönes." Dana überlegte nicht lange, streckte ihre Arme aus und schlang die um Mulder. Mit seinen strich er an ihrem Kopf und Rücken auf und ab, und flüsterte in ihren roten Wuschelkopf: "Wenn ich Sie habe bin ich glücklich, nur dann." Danach verschwanden sie beide hinter ihren Zimmertüren.

Gracen Villa, 23:40

Der Wind peitschte die Äste der Bäume gegen das Schlafzimmerfenster, hinter welchem sich der Raum befand, in dem Thomas Gracen jetzt seine Traumphase erreichte. Und schon erschienen von seinem Gehirn produzierte Bilder, die sich langsam zu einer Geschichte verstrickten, die Gracen tief in sich sog...

Er zog sich an, ging aus dem Schlafzimmer, hinaus, öffnete die Türe zum Wintergarten. Darin, an einen Stuhl gefesselt, blutüberströmt, saß eine junge rothaarige Frau, Eve Barten, der er in der vorigen Nacht einen Rosenstrauß vor ihre Tür gelegt hatte. Sie trug das schwarze Kleid, das er allen vor ihr ebenfalls gekauft hatte. Sie alle trugen es, alle Rosen mußten schwarz tragen. Schwarzes Kleid, weiße Haut, rotes Blut. "Schönheit ziert Schönheit. Ein Kunstwerk malt das andere. Heut laß ich Dich frei, meine wilde Rose, lauf. Lauf, meine Schöne, lauf, solange Du kannst! Lauf weg vor mir, flieh, bevor Dich das Böse erfaßt, das Du nicht siehst, zu dem Du nicht sprichst!" Er löste die Fesseln, die ihr schon ins Fleisch geschnitten hatten, und öffnete ihr die Tür. "So gehe, lauf, lauf, schenk ich Dir die Freiheit." Die Frau hatte schreckliche Angst, erhob sich dann doch noch, verdrängte die starken Schmerzen, die er ihr in der vergangenen Nacht zugefügt hatte. Hätte sie gewußt, daß die Rosen, die Einladung und das Kleid nicht von ihrem Liebsten waren, dann wäre ihr dieser Fehler nie passiert. Er hatte auf sie gewartet, betäubt und in den Wintergarten gesperrt. Gefoltert, mit den spitzen Dornen seiner zierlichen Rosen, die er seit zwei Jahren schon züchtete. Eve rannte aus dem Wintergarten, so schnell sie noch konnte, hinaus in die Nacht, rief um Hilfe, doch wurde sie nicht erhört. Langsam ging er ihr nach, wußte, sie würde nicht weit kommen, könnte es nicht. Er hielt jetzt ein Messer in der Hand, blutig von den Schnittwunden, die er seinem Opfer zugefügt hatte. Am Ufer des Flusses stolperte sie dann. Er beugte sich über sie, drückte ihren halbnackten, zitternden Körper auf die kalten Steine. Dann hob er das Messer - nur das Rauschen des Wassers war zu hören - und stach auf sie ein, drei Mal. Als er mit ihr fertig war - das Du nicht siehst, zu dem Du nicht sprichst - auch die Augen und Zunge herausgeschnitten, riß er drei Blätter von der Rose ab, die für sie bestimmt war, und legte jeweils eines in ihre Hände, ballte diese zu Fäusten, und öffnete dann ihren Mund, um dort das dritte zu plazieren. Er schloß mit einer Hand ihre Lider und sagte dann, bevor er sich vom Boden aufraffte und zurück zum Haus ging: "Deine Schönheit wehrt jetzt ewig, ewig schön, meine Rose."

 

Gracen Villa, 8:02

Als Thomas Gracens Hausmädchen ins Zimmer kam um ihn zu wecken erschrak sie. "Thomas, was ist mit Dir? Was ist los?" Er lag nur da, geöffnet seine Augen, schien aber die zierliche Blondine nicht wahrzunehmen. "Thomas, oh Gott, was ist nur?" Sie beugte sich geschockt über ihn, da packte er sie an der Schulter, rüttelte sie und schrie: "Die Pillen, die - die Pillen, schnellllll!" Sie riß sich von ihm los, durchwühlte die Schublade nach dem brauen Gefäß. Endlich, da war es. "G-giiib, gibbb!" Er griff nach dem Fläschchen, leerte den gesamten Inhalt in seinen Rachen, zehn bis zwanzig roter Pillen. "Huuuuuu, huuuuuuuu." Krampfhaft atmete er, krallte sich mit seinen Fingern in das Laken. "Madeline. Maddd...huuu." "Was ist mit Dir Schatz, was hast Du nur? Hört das denn nie auf?" Madeline begann zu weinen. "Diese N-Nacht war es ganz schlimm." "Hast Du wieder vom Mörder geträumt?" "Ja, er hat sie getötet, Eve. Eve Barton, sie ist tot! Er hat sie umgebracht." "Wir sollten zur Polizei..." "Nein, kommt gar nicht in Frage! Keine Polizei, die halten mich dann für den Mörder. Verdammt, Madeline, ich war der Mörder."

Zimmer 13, zur selben Zeit

"Ahhhhh." Dana gähnte und streckte sich erst mal, bevor sie sich dann dazu bewegte aufzustehen. Es war ein schöner, sonniger Tag, viel wärmer als die letzten Wochen. Die Sonne blinzelte zwischen den Wolken hindurch und berührte Danas Gesicht, als sie die Vorhänge zurückzog. Auf der Straße tummelten sich einige Menschen mit Hüten, Mützen und Körben in ihren Händen, so viele Einkaufstaschen auf einmal. Sie sahen fast lustig aus, wie sie herum huschten, um ja noch rechtzeitig Weihnachtsgeschenke für ihre Liebsten zu besorgen. Verrückt, dachte Dana, aber dann fiel ihr plötzlich ein, daß sie doch auch schon ein Weihnachtsgeschenk gekauft hatte, das für Fox. Eine Kette, genauer gesagt eine Kette mit einem goldenen Medaillon, in Herzform. Es war zierlich und sehr nett anzuschauen. Schnell steckte sie es wieder zurück in das kleine Schächtelchen, aus dem sie es zuvor genommen hatte. Noch war ja nicht Weihnachten, und sollte er sein Geschenk vorher doch nicht sehen. Auch er war jetzt aufgewacht, zog die Vorhänge zurück und atmete die frische Winterluft ein, die durchs offene Fenster strömte. Für einen kurzen Moment schloß er die Augen, da die Sonnenstrahlen ihn blendeten, und dachte an nichts. Dann ging er ins Badezimmer.

Mille Lacs Lake, 9:48

"Laßt sie noch liegen, Jungs. Ich verständige die beiden FBI - Agenten." Sheriff Hollow holte sein Handy aus der Tasche und wählte Danas Nummer. Zwei Mal machte ein "tüt" in der Leitung, bis sich dann endlich eine Frauenstimme meldete. "Ja?" "Dana? Ich bin’s, Brad. Ich habe keine guten Nachrichten. Wir haben die nächste Leiche gefunden im Mille Lacs. Ein altes Ehepaar hat sie bei einem Morgenspaziergang vor einer halben Stunde entdeckt. Ihr Kleid hatte sich an den Sträuchern verfangen, deshalb ist sie nicht weiter weggetrieben." "Wir kommen sofort!"

Zimmer 13, 9:50

Dana warf das ‘Blutende Rosen - Skript’ auf ihr Bett und eilte hinüber in Fox’ Zimmer, der ebenfalls am lesen des zweiten Teils war. "Scully, das Buch ist die totale Mordanleitung. Da sind Details drinnen, die nur der Mörder wissen könnte." "Sie haben noch Eine gefunden. Sie trieb im Mille Lacs Lake." "Verdammt." "Jetzt kommen Sie schon." "Los, gehen wir."

Am Ufer des Mille Lacs etwas später

"Name? Weiß man wer sie war?" "Ja, wer hier kannte Eve Barton nicht. Sie hat in der Bäckerei gearbeitet, eine nette, vor allem hilfsbereite Frau. Ich kann selbst nicht verstehen, wie jemand so etwas tun kann." "Brad, Sie haben uns noch etwas verschwiegen, ein kleines Detail." "Und das wäre?" "Die Drei." "Welche Drei?" "Ja, welche Drei, Scully?" "Die drei Tage. Aber nicht nur das. Es sind drei Rosenblätter, bei jeder gleich. Es ist ein Rätsel. Er spielt mit uns. Er will sogar, daß wir es lösen. Die drei Tage, Blätter, damit weist er auf etwas hin, auf drei Mordabstände. Erst beobachtet er sie. Er braucht einen guten Zeitpunkt um sie zu treffen, dann zu betäuben - alle waren das. Er wählt seine Opfer gut, beobachtet sie, einen Tag, da er es in drei - Tage - Abständen durchführt. Er weiß, er ist schlau, so schlau, daß wir ihn nicht schnappen." "Wir glauben es ist Gracen." "Tet, niemals. Er doch nicht. Der kann nicht einmal einer Fliege was zu Leide tun, geschweige denn so bestialisch morden." "Er betäubt sie also, entführt sie, tötet sie in der dritten Nacht. Aber warum das Ganze?" "Vielleicht weil er eine ‘komatöse Shizodormie’ hat?" "Wir haben keine Beweise, Mulder. Nichts, das darauf hinweisen könnte, daß er es war." "Und das Skript?" "Mulder, wir haben es doch...hm." "Da haben Sie leider recht. Auch kein Beweis." "Ich werde an ihr eine Autopsie durchführen. Ist das in Ordnung, Brad?" "Ja, ich werde das erledigen." "Gut, warten wir ab, denn vielleicht bringt das uns etwas weiter. Wann war eigentlich Todeseintritt." "Murry, wann?" rief Hollow einem seiner Leute zu, einem kleinen rundlichen Mann mit kurzem, blondem Haar. "So gegen halb zwölf." "Danke. Also halb zwölf." "Scully, sind Sie nicht auch der Meinung, wir sollten unseren Lieblingsautor mal fragen, wo er letzte Nacht war, so gegen Zwölf?"

Gracen Villa, 10:38

"Tet, sag mir, bist Du es gewesen?" "Was soll denn diese blöde Frage?" "Teddy, ich will eine Antwort." "Traust Du es mir denn zu?" "Ich war unten am See, hab mich hinter den Bäumen versteckt und die Polizisten reden hören. Alles ist genauso passiert, wie Du es mir erzählt hast. Tet, verdammt, woher weißt Du es so genau?" "Ich brauche neue Pillen. Ruf die Dreamstation an und sag, sie sollen mir sofort neue überbringen lassen. Tu es endlich!" "Du machst mir Angst, Liebling. Ich habe Angst, aber nicht, daß Du es warst, sondern um Dich. Dieses Medikament wird Dich noch umbringen. Hör auf es zu nehmen, ich bitte Dich!" "Das geht jetzt nicht mehr." "Aber Du hast diese Träume doch erst seitdem Du es nimmst." "Ich sterbe ohne das Tystotorin. Also ruf an, verdammt noch mal!" "Gut, es ist Deine Entscheidung, aber ich will Dich nicht verlieren." "Ruf an!" Madeline begann erneut zu weinen, ging jedoch zum Telefon, um ihm den Gefallen zu tun. "Bitte, schicken Sie es so schnell sie können, es geht ihm immer schlechter." "Ich werde sofort Doktor Coleland in New York verständigen." "Er darf die Pillen auf keinen Fall auf den Markt bringen. Sie zerstören Thomas, hören Sie! Sie töten ihn." "Ich werde es ihm sofort mitteilen und Ihnen das Medikament überbringen, persönlich. Sie wissen, es ist geheim. Er muß aber in die Dreamstation mitkommen damit wir ihn behandeln können. Wir müssen neue Tests machen, um herauszufinden, wie es soweit kommen konnte." "Er hat immer diese Träume." "Welche?" "Merkwürdige, von Morden, den Serienmorden um den Mille Lacs." "Ich habe davon gehört. Aber diese Nebenwirkungen sind uns nicht bekannt." "Er hat sie schon seit zwei Jahren. Vor einer Woche hat er es mir aber erst erzählt. Es geht ihm immer schlechter. Die Amnesieanfälle verstärken sich zunehmend, und manchmal ist er völlig apathisch. Ich kann es mir nicht erklären, aber er ist ein anderer Mensch, wenn er aufwacht. Heute Morgen war es besonders schlimm. Er lag nur so da, starrte an die Decke, als nehme er nichts wahr, wäre gar nicht anwesend, psychisch jedenfalls. Er war fern seiner Realität, als träume er mit offenen Augen. Er hat mich nicht gehört, als ich zu ihm gesprochen habe. Und dann ist er plötzlich hoch gezuckt, hat mich gepackt und dann die restlichen Tabletten geschluckt." "Geht es ihm jetzt besser?" "Ja, ein wenig. Er wird heute im Bett bleiben." "Gut, wir setzen uns noch in Verbindung. Aufwiedersehen." "Aufwiedersehen." Da läutete die Türglocke. "Medeline, geh ran, sieh nach wer da ist!" Vor der Eingangstüre standen Fox und Dana, sahen sich um und warteten auf Einlaß." "Ja?" "Wir möchten bitte zu Mister Gracen. Es geht um gestern Nacht. Eine weitere Tote wurde gefunden." "Ich muß Sie enttäuschen, aber er ist nicht fähig mit Ihnen zu sprechen. Es geht ihm nicht gut." "Wegen seiner Schlafstörungen, oder wegen dem Medikament, das er bekommt, Tystotorin?" fragte Fox kühl. Die Blondine erschrak. "Woher wissen Sie das?" "Nachforschungen." "Thomas, ich meine Mister Gracen, hat niemandem etwas getan." "Das haben wir auch nicht behauptet. Wir wollen ihn doch lediglich fragen, wo er gestern nach 23 Uhr war." "Er war hier, zu Hause. Und er hat geschlafen, das kann ich bezeugen, denn ich sehe in der Nacht immer nach ihm, so gegen 11 oder 12. Gestern war es 11, als ich nachsehen kam, und er hat friedlich geschlafen. Es tut mir Leid, aber ihm geht es sehr schlecht. Er muß sich ausruhen, und Sie würden ihn nur unnötig aufregen. Bitte gehen Sie." Dana blickte zu Fox hinauf, der daraufhin sagte: "Wir gehen, aber sagen Sie ihm, er wird mit uns reden, so oder so, wenn es sein muß sogar auf der Polizeistation. Kommen Sie, Scully, hauen wir ab." Madeline schloß hastig die Tür und eilte in den zweiten Stock zurück, wo Gracen in seinem Bett lag. "Es war schon wieder das FBI. Die wissen von der Dreamstation, Deiner Behandlung. Wenn die dahinterkommen, daß Du diese Träume hast, dann..." "Beruhige Dich doch. Keine Sorge, denn nur wir beide wissen davon, und die von der Station, wo Du es der Ärztin erzählt hast. Die werden nicht dahinterkommen, solange wir zusammenhalten, Madeline. Solange wir zusammenhalten."

Superior, städtische Leichenhalle, 12:03

"Mulder, ist Ihnen nicht gut?" "Ach, wissen Sie, ich will da lieber nicht zu nahe rangehen. Vielleicht mach ich meinen Anzug schmutzig." Dana begann zu lachen. "Ja, bestimmt. Und das soll ich Ihnen dann wohl auch glauben? Kommen Sie her. Ich muß Ihnen etwas zeigen!" Langsam stand Fox auf, kreidebleich im Gesicht, zitternd seine Hände. Er beugte sich über den geöffneten Körper, wobei er reichlich Mühe hatte sich nicht übergeben zu müssen. Fest drückte er seine Hand auf den Mund, sah dann zu Dana auf, die noch immer kicherte. "He, die tut Ihnen nichts mehr, die ist tot." "Also, ich weiß ja nicht, wie das bei Euch Christen ist, aber bei uns ist es eine Schandtat einer Toten so etwas anzutun." "Hier, die Schnittwunden an den Händen und Füßen. Er hat sie ihr bei lebendigem Leib zugefügt. Sie hatte schon sehr viel Blut verloren, bevor er ihr dann den Todesstoß versetzt hat. Die Wunden sind aber nicht mehr frisch, wurden ihr um genau zu sein Vorgestern Nacht zugefügt. Es hat ihm Spaß gemacht sie zu quälen, ihnen Angst einzuflößen. Er jagt." "Wie meinen Sie das?" "Ich glaube nicht, daß sie entkommen ist, auch Gina Frightwood, hatte dieses Glück nicht. Ich meine, er will jagen, hat sie laufen lassen." "Aber das wäre doch völlig sinnlos." "Nein, eben nicht, denn in der Nacht hört keiner von den 13 Pensionisten hier etwas. Die sind doch alle schon schwerhörig, sehen auch nichts mehr und gehen um sechs schlafen. Kommen Sie, Mulder, wer hätte sich rufen hören sollen, wer hätte ihr geholfen? Er ist klug, weiß, daß Sie keiner hören kann. Er läßt sie frei, so suchen sie sich ihren ‘Platz’ selbst aus, nämlich da, wo er sie wieder einfängt und dann tötet. Er macht es präzise, erlaubt sich keinen Fehler. Sie sind geschwächt, sehr weit kommen sie ohnehin nicht, auch wenn er ihnen Vorsprung läßt. Sie haben keine Chance zu entkommen." Danas Stimme wurde leiser, sie flüsterte nahezu schon, als sie schließlich fortfuhr: "Diese Frauen, sie haben ein schreckliches Martyrium ertragen müssen, bevor er ihrem Leben ein Ende setzte. Sie hat unglaubliche Schmerzen verspürt, war gefesselt an Armen und Beinen. Die Fesseln haben ihr ins Fleisch geschnitten. Wie-wie kann man nur so grausam sein?" Ihre Augen glitzerten, nahe war sie schon dem Weinen, aber hielt sie ihre Tränen und Ängste vor Fox verborgen. "Hey, was ist mit Ihnen?" "Ach, nichts, ist schon in Ordnung. Ich bin ok." "Und weiter?" "Ich habe etwas gefunden, eine Einladung, vielleicht von Mörder geschrieben." "Handschriftlich?" "Nein, Computer, aber wir könnten uns mal bei ihrer Mutter erkundigen, denn die beiden haben im selben Haus gewohnt, gleich hier in der Nähe." "Worauf warten wir dann noch?" "Auf Brad." Fox machte einen langen und tiefen Seufzer. "Sie, Sie mögen ihn, nicht wahr?" "Ja, ich glaube fast, ich habe mich...ist doch egal." Da kam auch schon Brad in die Halle: "Gut, daß Ihr noch nicht zu ihr gegangen seid. Ihr solltet aber noch etwas Wichtiges über Sarah Barton erfahren. Sie wird uns keine große Hilfe sein, denn sie ist blind. Zieh Dich um, Dana, dann können wir ja gleich los." "Ist ok, ich hab’s schon." Als Dana dann fertig war, machten sie sich zu Fuß auf den Weg zu Eves Mutter, die nur ein paar Häuser weiter wohnte.

Sarah Bartons Haus, 12:22

"Mrs. Barton, erinnern Sie sich bitte an irgendetwas. Und wenn es nur ein kleines Detail ist." "Meine Kleine war sehr offen, hat mir alles erzählt, aber nur nichts von John, ich weiß, daß er ihr Freund war, aber sie hat es mir verschweigen wollen. Ich mag ihn nicht, John Lighter. Sie war zu gut für ihn..." Die weißhaarige kleine Frau begann zu weinen. "Ist ja gut, lassen Sie sich Zeit." Dana nahm ihre Hand. "Glauben Sie, er hätte..." "Auch wenn ich ihn nicht mochte, ein Mörder ist er nicht. Er hat sie unsterblich geliebt, aber ich wollte eben nicht, daß meine Eve einen armen Schlucker heiratet. Deshalb versuchte ich ihn ihr auszureden." "Erinnern Sie sich an die Nacht, in der ihre Tochter das letzte Mal bei Ihnen war." "Am Abend, da hat sie von einem Boten einen Rosenstrauß bekommen. Sie hat sich so gefreut, weil John ihr die geschickt hatte. Die waren aber nicht von ihm." "Wieso glauben Sie, daß sie nicht von ihm waren?" "Er hätte ihr doch keine zwanzig rote Rosen gekauft, bei seinem Gehalt doch nicht. Ich hab ihr gesagt, daß er vielleicht eine Bank ausgeraubt hat. Und dann war da noch eine Karte, die sie mir vorgelesen hat. Eine Einladung zum Essen. Ich hab sie gewarnt, daß sie dort nicht hingehen soll. Aber sie hat mich nur angeschrien...ich solle mich...aus ihrem Leben raushalten, nur weil er nicht reich ist, heiße das noch lange nicht, er würde sie nicht...lieben. Ich hätte mehr tun sollen, aber sie ist gegangen." "Was hat sie an dem Abend angezogen?" wollte Fox wissen. "Das schwarze Kleid, das ebenfalls bei der Karte und den Blumen war." "Ein Spitzenkleid?" "Ja. Sie hat es mir gesagt, schwarze Spitze." Dana beugte sich zu Brad und flüsterte ihm ins Ohr: "Die Frightwood, die doch auch?" "Ja, Strauß roter Rosen, Kleid und Einladung, aber auch hier ohne Namen." "Danke, Mrs. Barton, für Ihre Hilfe." "Finden Sie dieses Schwein! Der darf das nicht noch anderen antun." "Ja, wir werden es, wir werden." Dann verabschiedeten sie sich bei der alten Dame und verließen ihr Haus. "Mulder." "Was?" "Sehe ich Gespenster, oder geht dort drüben nicht Skinner?" "Wo?" "Na dort." "Das ist Skinner." "Mein Gott, der ist hier wegen dem Fall." "Das kann ich mir nicht vorstellen, Scully." "Was würde er wohl sonst hier machen?" >>Seine Tante Grace besuchen. Aber davon wissen Sie nichts.<< "Scully, wollen Sie wetten?" "Wetten, was?" "Na, ob er wegen dem Fall hier ist."

Brad war in der Zwischenzeit in die Polizeistation gegangen, um dort anordnen zu lassen, John Lighter vorzuladen. Er würde ihn bezüglich der letzten zwei Nächte verhören, jedoch vergeblich.

"Also eine Wette? Wieso auch nicht?" "Was machen Sie, wenn er nicht wegen dem Fall hier ist?" "Was machen Sie, wenn er es doch ist?" "Ich...ich werde bei dieser ‘Kinderheim - Geschichte’ mitmachen, bei der Sie mich ja ohnehin dabei haben wollten." "Als richtiger Wichtel?" "Ja, als Ihr Begleitwichtelchen." "Süß, und was soll ich machen?" "Och, ich weiß schon, was Sie machen werden." "Und was?" "Ein Kuß. Ein richtiger Kuß." "Mit wem?" Fox grinste sie verschmitzt an. "Mit Ihnen?" "Sie haben’s erfaßt. Ihre Lippen auf meinen, unsere Körper dicht aneinander gepreßt und unsere Zungen..." "Mulder, ich will jetzt lieber keine Details hören. Außerdem wird es dazu sowieso nicht kommen. Denn ich gewinne jede Wette." >>Na das wollen wir ja mal sehen. Immerhin war ich doch derjenige, der Skinner heute morgen getroffen hat, bevor Du in mein Zimmer geschneit bist. Und ich weiß auch warum er hier ist, ha,ha,ha, verloooooooren! Mit diesem Kuß, Dana, werde ich Dich für mich gewinnen, verlaß Dich darauf.<< "Sir, warten Sie!" "Mulder, Scully? Was wollen Sie?" "Äh, ja, Sir, wir werden Ihnen alles erklären, warum wir nicht am Seminar teilnehmen konnten..." "Agent Scully, wenn Sie etwas zu sagen haben, dann sagen Sie es Kersh, nicht mir." Ich dachte, Sie sind hier wegen dem Fall?" "Hören Sie, ich habe auch ein Privatleben und zufällig wohnt meine Tante hier in Superior. Ich besuche sie weil bald Weihnachten ist. Glauben Sie, ich mache mich an einen Fall ran, der schon seit Monaten auf Eis liegt?" "Der Rosenmord?" "Ja sicher, wovon rede ich denn sonst? Mich interessiert das jetzt auch nicht. Machen Sie den Fall, wenn Sie unbedingt wollen, denn sonst habe ich ohnehin nichts für Sie zu tun." "Sind Sie gar nicht wütend, weil wir Ihnen das nicht mitgeteilt haben, ich meine..." "Agent Scully, die Weihnachtszeit ist die Zeit des Friedens und der Liebe, da werde ich doch nicht mit Ihnen beiden einen Streß anfangen. Ich bin außerdienstlich hier her gekommen, weil ich mal meine Ruhe brauche von dem Ganzen. Schönen Tag noch, und ich hoffe, daß Sie dann mir in Washington nicht mit dem Satz kommen "Wir konnten den Mörder nicht finden". Sonst werde ich wirklich wütend!" So gelassen hatten

Fox und Dana ihren Vorgesetzten noch nie gesehen. Danas Körper bebte. Hatte sie doch soeben ihre todsichere Wette verloren. "Na, Scully, bei mir oder bei Ihnen?" Fox strich Dana durch ihr rotes Haar und konnte sich vor lachen kaum noch halten. "Hören Sie auf, Mulder! Das war unfair. Ich wette, sie haben es gewußt." "Für Sie ist es wohl besser in nächster Zeit nicht mehr zu wetten! Hi,hi."

Zimmer 12, 23:12

Dana und Fox saßen auf der Couch vor dem Fernseher und sahen sich gerade Cartoons an, Eak The Cat, genauer gesagt. "Fox meinte schließlich: "Scully, wie lange wollen Sie sich denn noch drücken?" "Ich drücke mich nicht, ich will nur Eak sehen." "Scully, mal im Ernst, das sehen Sie sich doch sonst auch nicht an." "Aber..." Er schaltete den Fernseher aus und rückte etwas näher an Dana heran. Langsam beugte er sich über sie und flüsterte: "Es muß aber der perfekte Kuß sein, der Kuß aller Küsse, der unvergeßliche Kuß." Dana nickte nur zaghaft, ein scheue Lächeln auf ihren Lippen. Auch wenn sie gewollt hätte, so wäre in diesem Moment kein Wort aus ihrem Mund gekommen. Fox’ Hände streichelten Danas Körper sanft und entlockten ihrer Kehle einen erleichterten Seufzer. Konzentriert schmiegte er seinen Kopf an ihren Oberkörper, und tastete sich mit seinem Mund so vorsichtig an ihrem Hals aufwärts, als wäre sie eine zerbrechliche Statue, ein exquisites Kunstwerk. Gezielt strich er mit seinen Fingerspitzen an ihrem Nacken entlang. Er spürte wie ihr Herz nun schneller zu schlagen begann, ihr Atem immer wieder stockte. Dann hielt er ihren Kopf und machte ihr klar, sich seinem weiter zu nähern. Danas Körper vibrierte, war es doch nur ein einziger Kuß, der sie so durcheinander brachte. Es war aber mehr, das wußte sie tief in ihrem Innern. Nun endlich sollten sie beide erfahren wofür sie alle Zeit schon bestimmt schienen. "Warum zittern Sie denn so?" Fox berührte zärtlich ihr Gesicht, während ihre wasserblauen Augen ihn unentwegt anstarrten. >>Ich will Dich, nur Dich. Warum fragst Du nur so dumm? Kennst Du meine Gefühle doch. Brad wird für mich nie das sein, das Du bist. Spüre ich doch in meinen Träumen nur Deine Hände, Deine Lippen, Deine Liebe. Laß diese Nacht sich in unseren Herzen aufbewahren. Nur Du und ich, vereint. Ich gehör Dir, wenn Du es nur willst, jetzt, und meine Liebe erwiderst.<< "Schließen Sie ihre Augen!" Erwartungsvoll blickte Dana Fox noch an, bevor sie seiner Bitte kund tat. Für den Bruchteil einer Sekunde spürte sie Fox’ weiche Lippen auf ihrem Mund. Doch zu schnell war er zurückgezuckt, so daß sie es kaum hätte genießen können. Ein zweites kurzes Mal berührte sein Mund den ihren, etwas länger, jedoch nicht mal eine Sekunde. Fox fing sein kleines Spielchen langsam an zu gefallen, da Dana immer nervöser und ungeduldiger wurde. Gleich einem Reflex schien Dana seinen Lippen folgen zu wollen, und schob ihren Kopf ruckartig nach vor, wobei sie aber nur die warme Luft fühlte, die sie beide umgab. Es war ihm gelungen, hatte er seine Partnerin genau da, wo er sie sich immer schon gewünscht, ihm ergeben, hier in seinen Armen. Fox hielt Dana ganz fest, wobei er sich langsam und kontrolliert ihrem Gesicht weiter näherte. Beide öffneten ihren Mund, um einem lang existierenden Schicksal sich zu beugen. "Ring, Ring." Dana riß erschrocken ihre Augen auf und sah zum Telefon, das hinter der Couch auf einem kleinen Tisch stand. "He, lassen Sie sich nur nicht irritieren. Ganz ruhig, ja." "Aber Mulder, vielleicht sollten Sie rangehen. Wenn es nun wichtig ist, was dann?" "Scully, schon eine Ewigkeit warte ich, nein, warten wir auf diesen Augenblick. Oder etwa nicht? Und ich will und werde ihn mir nicht von einem beschissenen Telefonanruf kaputt machen lassen!" "Na gut, dann eben nicht." Dana entzog sich ihm und schnappte den Hörer. "Jep?" "Dana, was machst Du bei...Mulder?" "Wieso rufst Du überhaupt hier an, Brad?" "Wir haben die Nächste gefunden, am Stadtrand. Diesmal hat er nur die Rose zurückgelassen. Nur ist etwas anders. Ich will jetzt nicht am Telefon darüber sprechen. Wir brauchen Euch, sofort." "Wir beeilen uns. Wo, im Norden?" "Ja." "Wir kommen gleich. Bye." "Bis gleich." Dann ließ Dana den Hörer zurück auf die Gabel fallen und eilte zur Tür, wo sie schleunigst ihren Mantel überstreifte und sich dann zu Fox drehte: "Kommen Sie, Mulder, es gibt Arbeit. Sie haben schon wieder eine Tote. Er ändert seinen Plan. Sie haben noch etwas, worüber Brad aber nicht am Telefon sprechen wollte. Ich vermute nichts Gutes." Fox stand schnell auf und schlüpfte ebenfalls in seinen Mantel. Dana wollte gerade zur Türe hinaus, als Fox sie am Arm packte und hastig zurück zog. "Was???" Willensstark drückte er sie an die Wand und sah ihr tief in die Augen. Dana spürte plötzlich wie sie eine Gänsehaut bekam. Blitze zuckten durch ihren Körper, ließen sie in jedem einzelnen Knochen einen Stromschlag vernehmen. Das Blut schoß durch ihre Adern wie ein gewaltiger Wildbach und erfüllte sie mit dessen Kälte, die das lodernde Feuer in ihrem Herzen noch wilder und widerspenstiger werden ließ. Fox preßte mit einer Hand ihre Hüften ruckartig an seine, umklammerte mit der anderen ihren Nacken. Fest zog er sie an sich, ließ seine Zunge in ihren Mund gleiten und fühlte wie ihr kleiner Körper dabei zusammenzuckte. Sie versuchte sich zu wehren, jedoch war Fox zu stark für sie. Es war ihr, als raube er ihren Atem, und sie würde sein Verlangen danach befriedigen, ja, sie würde. Er hörte nicht auf, war dazu nicht mehr fähig, preßte sie gegen die harte Wand, ließ ihre Hände nicht mehr los, weil er es nicht konnte. Wie gerne hätte Dana jetzt auch die Kontrolle über sich verloren, über Körper und Geist, aber riß sie sich los, um zu vermeiden, was nie zwischen ihnen geschehen dürfte. "Mulder, hören Sie auf! lassen Sie mich los!" Danas Atem war schnell, aufgeregt und ihre Stimme hatte einen gar ängstlichen Ton. Er stand da, sah sie an, hatte Angst ihr weh getan zu haben. "Es tut mir Leid, bitte, das wollte ich nicht. Kommt nie wieder vor, das verspreche ich Ihnen. Ich habe Ihnen doch nicht weh getan. Oder?" "Nein, ist schon gut, Mulder, alles in Ordnung. Es ist nur, wir müssen jetzt zum Fundort, und...also, wenn nicht einer von uns die Disziplin hat das zu beenden, wohin würde es dann noch führen?" "Würde es denn wohin führen?" Dana lächelte ihn geheimnisvoll an. "Vielleicht?" Sie wollte in den Wagen steigen, doch stellte Fox sich vor sie. "Mulder, die Tote." Er schlang seine Arme erneut um Dana und küßte lieblich ihren Mund. Seine Zunge spielte mit ihrer und ließ sie beide Zeit und Raum vergessen. Er streichelte ihr durchs Haar, lächelte zufrieden. "Wir müssen jetzt aber wirklich los. Mulder,..." "Ja, dann fahren wir eben." Schnell hopste er zur Seite, um Dana dann noch einmal daran zu hindern sich in den Wagen zu setzen, indem er ihr mir einer Hand den Weg versperrte. "Was ist denn jetzt schon wieder?" "Sie küssen wundervoll." Dana schmunzelte: "Sie aber auch, verdammt gut sogar. Aber jetzt..." "Ich weiß, ich weiß." Dann setzten sie sich in den Wagen und fuhren zum Fundort der Leiche.

Außerhalb von Superior, 23:30

"Dana, Mulder, gut, daß Ihr da seid! Aber die Schnellsten wart Ihr ja nicht gerade. Ist aber auch egal. Sie hieß Madeline Stine, war 25." "Das ist doch." "Das Hausmädchen von..." "Gracen!" Dana und Fox starrten einander entsetzt an. "Kein Kleid, keine Schnittwunden, aber eine Rose, nur eine Rose, die neben ihr gelegen hat." "Aber er war es." "Ja, denn er hat uns einen Zettel hinterlassen." "Erwürgt?" wollte Fox wissen. "Ja, mit ihrem Schal." Der Sheriff gab Dana einen Plastikbeutel in die Hand. Darin, der Zettel, den der Täter ihnen hinterlassen hatte. Dana begann laut vorzulesen: "Sie waren gut, wirklich gerissen mit dem Einbruch, aber mich werden Sie nicht aufhalten, niemand kann das! Aber Sie liegen falsch, falsch, so falsch. Den Mörder kennen Sie nicht, werden ihn nicht finden, nicht heute, nicht morgen, nicht in tausend Zeiten." "Mehr steht da nicht?" "Nein, aber, das würde erklären, warum Gracen die Morde nicht begangen hat." "Was erklärt schon ein Zettel, Dana?" "Sie hat aber recht. Ich bin nämlich jetzt auch der Meinung, daß nicht er es war, sondern, das hat mit der Krankheit etwas zu tun, dieser Schlafstörung, wegen der er behandelt wird. Scully, ich werde noch mal zur Dreamstation fahren." "Mulder, warten Sie!" Fox ging rasch zum Wagen. "Sie wissen doch mehr, als Sie mir sagen. Was ist es, Mulder?" "Sie verstehen es ja doch nicht." "Lassen Sie es mich wenigstens versuchen." "’komatöse Shizodormie’, die gibt es nicht, der Name ist neu und wurde von Doktor William Coleland erfunden. Es ist keine ‘Persönlichkeitsspaltung’, wie man sie als ‘Schizophrenie’ bezeichnet. Diese Form der Spaltung beruht nicht auf die des Charakters eines Menschen." "Und worauf dann?" "Auf Geist und Körper einer Person." "Wie darf ich das verstehen?" "Ich glaube, daß er in seinen Träumen ins Koma fällt, jeden Morgen daraus neu erwacht. Das zerstört Gracens Körper langsam aber sicher. Das Nasenbluten, die Amnesie, seine Gehirnzellen vermindern sich doch dadurch." "Mulder?" "Er fällt ins Koma. Sobald er seine Traumphase erreicht hat trennt sich sein Geist von seinem Körper." "Mulder, das ist nicht möglich." "Warum nicht. Shamanen, die mit Hilfe von Voodoozauber ihren Geist durch Wände gehen lassen können. Scully, solche Dinge existieren. Sie benutzen einen speziellen Trank, der sich ‘Mitoboo’ nennt. Das gibt es." "Und wenn, wie sollte Gracen das machen?" "Unser Doktor Coleland, über den habe ich mich informiert, na genauer gesagt hat mir Skinner da raus geholfen. Er hat mir erzählt, daß Coleland ein Jahr in Guatemala war, um dort Heilpflanzen für seine Patienten zu finden. Er schaffte es alle seine Patienten von ihren Schlafstörungen zu befreien. Aber an Gracen teste er ein neues Mittel. Als Gracen in die Klinik kam, da hatte er einfache Schlafprobleme, bei welchen normale Schlaftabletten einfach nicht mehr halfen. Es gab nie eine ‘komatöse Shizodormie’. Die haben Colelands Pillen verursacht. Und ich habe das Gefühl, daß in genau diesen Pillen der ‘Mitoboo’ enthalten ist." "Alles gut und schön. Aber was machen wir jetzt?" "Ich lasse in New York einen Haftbefehl gegen Coleland anordnen. Sie fahren zurück ins Hotel, und machen nichts, das Sie mir nicht vorher mitteilen. Ist das klar!" "Ja, in Ordnung. Aber Mulder, Sie haben mir noch immer nicht gesagt, warum Sie gerade zur Dreamstation fahren." "Wenn Gracen abhauen will, dann braucht er doch einen Vorrat an den Tystotorin - Pillen. Die bekommt er nur dort. Er ist abhängig. Ohne sie kann er nicht mehr leben, weil das künstlich herbeigerufene Koma ihn systematisch zerstört. Es ist kein Schlaf mehr, in den er fällt jede Nacht." "Agent Mulder, was soll ich...?" "Sie und ihre Leute lassen eine sofortige Straßensperre auf allen Straßen im ganzen Bundesstaat verhängen. Ein Foto mit zusätzlicher Beschreibung von Gracen muß über alle Bildschirme laufen. Funken sie ihre Leute zusammen und durchkämmen Sie das gesamte Gebiet rund um den Mille Lacs. Hat er eine Zuflucht, dann finden Sie’s raus. Aber zuerst bringen Sie Scully sicher ins Hotel." "Mulder, wieso?" "Weil ich glaube, er hat es jetzt auf Sie abgesehen." "Mulder, das ist jetzt aber ein Scherz." "Sehe ich etwa aus, als würde ich in so einer Situation einen Witz machen? Bleiben Sie im Hotel und rühren Sie sich nicht aus dem Zimmer, bis ich wieder bei Ihnen bin." "Das mit den Sperren, ich muß denen doch etwas sagen." "Sagen Sie Ihnen, er ist gefährlich und...bewaffnet. Aber sie sollen ihn auf keinen Fall erschießen, denn ich habe so das schlechte Gefühl, daß das niemand zu Stande bringen wird." "Wie meinen Sie das?" "Was stehen Sie noch rum? Bringen Sie Scully weg und tun Sie gefälligst ihren Job! Das ist doch die Chance Ihrem Titel wieder gerecht zu werden." "Aber Fox." Dana sah ihn mit großen Augen an, machte er ihr doch Angst mit seinen Worten. Fox faßte Dana leicht an den Schultern an, berührte dann ihr Kinn und sagte leise: "Sie müssen in Sicherheit gebracht werden." "Warum gerade mich, wieso sollte er mich wählen?" "Weil Sie sein Schutz sind, wenn er abhaut. Sie wären eine Geisel, vor allem sind Sie aber Ärztin, und ich glaube, daß er das längst weiß. Er wird Sie brauchen." "Weshalb das?" "Er will Hilfe, daß wir es stoppen. Sagten Sie nicht, er wolle, daß wir das Rätsel lösen. Er braucht Sie. Deshalb will ich nicht, daß man auf ihn schießt. Er kann nicht mehr aufhören, weil das Teufelszeug ihn unter Kontrolle hat. Sein böser Geist hat die Morde begangen, als er schlief. Ich bin sogar der Meinung, daß Gracen sich nicht mal bewußt darüber gewesen ist, daß er diese Frauen ermordet hat. Die Morde in seinem Buch, er glaubt alles nur geträumt zu haben. Dana, vertrauen Sie mir. Bleiben Sie im Hotel. Er kommt seine Opfer nicht holen, er lockt. Und wenn Sie ihm nicht folgen, dann tut er Ihnen auch nicht weh. Bitte, Dana, fahren Sie mit Hollow zurück." Dann umarmte er sie zärtlich, jedoch nur sehr kurz. Sie wollte seine Wärme länger spüren, wollte seine starken Arme um ihren frierenden Körper, doch schickte er sie fort. Sie wollte jetzt bei ihm bleiben, nicht allein im Hotel auf ihn warten. Diese unerträgliche Kälte, die sich in ihrer Brust nun breit machte, so grausam. Es schmerzte so sehr, so kalt, so schlimm seine Worte, die klangen, als wären sie nichts, waren nichts. So oft hatten Sie sich schon getrennt, doch hatte Dana diesmal das Gefühl, es würde anders enden, als die Male zuvor, als wäre es eine Trennung für immer. Sie wollte ihn nicht loslassen, hatte Angst, ihn das letzte Mal umarmt zu haben, aber enttäuschte er sie, stieg in den Wagen und fuhr los, in die unglückbringende Nacht. Sie stand dort, am Straßenrad, nahe den Tränen, die sie nie hätte weinen wollen. Brad drückte sie an sich, doch trat sie beiseite, sträubte sich seiner lieben Geste. >>Geh nicht weg, laß mich nicht hier, allein.<< "Dana, wir müssen los. Er hat recht, im Hotel bist Du gut aufgehoben. Komm jetzt!" Er streckte seine Hand nach ihr aus, doch verweigerte sie ihre darin zu legen, sondern stieg in den Wagen und schlug die Türe wütend zu.

Bakerscour Hotel, 24:00

Dana schlich langsam die Treppen in den zweiten Stock hinauf. Brad Hollow war wieder auf dem Weg zurück zu seinen Leuten, um mit ihnen und den anderen Polizisten und Deputies eine Suchaktion zu starten. Ihr war kalt, so schrecklich kalt. Doch egal wie weit Fox nun auch schon von ihr entfernt war, so fühlte er diese Kälte auch, tief, ganz tief in seinem Herzen. Wie viele hilflose Frauen mußten denn noch sterben, bis sie ihn endlich fassen könnten? Gina Frightwood und Madeline Stines Wissen über Gracens Gefühle und innere Macht allein, nur das brachte ihnen den Tod. Er war unberechenbar, falls er es überhaupt noch war, den sie da jagten. Vielleicht hatte Fox recht, war es ein böser Geist, in Gestalt Thomas Gracens, der diesen schönen und friedlichen Ort heimsuchte, mordete, unaufhaltsam, wie es schien. Und Fox überkam plötzlich ein gräßlich starkes Angstgefühl. Liege er nun wirklich im Recht, was passiere, wenn sie ihn nicht aufhalten könnten, er die Gelegenheit zu flüchten bekäme, in einen anderen Bundesstaat, gar in ein anderes Land?

Dana ging auf ihre Zimmertür, doch was lag da, nein, ein Strauß roter Rosen. Sie zog ihre Waffe, verlangsamte ihren Gang, steckte den Schlüssel dann in das Schlüsselloch, doch, was war das? Die Türe war nicht verschlossen. Ihr Herz klopfte bis zum Hals, der Finger am Abzug zitterte. Sie drehte die Klinke....

"Hollow, haben Sie Scully ins Hotel gefahren?" "Ja, wieso? Stimmt denn etwas nicht." "Er lenkt uns ab. Sie ist allein?" "Was?" "Ist sie jetzt allein?" "Ja, warum frag..." "Er ändert sein Konzept, vollständig. Er hat war nie in der Station. Ich habe dort angerufen. Er war nie da, weil eine Angestellte zu ihm nach Hause gekommen ist. Er wollte wohl mit Madeline verschwinden, hat dann aber alles geändert. Wieso weiß ich nicht. Verdammt, er ist noch in Superior, nicht hier!" "Dana?" "Fahren Sie sofort ins Hotel! Sie ist sein Opfer!"

....nichts. Sie riß ihre Hände hin und her, rechts, links, nichts. Im Badezimmer, auch niemand. Da, auf dem Bett, ein Zettel. Das Böse Dich sieht, das Böse zu Dir spricht, auch wenn Du es nicht siehst, Du nicht sprichst. Dana packte den Zettel und rannte zur Tür hinaus. Sie machte sich nicht die Mühe die Türe zu schließen, sondern rannte nur. Als sie in ihr Auto stieg, war ihr nicht aufgefallen, daß ihr Handy noch im Zimmer lag. Es läutete in diesem Moment, doch fuhr Dana schon los, nur ein Ziel vor Augen, die schaurige Villa des Autors. Das Böse erwacht, auch weckst Du es nicht, so schlafe mein Kind, schlaf ein. Sie stieg aufs Gaspedal, fuhr in das Dunkel dieser eisigen Winternacht, nur die letzten Zeilen im Kopf, die das Ende ihres Teils von ‘Blutende Rosen’ beinhalteten. So schlafe ein, schlafe auf ewig, so wehre die Schönheit bis ans Ende der Ewigkeit. Das Blut der Hölle bäumte sich auf, entgegen dem Strom des fließenden Leben, das aus Dir ging, Du zierlich Röslein. Schwarz die Nacht in der Du warst mein, mein Geschöpf, meine Liebe. Dein leuchtendes Antlitz, dunkel voll Blut, das Du nicht siehst, das Du nicht sahst. Und sprichst Du mit Hochmut gegen den Bach, so reiße er Dich mit sich.

Gracen Villa, 00:18

Das hohe Eisentor sah noch gespenstischer aus, die Villa noch dunkler und unfreundlicher in der Nacht. Sie schaltete ihre Taschenlampe ein, öffnete das Tor. Aber war es doch sonst nicht offen gewesen? Erwartete er etwa diesen Besuch? Kein Licht brannte, nur das des Mondes war zu vernehmen, so düster, so kalt, bedeckt mit Wolken, die ihren Schatten auf die Erde fallen ließen. Bald hatte sie es erreicht, bald war sie da, an der Tür. In einer Hand die Taschenlampe, mit der anderen ihre Smith & Wesson umklammernd ging sie voran.

"Haben Sie sie nicht weggehen sehen?" "Es tut mir Leid, sie hat sich den Schlüssel selber hohlen müssen, so spät schlafe ich doch schon. Und das würde ich auch noch, wenn Sie nicht wie wild an meine Tür gehämmert hätten, Sheriff. Was ist eigentlich los?" "Nein, verdammt, Mulder hatte recht."

Der Türgriff war eiskalt, doch erfaßte sie ihn, trat ein. "Gracen? Ich weiß, daß Sie hier sind. Sie wußten ich würde kommen." Dana fühlte sich beobachtet, drehte sich immer wieder im Kreis, die Waffe auf Schattengestalten gerichtet, die sich jedoch alsbald als Tische, Lampen oder Spiegel herausstellten. "Gracen?" Ihre Stimme erfüllte ein Ton der Angst. Da, die Stufen, die in den oberen Stock führten, wo Thomas Gracens Schlafzimmer sich befand. War es denn wirklich möglich, was Fox ihr hatte vergeblich versucht zu erklären? Wenn ja, dann würde sie hinter dieser Tür wohl Thomas Gracen finden. Sie öffnete, sah vor ihr das Bett erscheinen, in welchem sie glaubte die Umrisse eines Mannes erkennen zu können. Sie ging zum Bett, griff mit einer Hand nach der Decke. "Ahhhhhhhhh." Hinter ihr, sie wurde plötzlich mit aller Kraft zu Boden gerissen. Die Waffe fiel unter das Bett. Ein wilder Kampf entbrannte.

"Mulder, wo sind Sie jetzt?" "Die Straßen sind gesperrt, verdammt." "Aber Sie wollten das doch." "Wo ist Scully?" "Ich fahre gerade in Richtung Polizeistation. Sie war im Hotel, muß aber gleich gegangen sein, nachdem ich weggefahren bin." "Verständigen Sie Direktor Skinner. Seine Nummer ist 555 3249. Suchen Sie nach ihr! Ich komme so schnell ich kann zurück."

"Hören Sie auf sich zu wehren, ich tue Ihnen doch nichts. Verdammt noch mal, hören Sie auf!" Thomas Gracen packte schließlich ein Tuch, das in seiner Westentasche steckte, und drückte es Dana an den Mund. Er hielt sie fest, preßte sie zu Boden, und langsam verspürte sie wie ihre Gliedmaßen schwerer wurden, das Betäubungsmittel sie schwächte, seine Wirkung eintrat. "M-Mö-rder-ah-Mörd-erhhh." Dann schlossen sich ihre Augen und ihre Hände glitten an Gracens Körper zu Boden.

"Direktor Skinner?" "Ja." "Mein Name ist Sheriff Hollow. Ich bitte Sie so schnell wie möglich auf das Polizeirevier zu kommen." "Was ist denn passiert?" "Der Rosenmörder hat Agent Scully entführt." "Ich komme sofort."

Er fesselte ihre Hände, dann die Beine und sagte: "Nicht ich war es. Er tut mir das an. Warum glauben Sie mir das nicht? Aber Sie wollen ja nicht hören." Schließlich hob er sie hoch und trug sie zum Auto. "Bis wir weit genug weg sind müssen Sie leider hier drinnen bleiben." Mit den Worten schloß er den Kofferraum seiner dunkelblauen Corvette, setzte sich ans Steuer und ließ den Motor an.

"Wann ist es passiert?" "Gerade vorhin. Die Rosen sind hier, kein Kleid, nichts." "Sie haben sie hingefahren und sind dann gleich wieder zurück? "Ja. Verdammt, warum bin ich nicht mit ihr bis zu ihrem Zimmer? Gott, er wird sie töten." "Wo bleibt Mulder nur so lange?" "Wir haben schon eine Personenbeschreibung von Gracen durchgegeben, übers Radio und Fernsehen. Die Straßen sind gesperrt, schon allein, weil die Meteorologen für heute einen Schneesturm vorhergesagt haben. Es wird hier ziemlich rund gehen." "Mal angenommen er taucht jetzt gleich unter, hätten wir überhaupt eine Chance sie noch lebend zu finden?" "Sir, das weiß ich nicht, aber er läßt sie nur einen Tag am Leben, um sie zu quälen, in der zweiten Nacht tötet er sie auf bestialische Weise. Dana, ich meine Agent Scully, wird da keine Ausnahme für ihn sein." Da wurde plötzlich die Türe des Polizeireviers aufgerissen und Fox stürmte keuchend herein. "Habt ihr das auch gerade im Radio gehört? Das mit dem Schneesturm?" "Mulder, endlich." "Sir, weiß man was Neues? Hat er sich vielleicht gemeldet?" Fox ließ sich geschafft auf einem der Sessel nieder, starrte auf Hollows Bürotisch, der nicht weniger ‘aufgeräumt’ war als sein eigener, in Washington. "Wir haben absolut keinen Anhaltspunkt." Fox mußte immer wieder an eine Zeile von Gracens Buch "Totengräber" denken, in welchem der Polizist seine strebende Geliebte in den Händen hält. Und was Du liebtest einst so sehr wird gehen den eigenen Weg, Du ihm nicht folgen darfst, Du es nicht mehr berührst, so soll es sterben allein. Sterben allein, was Du liebst so sehr, soll sterben allein, sterben allein, sterben allein. Er sprang auf, ohne ein Wort zu sagen rannte er hinaus, durch die Polizeistation, durch die Türe ins Freie. Der eisige Wind streifte sein Haar, das die Sterne am Himmel beschienen. >>Und Du weißt doch nicht mal, ich hab es Dir nie gesagt, Dana, nie.<< Er sperrte die Autotüre auf, startete und fuhr los, nur einen einzigen Weg, vielleicht den anvisierend, der Danas einzige Rettung war. >>Das Buch, verdammt, das Buch.<<

Die blaue Corvette hatte schon den halben Weg zurückgelegt. Nicht hoch, aber in den Bergen, da hatte Gracen eine Hütte, in die er sich im Sommer zurückzog. Weihnachten hatte er auch immer dort verbracht, mit Madeline. Aber sie war nur seine Geliebte gewesen, denn seine Frau wohnte in New York. Sie hatte viel zu tun, wollte sich eigentlich schon von ihm scheiden lassen, tat es aber dann doch nicht, ihrer beiden Töchter zu Liebe.

"Sir?" "Diese Sperre war aber noch nie hier." "Tut mir Leid, aber es wird bald ein sehr starker Sturm aufziehen. In den Bergen ist man ihm hilflos ausgeliefert. Es wäre besser, Sie kehren um und übernachten in einer Talstation. Ich werde dann auch bald zurückfahren." Der Mann in grüner Uniform sah recht nett aus, schien sich wahrhaftig Sorgen zu machen. "Heute mußte ich schon einige wegschicken. Es ist besser sie fahren wieder zurück." "Ich muß aber in die Hütte. Ich war einkaufen. Meine Kinder und meine Frau sind ganz alleine da oben." "Gut, dann holen Sie sie, aber beeilen Sie sich, Mister Gracen. Der Sturm ist bald da, und ich kann Ihnen nicht garantieren, ob sie die Chance haben werden in den nächsten Tagen wieder von da oben wegzukommen. Meine Verbindung zum Tal ist auch schon abgebrochen. Letztes Jahr war es angeblich nur halb so schlimm wie es dieses werden soll. Also, ich bitte Sie, holen Sie Ihre Familie und fahren zurück." "Ja, ich werde es tun so schnell es geht. Wie lange werden Sie noch hier sein." "Nicht lange, denn es ist scheiß kalt hier draußen. Den Schranken werde ich aber offen lassen. Keiner ist so verrückt bei dem Wetter überhaupt noch rauf zu fahren." "Da haben Sie recht. Dann lassen Sie den Schraken offen, damit ich gleich wieder zurück kann." "Gut, schönen Tag noch, Sir." "Ihnen auch." Dann öffnete er den Schranken und Thomas Gracens Auto setzte ich erneut in Bewegung. Kurz darauf setzte sich auch der junge Mann in seinen Jeap und machte sich auf den Weg nach Superior. Er hatte keine Ahnung, wem er gerade zur Flucht verholfen hatte, denn kannte er Thomas Gracen sehr gut, war ein großer Fan von seinen Büchern, so wie es eigentlich jeder in Minnesota war. Bedenken hatte man da natürlich keine, wenn man jemanden so gut kennt wie seinen Lieblingsautor.

Gracen Villa / 00:45

Fox stieg aus seinem Wagen, fand das mächtige Eisentor offen vor. Er begann zu laufen, rannte so schnell ihn seine Füße tragen konnten zum Wintergarten. Die Tür, abgeschlossen, doch kein Hindernis. Er nahm eine Holzlatte, die er im daneben liegenden Schuppen gefunden hatte, und schlug wie wild auf das Glas ein, so daß die Splitter in alle Windrichtungen flogen. Dahinter, da waren doch hunderte und aberhunderte roter, langstieliger Rosen. Überall, wohin sein Auge auch blickte sah er sie, diese schönen, zarten Geschöpfe, die doch Liebe und nicht Haß verkörpern sollten. Ihr Duft stieg Fox in die Nase, ließ ihn für einen kurzen Moment Danas Stimme hören. Er hatte Angst, Angst sie zu verlieren, jetzt, wo er schon fast glaubte ihr seine Gefühle vermittelt zu haben. Auch wenn sie abstritt, so hatte diese Nacht, in der sie in Fox’ Armen eingeschlafen war, sehr große Bedeutung für sie. Doch nein, jetzt war nicht der Augenblick sentimental zu werden. Er mußte einen Hinweis finden. In seinem Teil von Gracens neuen Buches hatte ihn ganz besonders ein Kapitel sehr interessiert. Es beinhaltete einen Text, der beschrieb, daß der Mörder auch ein Autor sei. Dieses Buch, es war gleich einer Biographie Gracens, in welcher er sich selbst mit dem Mörder identifizierte. In diesem Kapitel schrieb der Mörder ein Tagebuch, in welchem jeder seiner Morde dokumentiert wurde, und so wollte Fox nun danach suchen, nach einem Tagebuch von Gracen. Er war sich nun sicher, Gracen wollte, daß man sein Rätsel löse. Er hatte eine Spur hinterlassen, aber wo? Fox ging weiter, schaute sich bei jedem Schritt i, Wintergarten um, jedoch waren es nur Rosen, die er sehen konnte. Als er am Ende angelangt war, konnte er nun einen Kreis erkennen, einen Kreis aus nebeneinander stehenden Töpfen mit Heckenrosen darin. Und er trat durch die Öffnung, schritt in den Kreis, wo stand ein Stuhl. Vier Seile waren daran gebunden, die einst braun und nicht geschwärzt vom Blut der hilflosen Seelen, die auf ihm Gracen zum Opfer gefallen waren. Fox kniete sich hin, stützte seine Hände auf den Stuhl und bemerkte dabei gar nicht, daß die Dornen der Rose, die auf diesem lag, ihn blutig stachen. Er spürte den Schmerz nicht, nur den, der tief in seiner Brust verweilte, ihn quälte so schrecklich. Er saß da, krallte sich fest an der Rose, die bestimmt für seine Liebste, ließ schließlich seinen Kopf auf die Arme fallen. In seiner Verzweiflung begann er zu schluchzen, rief ihren Namen, nach und nach leiser, bis er flüsterte. Ihm war kalt, eisig kalt, wollte er doch sie in seinen Armen spüren, durch ihr geschmeidiges Haar streicheln und sie einfach nur halten und nicht wieder loslassen, niemals.

Außerhalb von Superior, in einem großen Waldstück, 1:30

Die Corvette stoppte vor einer verschneiten Holzhütte. Das kleine Blechdach war schon völlig verschwunden unter der weißen Pracht, doch verließ es der Hütte einen heimeligen Touch. Langsam öffnete der Autor seinen Kofferraum, in welchem Dana noch immer nicht ihr Bewußtsein zurück erlangt hatte. Behutsam hob er sie hoch, und trug sie in das warme Innere des Häuschens. Nachdem er sie auf eine Couch neben dem Kamin gelegt hatte, steckte er noch ein paar Holzscheite ins Feuer und setzte sich zu ihr. Dann löste er die Fesseln um ihre Beine. Da öffnete Dana ihre Augen und sah verwirrt in seine, die sie kühl und etwas mitleidig anfunkelten. "Hab ich Sie geweckt? Tut mir Leid, aber ich wollte es Ihnen nur bequemer machen." "Wo-wo bin ich hier?" "In meiner Schihütte in den Bergen. Keine Angst, ich werde Ihnen nciht weh tun." "Aber was tun wir denn in dieser Hütte? Ich verstehe nicht. SIE haben diese Frauen doch ermordet, jetzt erinnere ich mich wieder!" Dana riß sich los, fiel jedoch nur von der Couch, da das Betäubungsmittel sie arg geschwächt hatte. "Hey, nicht so stürmisch, sonst werden Sie sich noch verletzen." Schnell beugte er sich zu ihr und half ihr zurück auf das schwarze Ledersofa. "Ich will Sie doch nicht töten. Sie sollen mir helfen, helfen, damit das alles aufhört." "Was?" "Ich bin nicht der Mörder, er ist es." "Wer ist er?" "Der Mitoboo, der böse Geist. Ich kann ihn nicht besiegen." "Aber, wie ist das nur möglich....?

Gracen Villa, 1:57

Fox’ blutende Hände warfen alle Vasen zu Boden, rissen die Schubladen aus den Kästen und durchwühlten alle Schriftstücke, die im Haus verwahrt waren. Er lief außer sich in Gracens Schlafzimmer, zerschlug voller Wut die Lampe, welche auf ihrem Platz einst Gracen licht gespendet für seine nächtlichen Zeilen, an denen er doch so oft schon gearbeitet hatte. Nichts, da gab es nichts, kein Tagebuch, kein Zettel, gar nichts. Fox’ Tränen wurden zu blinder Wut, die ihn kaum noch klar denken ließ. Aber da, was war das? Hinter der Lampe, die nun zerschlagen am Boden lag, erschien ein Quadrat in der Wand. Fox drückte leicht daran, und sieh da, nicht da er erwartet hatte, kein Tagebuch, sondern etwas viel Wertvolleres kam dahinter um Vorschein. Er konnte es kaum fassen, was er in diesen Minuten der Angst und Verzweiflung in seinen Händen hielt, eine unzensurierte Fassung von Gracens ‘Blutende Rosen’. Doch trugen diese zusammengebundenen Papierfetzen einen anderen Titel, einen eindeutigen Titel. Auf dem Cover, das eine mit Kohle gezeichnete Rose abbildete, stand in großen Buchstaben: ‘Blutende Träume’. Geschwind blätterte Fox darin herum, las hier ein paar Zeilen, dort ein paar. Die letzten Seiten würde jedoch nun Aufschluß geben. Danas Entführung stand darin, jedoch anders formuliert, als die Morde, die er mit seinen Träumen verglich. Es stand da geschrieben, als hätte er es genau geplant sie zu entführen. Aber er beschrieb nicht ihren Tod, sondern nur.......wohin er sie bringen würde. Fox sprang vom Bett auf und rannte den ganzen Weg zu seinem Auto, das er gleich darauf startete und in Richtung Polizeistation damit davon raste.

Gracen Hütte, 2:08

"Warten Sie kurz. So, jetzt sind Sie diese auch noch los. Ich sagte doch, ich würde Sie zu nichts zwingen, oder hier festhalten, gegen Ihren Willen. Ich mußte aber sicher gehen, daß mir geholfen wird. Sie müssen mich wach halten, egal was auch passieren sollte. Sie dürfen nicht einschlafen und ich auch nicht. Wir müssen uns gegenseitig wach halten." "Es hört sich so absurd an, unglaublich für eine Ärztin wie mich. Ich meine, woher sollte ich Ihnen trauen, oder die Kraft haben Ihnen diese Geschichte abzukaufen?" "Dana, hören Sie mir zu. Das ist doch kein Spiel, kein Traum von Ihnen, aus dem Sie jederzeit wieder erwachen können. Es ist so, daran kann ich nichts ändern und Sie auch nicht." "Aber Doktor Coleland kann es, glauben Sie." "Ja, er hat mir das angetan, er wird es wieder von mir nehmen, das muß er." "Angenommen, er kann es nicht, was dann?" Grancen schwieg und stand auf, blickte hinaus in die herrlich weiße Landschaft. "Und weiter? Was dann, kommen Sie schon, Gracen, was dann?" Sie richtete sich langsam auf und ging zu ihm. "Dann existiert Thomas Gracen nicht mehr. Er wird mich töten, dann kann ihn keiner mehr aufhalten, keiner, auch Ihre Leute nicht. Der liebe Doktor Coleland mit seinen verbotenen Experimenten. Wissen Sie eigentlich, daß er sicher an die zwanzig bis dreißig seiner Patienten durch diese Versuche umgebracht hat? Er pumpte sie alle mit Drogen voll und gab ihnen diese Heilpflanzen aus Guatemala und teilweise auch Brasilien. Er ist ein Mörder, und mich hat er auch zu einem werden lassen. Dieser Böse hat von mir Besitz ergriffen und tötet. Was soll ich denn machen, ihn weiter morden lassen?" Der Schneesturm wurde immer heftiger, riß an den Bäumen und da, einer stürzte auf den Generator der Hütte, und es wurde dunkel, nur das Feuer im Kamin spendete noch etwas Helle. "Wir müssen jetzt zusammenhalten. Wir dürfen nicht einschlafen. Halten Sie mich wach!"

Sheriff Office, Superior, 3:54

"Mulder, wir werden sie finden. Die Suchmannschaften verteilen sich im ganzen Wald, sobald der Sturm sich gelegt hat. Aber wir müssen uns gedulden. Es ist zu schlechtes Wetter." "Sir, wir müssen zu dieser Hütte." "Das verstehe ich ja, aber es geht im Moment nicht." "Ich kann da nicht einen ganzen Haufen meiner Leute raus schicken, nicht bei dem Wetter." "Na gut, wenn ich umgeben von Feiglingen bin, dann gehe ich eben allein!" Mit diesen Worten ergriff er seinen Mantel und stürmte zur Türe hinaus in die Nacht.

Grancen Hütte, 4:38

Sie hatte ihrer Müdigkeit nicht mehr Stand halten können, hatte sich einfach auf den Boden neben den Kamin gelegt und war eingeschlafen. Doch als sie ihre Augen wieder öffnete, konnte sie ihnen nicht trauen. Was geschah da nur mit Thomas Gracen?" Er schlief, tat er es aber dann doch nicht. Nicht wirklich jedenfalls. Er lag da als schliefe er tief und fest, aber zuckte zusammen, als würde eine Kreatur, eine abgrundtief böse ihrer Art, in seinem Körper erwachen, und wolle sich befreien. Und da, was war es, das sie voll Schrecken erblickte, ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ, vielleicht deshalb, weil sie es einfach nicht glauben konnte, was sich vor ihr abspielte. Ein Mann, nein, ein Etwas stieg schier aus dem Autor, abscheulich sein Blick. Er stand dort, dieser merkwürdige Mann, neben dem Fenster, durch das noch immer der Schien des Mondes fiel. Aber dämmerte es schon, zwitscherten Vögel hoch oben in den Baumkronen.

Sie war ihm hilflos ausgeliefert, trug auf einmal wieder Fesseln um die Handgelenke. Aber woher? Gefesselt hätte sie gar keine Chance gehabt zu fliehen. Gracen ging auf sie zu, oder die Gestalt jedenfalls, die genauso aussah wie er. Doch war dieser Mann nicht Gracen, sondern das kaltblütige Monster, das all die jungen Frauen auf dem Gewissen hatte, wenn es überhaupt eines hatte. Sein teuflischer Blick berührte Dana am ganzen Körper, musterte sie, als sie da lag, hilflos ihm ausgeliefert. Sie krabbelte langsam zurück, starrte ihn entsetzt an. Und da war eine Rose in seiner Hand, die er umklammerte. Was hatte er nur damit vor? In seiner anderen hielt er plötzlich ein schwarzes Spitzenkleid. "Zieh es an, sofort! Alle ‘Rosen’ tragen schwarz auf ihrer letzten Reise. Du bist da keine Ausnahme, mein hübsches Kind. Zieh es an!" "Nein, nein, lassen Sie mich los! Gracen, wachen Sie auf, bitteeee!" Er holte aus mit seiner Hand und schlug ihr die Rose ins Gesicht. "Ah!" Aus einem langen Schnitt in ihrer Wange tropfte sogleich Blut. "Graaaacccen, wachen Sie auf!" "Schrei nur so laut Du kannst, meine Schöne, doch wird es Dir nichts nützen. Ein Schneesturm, ach wie schrecklich doch. Keiner wird kommen, keiner. Oder bist Du so naiv zu glauben, Du kommst frei. Mich kriegen die nicht, nur diesen armseligen Bastard da drüben. Den werde ich nicht mehr brauchen. Er hat es ja getan. Ahahaha!" Er lachte nun so laut, daß es Dana eiskalt über den Rücke lief. "Zieh es an!" Sie weigerte sich jedoch noch immer benommen von seinem Blick, der sie müde machte, willenlos. "Zieh es an, oder ich tu’s und das wird Dir sicher nicht gefallen." "Nein, nicht, bitte, nicht." Er riß den beigefarbenen Blazer von ihrem Körper, schlug sie, als sie sich gegen ihn zu wehren versuchte. Keine Frage, er war ihr überlegen und hatte somit ein leichtes Spiel. Diese unglaubliche Kraft, die durch seine Adern strömte, so bestialisch, einem Monster gleich, ließ Dana vor Angst fast erstarren. Schließlich - blutüberströmt, zerrissen ihr Gewand - raffte sie sich auf und nahm das Kleid in ihre zitternden Hände. Sie könnte Zeit gewinnen, vielleicht mit ihm reden, oder was auch immer, damit er sie nicht gleich tötete.

Auf einer Straße in die Berge, zur selben Zeit

Nervös klammerte sich Fox an das Lenkrad seines Wagens, versuchte trotz des argen Schneesturms noch die Straße erkennen zu können. Immer wieder hatte er dieses Bild vor Augen, Dana und der Killer, kämpfend bis zum Tod, und er würde ihr nicht helfen können. Der Rosenmörder sticht auf sie ein, mit einer Schere, die schon ganz blutig, ihr Blut. >>Dana, ich liebe Dich. Verdammt, Du darfst nicht sterben, nicht Du, nein. Ohne Dich könnt ich doch nicht mehr leben! Oh, Dana. Dana.<<

Vor Gracens Schihütte, wenig später

>>Da ist doch die Hütte. Oh ja, das ist sie. Gott, ich flehe Dich an, laß Sie noch leben! Er darf sie noch nicht...<< Er griff nach seiner Waffe. Da hörte er ein Schreien, riß die Holztüre auf, die Waffe auf das gerichtet, was sich dahinter befand. Die Gestalt preßte gerade Dana zu Boden, hielt eine Schere in seiner Rechten. Fox war nicht überrascht, daß der eigentliche Gracen schlief, dort neben dem Fenster. Ein Schuß, ein zweiter. Der falsche Gracen ließ von Dana ab, die kaum traute sich aufzurichten. Und wieder schoß Fox auf ihn, mitten ins Herz, doch auch wenn Blut aus einer tiefen Wunde drang, so schien es ihm nichts auszumachen. Er warf Fox gegen die Wand, kämpfte mit ihm verbittert. "Scully, wecken Sie Gracen! Wecken Sie ihn! Wecken Sie ihn!" Fox Waffe knallte auf den Boden, keine Möglichkeit sie zu erreichen, war sie doch zu weit entfernt. Dana kroch mit letzter Kraft noch zu Gracens fast leblosen Körper und begann ihn zu rüttel, schrie ihn an, während Fox versuchte sich vergeblich dem Bösen zu widersetzen. Nun wollte er ihn mit der Schere erstechen, war schon so nahe seinem Ziel. Aber da, Thomas Gracen erwachte tatsächlich. Riß Fox’ Waffe an sich und schrie: "Das Monster darf nicht weiterleben!!!" "Nein!" Riefen Fox und Dana zugleich, als der Autor sich den Lauf an seine Schläfe hielt und kurzerhand abdrückte. Fassungslos sah Fox den toten Körper an. Vor ihm stand noch die Gestalt und lachte höhnisch: "Wir sehen uns wieder!" Dann löste er sich ganz plötzlich auf, wurde zu Luft, die sie beide atmeten. Völlig geschafft von diesem wilden Kampf mit Gracens bösem Geist, rappelte er sich langsam auf. Dana kauerte am Boden, ihre Arme fest um ihre Beine geschlungen und zitterte am ganzen Leib. Ihr Gesicht und ihre Hände voller Blut, das Kleid zerfetzt, die Augen glitzernd durch die Tränen, die nun schon ihre Wangen benetzten. Fox sah sie mitleidig und zugleich überglücklich, daß sie noch lebte, an. Sie begann zu schluchzen. Da wurde auf einmal die Türe aufgerissen, durch welche jetzt Skinner, Hollow und seine Deputies stürmten. Mit einem liebevollen Blick streckte er eine Hand nach ihrem Gesicht aus, kniete sich dann zu ihr und drückte sie an sich. Sie vergaßen die anderen einfach, die sie anstarrten, nicht verstanden was geschehen war. Doch dann gab ihnen Skinner den Befehl, sie sollten den Tatort markieren und sich nicht um die beiden kümmern. "M-Mulder. Mulder!" Sie schluchzte nur noch. "Ich habe gebetet, daß Sie noch leben. Gott, danke!" Sanft küßte er sie auf ihre Stirn, und dann, nach einem langen Blickkontakt, berührten seine Lippen ihre. Enttäuscht sah Hollow Fox zu, wie er Dana liebkoste, seine Augen ihr mehr mitteilten als tausend Worte. Sie beide gehörten zusammen, das akzeptierte er als er schließlich aus der Hütte ging, in seinen Wagen stieg und die Heimreise antrat. Er funkte noch schnell der Station durch, daß der Fall abgeschlossen sei, jetzt endgültig.

"Hey, Jungs, können wir hier vielleicht mal eine Decke bekommen? Danke." Er wickelte Dana dann in eine flauschige Wolldecke, die ihm von einem der Deputies sogleich überreicht worden war, und flüsterte in ihr Ohr: "Legen Sie ihre Hände um meinen Hals." Nachdem er sie sicher und warm in die Decke eingepackt hatte, hob er sie gefühlvoll hoch. Dana preßte ihren Kopf dicht an Fox’ Hals und schmiegte sich an seine warme Brust. Ja, sie brauchte seine Wärme jetzt, stärker denn je zuvor. Sie suchte in seinen Armen nach Geborgenheit, und wie sehr er ihr diese geben konnte, das fühlte sie erst hier, nach fünf langen Jahren. Seine große Teddybärenaugen strahlten sie an und zauberten ein leichtes, fast unsichtbares Lächeln auf ihren Mund. "Ich bring Sie ins Hotel zurück. Sie stehen noch unter Schock und brauchen jetzt sehr viel Ruhe und vor allem ein warmes Bett. Außerdem würden Sie mit diesen Aufzug auch nicht gerade als ‘Miss Amerika’ durchgehen." Dana lachte sanft, dann grub sie ihr Gesicht wieder in die Weichheit seines Nackens. Sein Aftershave roch ja so gut und ließ sie ein Gefühl von Wohlbefinden verspüren, daß sie bis zu dieser Minute noch nie zuvor gekannt hatte. Er legte seine Wange an ihren Kopf und bat Skinner ihm die Türe zu öffnen, dann die seines Wagens. "Scully fahr ich gleich zurück ins Hotel. Außer einem Schock und ein paar Schnittwunden scheint sie nichts zu haben." Schnell schlossen sich beide Türen des Wagens, da der Sturm ihnen schon fast den Atem nahm. "Diese Fahrt wird wohl etwas länger dauern, wegen dem Schneesturm muß ich ja langsam fahren. Aber es ist doch schön warm hier drinnen, das läßt sich schon überstehen." Fox verstummte und holte ein Päckchen Taschentücher aus dem Handschuhfach. Vorsichtig tupfte er das Blut von ihrem Gesicht und wischte einfühlsam ihre Tränen weg. Daraufhin streichelte Dana über seine Hand und küßte diese.

 

 

 

 

 

Ein Stück außerhalb von Washington DC, vier Wochen später
‘Children’s Hope - Kinderheim’, 18:00

"Cool sehen Sie aus, wirklich Sir, wie der echte ‘Santa Walter’." Fox begann laut zu lachen und steckt auch Dana sogleich damit an. "Warum, er ist doch ein lieber Weihnachtsmann mit dieser Zipfelmütze und dem laaaaaangen weißen Bart." "Agent Scully, Agent Mulder, ich tue das nur, weil sie mich deswegen angejammert haben. Keine Scherze." "Ach was, es ist doch lustig hier, außerdem sind wir doch nicht die einzigen Agenten, die da mit machen." "Ja, aber ich bin der einzige ‘Santa’, der hier rumläuft." "Dafür stehen ihnen doch so viele Wichtelchen zur Verfügung." Dana und Fox blickten einander gegenseitig recht kritisch an und meinten daraufhin zugleich: "Sehen wir nicht süß aus?" Beide waren in Blau gekleidet, trugen schwarze Stiefel und eine Wichtelmütze auf dem Kopf. "So ‘Santa Walter’, da warten ein paar liebe Kleine auf Dich. Haha..." Skinner begann zu grinsen und wandte sich dann seinen jungen Verehrern zu.

Aber auch eine Schar kleiner Mädchen und Jungen versammelte sich um Fox, die ihn böse anstarrten. "Du bist aber kein Wichtel!" "Und warum nicht?" "Sieh her, uns kannst Du nicht übers Ohr hauen. Wir sind zwar klein, aber nicht blöd. Ein echter Wichtel ist nicht so groß wie Du, sondern so klein, wie sie." Der blonde Vierjährige zeigte frech auf Dana, die gerade ein Mädchen auf dem Arm hielt und sich mit der Heimleiterin unterhielt. "JA GENAU!" antworteten die übrigen Kinder, die um Fox herum standen. "Wichtel Dana, kommst Du bitte mal kurz her zu mir?" "Was ist denn Wichtelchen Fox?" "Diese Kleinen sind ja richtig frech, behaupten, ich sei kein richtiger Wichtel, weil ich zu groß wäre. Würdest Du sie bitte vom Gegenteil überzeugen?" Dana sah ihren Partner überrascht und etwas ratlos an, zog sich dann ihr blaues Mützchen zurecht und begann eine Geschichte zu erzählen....."Also gut, Ihr seid so fies zu meinem Foxi, da sollt ihr mal lieber die Wahrheit erfahren, warum er der größte Wichtel von uns allen ist. Paßt mal auf. Vor langer, langer Zeit da war Santa Claus ganz traurig, weil er außer seinen treuen Rentieren keine Freunde hatte, immerhin durfte er sich doch bei den Menschen nicht blicken lassen. Und so mit den Jahren wurde ihm auch die Arbeit zu Last, das viele Geschenkebesorgen und Einpacken - die Wunschzettel sind ja unendlich lang. Er ist ein sehr alter Mann, wie Ihr wißt, und das alles wurde schon bald für ihn zu anstrengend. So dachten sich die Elfen des Winterwaldes, als sie Santa so schrecklich unglücklich sahen, sie müßten ihm doch helfen. Und so kam es, daß sie ihm ein Säckchen voller Feenstaub gaben und sagten: "Das Dir am Liebsten ist vom allem, das bestreue damit und es wir lebendig. Den ganzen Tag über dachte Santa lange nach, was er wohl am Liebsten habe, und da fielen ihm die Wichtelpuppen ein, die er im letzten Jahr an Kinder verteilt hatte. Ein paar davon waren übriggeblieben und saßen einsam in einer Ecke. Da ging Santa auf sie zu und bestreute sie mit dem Staub. Sogleich fingen alle zu wachsen an und wurden lebendig. Sie sprangen und tollten herum, erfüllten Santas Haus mit Leben. Aber da es draußen schon dunkel geworden war wurden alle müde und schliefen ein, auch Santa. Aber zuvor hatte er doch glatt vergessen eine Wichtelpuppe zu bestreuen, die nämlich unter dem Fenster. In der Nacht tobte ein heftiger Sturm, der an der Türe und den Fenstern rüttelte. Weil eines davon aufging plumpste der ganze restliche Feenstaub auf den Kopf dieser Puppe. Und jetzt stellt Euch mal vor, wie wir und alle geschreckt haben, als ein riesengroßer Wichtel in unserem Haus saß und uns kleine genauso entsetzt anstarrte. Es war zwar ziemlich gewöhnungsbedürftig, aber jetzt haben wir ihn alle ganz lieb, weil er ja doch einer von uns ist. Ist doch so, oder Wichtel Foxi?" "Aber logisch, Dana." Ihre Blicke trafen sich und sie reichten sich ihre Hände. "He, wagt es ja nicht hier zu knutschen, Wichtel machen sowas nicht!" Dana und Fox sahen sich nur an und begannen plötzlich so viel zu lachen, daß sie schon glaubten nicht mehr aufhören zu können.

Am Abend

"Tja, Mrs. Braid, aber jetzt müssen wir leider wieder gehen." Er zwinkerte Dana zu. "Ach, das ist wirklich schade. Die Kinder mögen Sie Beide ja richtig gern." "Sagen Sie ihnen, daß wir nächstes Jahr wiederkommen, aber nur wenn sie brav waren!" "Oh, ja, ja, das sind sie bestimmt. Dann wünsche ich Ihnen noch frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr!" "Danke, wir Ihnen auch."

"Mulder, sagen Sie nichts. Ich muß noch zur Weihnachtsfeier meiner Familie, das wissen Sie." "Ok, ok, wir fahren dann so um 8? Gepackt?" "Aber sicher. 8, gut, bis dahin bin ich fertig. Bye." "Bye." Sie gaben einander einen zärtlichen Kuß und stiegen in ihre Autos.

In einer verschneiten Hütte in den Bergen, 22:18

"Ach, wissen Sie, das wollte ich immer schon mal." "Was?" "Mit Ihnen Weihnachten feiern und dann lassen Sie extra wegen mir Ihre Family - Party sausen. Ich fühl mich wirklich geehrt." "Ich bin froh, einen guten Grund zu haben nicht mitfeiern zu müssen, wenn ich ehrlich bin, und außerdem, bei Ihnen ist es viel schöner. Ich hol mal den Champagner." Dana verschwand in der kleinen Küche und kam mit Gläsern in einer die Flasche in der anderen Hand zurück zum Sofa. "So, und das ist mein Geschenk für Sie, Scully. Mir hat es selbst sehr gut gefallen, und da hab ich mir gedacht, es könnte Ihnen möglicherweise ja auch gefallen." "Ok, und hier ist meines für Sie." Sobald die kleinen Päckchen ausgetauscht waren fetzten sie das Papier herunter und machten den Deckel der Schachtel auf, in welcher sich das jeweilige Geschenk befand. Da staunten sie nicht schlecht als...."Scully?" "Mulder?" "DAS GIBT ES NICHT!" Beide, dasselbe Geschenk, das konnte es doch nun wirklich nicht geben. Oder? "Äm, ja, das nennt man peinlich." "Oh ja, sehr peinlich." "Überaus peinlich. Ich hol einen Öffner, für die Flasche, äh, ja." Dana stand auf und wollte in die Küche, als Fox ihre Hand nahm. "Hey doch, hiergeblieben!" "Aber..." Schon wurde sie unterbrochen, aber sehr schön und lieblich. "Dana, ich weiß nicht, was ich ohne Dich machen würde. Du, ja, Du, Du bist irgendwie alles was mir so viel bedeutet, daß ich ohne es nicht mehr leben könnte." "Ich weiß das doch schon lange." Wirklich?" "Aber ja, denn mir, mir geht es genauso. Ich fühle wie Du und Brad war, also wir haben nie...wenn Du glaubst, daß...?" "Nein, das habe ich nicht geglaubt." "Aber eifersüchtig warst Du." "Oh ja, und wie!" Seine Arme umfaßten ihre Taille, massierten Danas Körper. Langsam ging sie rückwärts, bis sie den Wohnzimmertisch zu fassen bekam, auf welchen sie sich dann setzte. Fox zog ihr die Weste aus, und machte sich sogleich auch an ihrem roten Satinkleid zu schaffen. Knopf für Knopf löste er, bis ihr Oberkörper völlig nackt war. Ihre Hände schoben den dunkelgrünen Sweater über seinen Kopf. Während sie seinen Nacken streichelte, begann er schließlich ihre Brüste mit seiner Zunge zu liebkosen. Er flüsterte nahezu atemlos: "Laß mich Dich lieben, hier, jetzt, für alle Zeit. Ich-ich...Dana!" Ihre Küsse wurden immer wilder und intensiver, entlockten Dana ein glückliches Stöhnen. Fox ließ kurz von ihr ab und schlüpfte aus seiner schwarzen Jeans. Dana wollte auch ihr Kleid ausziehen, wogegen Fox protestierte indem er sie zurück auf den Tisch drückte. "Das mach ich." Worauf gleich das Kleid auf den Boden fiel. Er küßte ihren Hals, arbeitete sich langsam bis zu ihrem Bauch vor. >>Ich verbrenne.<< >>Ich weiß.<< Sie wollte irgendetwas tun, aber hielt er sie davon ab, preßte ihre Arme auf den Tisch. "Foxhhhh..." Er umkreiste mit seiner Zunge ihren Bauchnabel und rutschte mit seinem Kopf immer ein kleines Stück weiter nach unten. Seine Hände elektrisierten sie förmlich und ergriffen nun auch ihre Panties, streiften sie über ihre Beine und ließen sie fallen. "Gott, Fox. Ja, Foxhhh." Dana räkelte sich erregt unter seiner Massage, spreizte ihr Beine noch weiter. "Bitte....Fox." "Was denn?" Er grinste sie verschmitzt an. "Sag es mir. Ich will es hören." "Fox, ahhhh, ich will Dich spüren Fox, bitte. Fox!" Jedoch ließ er sie vorerst nur seine Finger spüren. Dana schloß ihre Augen, krallte sich an den Seiten fest und preßte ihren Körper gegen Fox’ Hand. Er zog diese erneut weg, aber diesmal um wirklich seine Shorts auszuziehen. Dann beugte er sich über sie und sah sie nur an, sagte kein Wort. Dana öffnete ihre Augen: "Was ist denn? Fox, bitteee!" "Ich liebe Dich, ich will nur, daß Du das weißt." Dann glitt er in sie und drückte ihre bebenden Hüften fest an sein. "Küß mich!" "Nein?!" Sie umklammerte mit ihren Fingern seinen Nacken schob sich hoch um Fox zu küssen. Er drang härter in sie ein, konnte an nichts mehr denken, nur ihr Verlangen spüren, und sie das seine. Ihr Atem wurde heftiger, sie umschlang mit ihren Beinen Fox noch fester, um ihm klarzumachen, daß sie bereit zu kommen war, und er teilte ihr wenige Sekunden dasselbe mit. Dann war es still, ganz still, so als könne man die Schneeflocken an das Fester fallen hören. Das leise Knacken des Feuers begleitete diese Stille. Sie sahen sich einander in die Augen, brauchten keine Worte um ihr Glück auszudrücken. Aber entschloß sich Fox dann doch ein kleines Gespräch zu beginnen: "Alles, was ich will und vom ersten Augenblick an wollte liegt nun in meinen Armen. Gibt es denn ein schöneres Weihnachtsgeschenk?" "Kann ich mir nicht vorstellen. Ein schöneres Geschenk als mit Dir zusammen zu sein, nie im Leben!" "Ist der Tisch denn nicht hart?" "Oh, ja, und morgen hab ich bestimmt blaue Flecken deinetwegen." "Ja, jetzt ist natürlich alles wieder meine Schuld. Los komm her, Du Arme!" Dann schob Fox eine Hand unter ihren Kopf, die andere unter ihre Taille und half ihr langsam auf. Sie entließ ihn nun aus ihrer ‘Umarmung’, damit er sie schließlich hochheben und zum Bett tragen konnte. Bevor er sie schlußendlich unter die Decke steckte ließ er noch seine Zunge mit ihrer spielen. "Hey, wo willst Du denn hin?" Fox lächelte nur, gab ihr keine Antwort, sondern schaltete den CD-Player ein und kam, nachdem der auf ‘play’ und ‘repeat’ gedrückt hatte, zurück zu Dana. Und sie kuschelten sich aneinander, als aus den Boxen endlich "Bed Of Roses" ertönte.

 

 

 

T h e E n d

ShippyAssi